Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

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Kolinatan
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Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Kolinatan »

Ich erinnere mich an eine Filmszene aus Wolframs Film Love Alien, wo er mit der Psychologin spricht und sie den tollen Satz sagt: "Ja, aber Sie machen etwas, um sie [die Beziehung] zu vermeiden, sonst hätten sie eine."

Bei den Beiträgen und Diskussionen der letzter Zeit hier im Forum, kam mir immer wieder dieser Satz in den Sinn. Auf mich wirkt der Austausch so, als würde permanent aneinander vorbei geschrieben und Kontakt möglichst vermieden. Stattdessen führen Meinungsäußerungen schnell dazu, dass sich eine Person getriggert fühlt und dann entweder aggressiv dagegen hält oder in eine Verteidigung geht.

Für mich sieht es so aus, als würde der Glaube, was zum AB-Status führt oder beiträgt sowie die Vorstellungen darüber, was notwendig wäre, um etwas zu verändern, so gewählt werden, dass mögliche Veränderungen letztlich außerhalb meiner eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten liegen. Ein Problem sehe ich vor allem darin, wenn ich die Beziehungslosigkeit statt als Zustand schließlich als Identität übernehme. Es ist eine Sache, wenn ich Trauer bis hin zu Wut empfinde - und diese Emotionen auch zulasse und verarbeitet - dass ich in jungen Jahren bestimmte Erlebnisse nicht machen konnte. Diese fehlenden Erfahrungen allerdings zu einer Identitätsgeschichte zu machen, welche besagt, dass diese fehlenden Erfahrungen nun mein Leben als AB festschreiben, weil diese zwingend benötigt würden, um in der Gegenwart eine Beziehung führen zu können, erscheint mir wenig hilfreich und erzeugt vor allem zusätzliches Leiden.

Natürlich kann ich verstehen, dass vergangene Erfahrungen und Erlebnisse zu Schutzverhalten geführt haben. Wenn dies der Fall ist und wenn der Wunsch besteht, ein anderes Leben zu führen, sehe ich es als am sinnvollsten an sich Räume zu suchen, wo es möglich ist sich selbst wieder zu öffnen und andere Verhaltensweisen zu lernen. Ich weiß, dass es diese Räume gibt. Das Forum ist dieser Raum leider nicht, denn auch hier wird das urteilende Verhalten zu oft reproduziert und zuhören und bedingungslose Annahme sind hier zu selten erlebbar.

Es wird abstrakt über Türen gestritten und zugleich, dass verurteilende Verhalten reproduziert, dass bei vielen Mitgliedern einen großen Einfluss darauf hatte, dass sie den Kontakt zu Menschen eher meiden. Aus meiner Sicht werden alle möglichen Umständen - sei es fehlenden Erfahrungen, Fähigkeiten und Möglichkeiten, sexuellen Prägungen, gesundheitlichen Zuständen, Aussehen, Verhaltensweisen, fehlendes Glück - angeführt, allerdings nicht um diese Hürden anzugehen und sich einen passenden Weg zu suchen, sondern eher als Entschuldigung oder Rechtfertigung, dass ich nicht bereit bin meine Identität als AB aufzugeben. Was so weit führt, dass sogar Menschen die eine Beziehung hatten, ihre Identität als AB fortführen.

Letztlich sind all diese Erzählungen über die eigene Identität nichts weiter als eine Geschichte, welche mein Verstand mir selbst über mich erzählt. Es ist auch meine Entscheidung ob ich diesen Geschichten glauben möchte oder ob ich mich entscheide, mich nicht von meiner Vergangenheit definieren zu lassen und mich der Angst zu stellen, vielleicht nicht genau zu wissen wer ich bin und was mir in welchem Rahmen möglich ist.

Dies trifft auch auf die Wege zu, welche ich mir selbst suche. Ein Hilfsmittel sich gegen das Leben zu stellen und Veränderung zu vermeiden, ist die Metapher seine Komfortzone verlassen zu müssen. Für mich ist dies ein Spiegel eines gewaltvollen Umgangs mit mir selbst. Ich schätze ein anderes Vorgehen mehr. Indem ich meine Komfortzone stattdessen erweitere kann ich auch mit mir selbst achtsam und respektvoll umgehen ohne mich zu überfordern und durch zusätzliche Ängsten zu blockieren. Ebenso kann ich die Entscheidung treffen, dass ich weder Energie noch Interesse habe meine Situation verändern zu wollen. Es ist nichts verkehrt mit mir, nur weil ich in keiner Paarbeziehung bin oder ich sexuelle Intimität noch nie mit einem anderen Menschen geteilt habe. Also gibt es auch keine Notwendigkeit - wenn nicht aus meinem eigenen persönlichen Wunsch heraus - etwas an diesem Zustand ändern zu müssen.

