Sensibilisierung für die Probleme eines anderen Menschen

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Kolinatan
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Sensibilisierung für die Probleme eines anderen Menschen

Beitrag von Kolinatan »

Wie mit Vorurteilen umgehen? Selbst oder gerade, wenn sie nicht explizit vorgetragen werden sondern eher in den Aussagen mitschwingen und nur dann offensichtlicher werden, wenn jemand gerade direkt darüber spricht.

Dass die männlichen Mitglieder im Forum überwiegen dürfte bekannt sein. Soweit die Männer im Forum zugleich auch wenig Kontakt mit Frauen haben, vor allem wenige von denen sie erfahren, welche Herausforderungen sie bei der Beziehungssuche überwinden müssen, ist dann ein guter Nährboden für Vorurteile. Die eigenen Probleme sehen zumeist viel schwieriger aus, als die Problem von anderen Menschen.

Daraus ergibt sich eine gewisse Schieflage. Was ist eine "normale" Frau sei und nur weil Frauen - insbesondere ABinen - im Forum seltener aktiv sind, ergibt sich daraus eine plausibler Beleg dafür, dass sie es leichter hätten, in eine Beziehung zu kommen? In der 5. Folge des AB-Podcast hatte ich einen interessanten Austausch u.a. zu diesem Thema. Hier ein Auszug dazu aus unserer Unterhaltung:
Was vielleicht auch ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist, ist, dass ich im sozialen Umfeld zumindest zu diesem Zeitpunkt noch kaum weibliche Freunde eigentlich hatte und entsprechend natürlich auch so die Erzählungen über Frauen, die es eben auch auf diesem Board gab, nicht so direkt quasi abgeglichen werden konnten mit der Wahrheit, wenn man eben kaum Kontakt zu Frauen hat. Da eben aber in dieser Gruppe der jungen Erwachsenen eben auch schon die Hälfte Frauen waren und man quasi über die Gruppengespräche auch so erfahren hat, was die so umtreibt und so habe ich dann halt schon auch gesehen, es sind größtenteils, sag ich mal, andere Probleme als welche, die mich beschäftigen, was aber natürlich jetzt auch nicht heißt, wie ich dann gemerkt habe, dass die irgendwie weniger schlimm seien oder weniger valide quasi, was dann auch ein Punkt noch war, der eben vieles von diesem Incel-Weltbild zum Fallen gebracht hat oder zumindest man halt dann hinterfragt hat und sich überlegt hat, ist das quasi wirklich so, wie es da dargestellt wurde, eigentlich Männer wie ich alle Probleme dieser Welt quasi, die möglich sind, tragen müssen und Frauen, wie es da eben dargestellt wurde, so Leben im Einfach-Modus haben, das wurde natürlich da auch, hat man dann gesehen, ja, nee, so einfach ist es definitiv nicht und dann eben mit der Zeit dazu geführt, dass man das dann eben diese Gedanken gelöst haben.
Quelle: Transkript zur 5. Folge des AB-Podcast
Ich wünsche mir, dass wir die Vergleiche - wer das schwerere Los habe, es leichter hätte, usw. - einfach weglassen. Sprecht bitte von den Dingen die Euch betreffen und die ihr wisst und nicht darüber, was ihr aufgrund von Vermutungen oder Eurer Beobachtung von außen unterstellt. Ihr werdet damit der Situation des anderen Menschen im Zweifel nicht gerecht werden.

Warum ist dies ein Problem? Überlegt Euch bitte einmal, wie lange bringt ihr die Geduld oder Bereitschaft auf, mit jemandem im Gespräch zu bleiben, wenn die Rückmeldungen die Ihr erhaltet, wiederholt davon zeugen, dass Ihr die Empfindung der anderen Person nicht respektiert sondern im Gegenteil immer wieder deutlich macht, dass Ihr nicht bereit seid zuzuhören, die andere Sichtweise und das persönliche Erleben zu akzeptieren und das Problem für gering oder gar nicht existent erklärt.

Ich denke viele von Euch haben solches Unverständnis ebenfalls bereits erlebt, wenn Ihr z.B. versucht habt Euch mit einem nicht Betroffenen über Euer AB-Sein auszutauschen. Jetzt mal Hand aufs Herz: Habt Ihr das Vorurteil, dass eine Frau leichter in eine Beziehung kommen würde, als ihr dazu in der Lage seid? Schwingt vielleicht sogar die Vorstellung mit, dass mit einer Frau, die dazu nicht in der Lage sei, etwas "nicht stimmen" müsste? Es geht mir nicht darum jemanden einen Vorwurf zu machen, weil er diese Vorstellungen im Kopf hat. Mir ist es wichtig, dass Ihr erkennt, dass Ihr die gleichen Vorstellungen im Kopf habt, die Euch auch Frauen wiederum beim Kennenlernen entgegen bringen, wenn Ihr ihnen sagt, dass Ihr unerfahren in Sachen Beziehung seid und sie Euch deshalb ablehnen. Weil sie auch glauben, dass mit Euch etwas "nicht stimmen" würde. Glaubt Ihr in so einem Moment, dass diese Vorurteile Euch gegenüber gerechtfertigt sind? Mir geht es darum zu sensibilisieren, dass Ihr - wenn ihr solche Vorurteile haben solltet - anderen Menschen mit den gleichen Vorurteilen begegnet, welche Euch ebenso das Leben schwer machen.

Ich möchte mit diesem Beitrag anregen einmal Eure Glaubenssätze zu prüfen und bei Euren Beiträgen zu überlegen, ob ihr gerade vielleicht auf Stereotype oder gar Vorurteile hereinfallt und damit dem Menschen, dem Ihr antwortet das Gefühl vermittelt, dass Ihr seine Situation und sein Problem gerade nicht ernst nehmt sondern kleinredet.

Zum Abschluss noch zwei Filmausschnitte, welche mir beim Schreiben des Beitrags eingefallen sind. Einmal die Szene aus dem Film "A beautiful Mind", wo Nash gerade erkennt, dass die Strategie, dass, wenn alle Männer nur um die attraktivste Frau buhlen, letztlich alle leer ausgehen. Ein weiterer Film, der vermutlich am ehesten das Stereotyp bedient, welches mit dem Vorurteil der ungleichen Chancen und Lasten zwischen Männern und Frauen einher geht, ist Duff - Hast du keine bist du Eine, eine typische vom Entlein zum Schwan Geschichte. Welche das Vorurteil bedient, Frau müsse nur etwas "aus sich machen" und schon würde es mit einer Beziehung klappen. Macht Euch bitte klar, dass solche Vorurteile eben auch durch solche Filme geprägt wird und die Realität vielfältiger ist, was Problem und deren Schwierigkeiten angeht diese zu lösen.

Danke fürs Lesen und darüber nachdenken.
:se-vulcan+: Lebe lang und in Frieden.

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