An manchen Tagen, wenn ich einzelne Beiträge im Forum lese, habe ich für einen Moment den Impuls, die Geschichte der Person zu erfahren und ihr eine Weile zuzuhören. Vielleicht auch etwas Empathie für ihre Situation zu geben und zu ihrem Leben beizutragen. Im Moment gebe ich diesen Impulsen nicht nach, weil schriftlich ist dies für mich recht aufwendig und es frustriert mich, wenn ich sehe wie wenig von dem was ich schreibe zu der Resonanz führt, welche ich selbst suche. Daher möchte ich an dieser Stelle zunächst nur das Angebot machen, wenn Du Dich gerne einmal zu zweit über Dein AB sein mit mir austauschen möchtest und Du bereit bist diese per Videochat zu machen, dann melde Dich gerne bei mir per PN. Ich möchte gerne Mitglieder des Forums besser kennen lernen und mehr über ihre Situation erfahren. Es geht mir nicht darum Freundschaften zu schließen sondern um einen tieferen persönlichen Kontakt und sich einander offen zu begegnen. Zur Erinnerung: Ich habe meinen AB Status abgelegt und lebe in einer langjährigen Beziehung. Danke.
:se-vulcan+: Lebe lang und in Frieden.

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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Deja-vu »

Ich weiß nicht, ob das Ganze wirklich so einfach ist.

Was manche Glaubenssätze nennen, ist für viele das Ergebnis langjähriger Erfahrung und Beobachtung. Woher sonst sollten sie kommen?

Zudem "unterstellt" so eine Annahme, dass man ja gar nichts ändern möchte.


Kolinatan hat geschrieben: ↑28.09.2026, 09:13 Aus meiner Sicht werden alle möglichen Umständen - sei es fehlenden Erfahrungen, Fähigkeiten und Möglichkeiten, sexuellen Prägungen, gesundheitlichen Zuständen, Aussehen, Verhaltensweisen, fehlendes Glück - angeführt, allerdings nicht um diese Hürden anzugehen und sich einen passenden Weg zu suchen, sondern eher als Entschuldigung oder Rechtfertigung, dass ich nicht bereit bin meine Identität als AB aufzugeben.
Ich sehe darin eher den Versuch einer Erklärung.

Sorry für den Vergleich, aber wenn man das Motiv eines Mörders erklärt, dann versucht man auch nachzuvollziehen, was ihn zu der Tat getrieben haben mag, oder welche Umstände ihn zu dem werden ließen was er ist (die berühmte "schlimme Kindheit"). Ohne es entschuldigen oder rechtfertigen zu wollen.

Genauso versuchen eben manche, sich selbst und dem Umfeld zu erklären, was zu ihrem AB Status führte oder beigetragen hat.
Man möchte verstehen, und auch verstanden werden.

Kolinatan hat geschrieben: ↑28.09.2026, 09:13 Für mich sieht es so aus, als würde der Glaube, was zum AB-Status führt oder beiträgt sowie die Vorstellungen darüber, was notwendig wäre, um etwas zu verändern, so gewählt werden, dass mögliche Veränderungen letztlich außerhalb meiner eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten liegen.
Es ist jetzt keine Neuheit, dass beispielsweise körperliche oder psychische Einschränkungen, die bereits den Alltag immens erschweren, es nicht gerade einfacher machen, neue Kontakte zu knüpfen und zu pflegen, geschweige denn, eine Beziehung anzubahnen. Ein paar Stunden Therapie (die heutzutage sowieso zum Luxus geworden ist) reichen eben oft nicht, um alle Baustellen in dem Maße zu beheben, dass man alltagstauglich wird - ganz zu schweigen von beziehungstauglich. Und noch dazu im passenden Zeitfenster. Denn dass es mit zunehmendem Alter zwar nicht unmöglich, aber immer unwahrscheinlicher wird, jemanden zu finden, ist ebenso Realität.

Der Wunsch nach Normalität ist aber dennoch da, gleichzeitig realisiert man jedoch, dass man von dieser Normalität meilenweit entfernt ist. Als wäre man irgendwo mitten auf dem offenen Ozean, und kein Land in Sicht.

Was mich stört ist, dass die Bedeutung des Faktors Glück / Zufall oft so vehement negiert wird. Vielleicht gibt es unterschiedliche Definitionen davon. Glück haben heißt nicht, dass man däumchendrehend zu Hause sitzt, und das passende Partny an der Tür klingelt. Glaube, da sind wir uns einig.
Für mich ist Glück allerdings oft schon das, was für andere selbstverständlich erscheint (weil es eben nicht selbstverständlich ist). Zum Beispiel, gesund zu sein, und am normalen Leben teilnehmen zu können.
Ebenso ist es Glück, trotz Einschränkungen jemand passenden zu finden, in einer Gesellschaft, die immer oberflächlicher und egozentrischer wird. Glückliche Zufälle, wie völlig unverhofft einem passenden Menschen zu begegnen, ohne damit gerechnet zu haben. Für mich ist das wie zufällig 100 Euro auf der Straße finden, genau dann wenn man sie gut gebrauchen kann.
Allein, dass überhaupt zwei Menschen dasselbe für einander empfinden, ist meiner Ansicht nach Glück, so verschieden und kompliziert, wie wir alle sind.

Ich kann letztendlich auch nur beschreiben, was ich allgemein beobachte, und mir daraus eine These bauen. Und die bestätigt sich eben immer wieder: Manche Menschen haben Glück. Andere müssen sich sehr anstrengen. Wieder andere strengen sich wahnsinnig an, so lange bis sie komplett ausbrennen, und der Erfolg bleibt ihnen dennoch verwehrt. Andere wiederum haben gar nicht erst die Kraft für diesen zehrenden Kampf. Das kann man auf alle Lebensbereiche anwenden.

Zum Thema Glaubenssätze: "Jeder ist seines Glückes Schmied", oder "Wo ein Wille, da ein Weg" sind ja auch Glaubenssätze. Und die halte ich für Problematisch, weil sie die Verantwortung immer dem Individuum zuschieben. Denke aber nicht, dass es auch nur einen Menschen auf diesem Planeten gibt, der sein Schicksal komplett in der eigenen Hand hat.
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Einsamkeit_is_doof »

Kolinatan hat geschrieben: ↑28.09.2026, 09:13 Für mich sieht es so aus, als würde der Glaube, was zum AB-Status führt oder beiträgt sowie die Vorstellungen darüber, was notwendig wäre, um etwas zu verändern, so gewählt werden, dass mögliche Veränderungen letztlich außerhalb meiner eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten liegen.
Ja, das beschriebt es sehr gut. Ich habe auch oft das Gefühl, dass es für alle Welt total leicht ist eine Freundin zu finde, nur ich "darf" keine haben. Es fühlt sich tatsächlich so an, als ob die Fähigkeiten eine Freundin zu finden, ausserhalb meiner Möglichkeiten liegen. Warum auch immer. Aber im Grunde bin ich mir auch im Klaren, dass das Quatsch ist und ich es selber in der Hand habe, etwas zu ändern.
Aus meiner Sicht werden alle möglichen Umständen - sei es fehlenden Erfahrungen, Fähigkeiten und Möglichkeiten, sexuellen Prägungen, gesundheitlichen Zuständen, Aussehen, Verhaltensweisen, fehlendes Glück - angeführt, allerdings nicht um diese Hürden anzugehen und sich einen passenden Weg zu suchen, sondern eher als Entschuldigung oder Rechtfertigung, dass ich nicht bereit bin meine Identität als AB aufzugeben.
Naja, seien wir mal ehrlich: Sich in Selbstmitleid zu wälzen ist halt leichter, als aktiv seine Probleme anzugehen. Nur gibt es einen Haken an der Sache: Es ändert sich eben auch nichts. Und nein, ich will mit dieser Sichtweise niemanden angreifen, sondern spreche hier aus eigener Erfahrung! :fessel:
Indem ich meine Komfortzone stattdessen erweitere kann ich auch mit mir selbst achtsam und respektvoll umgehen ohne mich zu überfordern und durch zusätzliche Ängsten zu blockieren.
Aber muss ich nicht, um meine Komfortzone zu erweitern, erstmal die Komfortzone verlassen? :gruebel:
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Tania
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Tania »

Ich habe ja nur einen eingeschränkten Blickwinkel - aber nach meinen Beobachtungen gibt es einige ABs (also unfreiwillig beziehungsunerfahrene Menschen), die sich nur in einem Punkt von freiwilligen Singles unterscheiden: dass sie nicht sagen können "So, das mit ner Beziehung hab ich einmal ausprobiert, ist den Stress für mich nicht wert".

Ob die Mitglieder dieser Gruppe nun tatsächlich nie jemandem begegnet sind, der gewillt war, das Modell "Beziehung" einmal mit ihnen auszuprobieren, oder ob sie sich durch gekonnte Vermeidungstrategien und eine Prise Selbstsabotage zeitlebens um eine Beziehung herumgemogelt haben, lässt sich natürlich nicht sagen. Ich habe allerdings oft genug hier ein "an mir hatte noch nie eine Frau Interesse" von Männern gelesen, von denen ich sicher wusste, dass mindestens eine Frau mal Interesse bekundet hatte (manchmal sogar ich selbst), dass ich den prozentualen Anteil von Variante 1 recht niedrig einschätzen würde.

Deswegen würde ich nicht nur versuchen, das Verhalten an sich zu hinterfragen, sondern auch die Gründe dafür herausfinden wollen. Manche Beziehungsselbstsabotage könnte vielleicht darauf zurückzuführen sein, dass der/die Betreffende sich den Anforderungen und Einschränkungen, die eine Beziehung mit sich bringt, instinktiv nicht gewachsen fühlt. Die Reaktionen auf saschas recht detaillierte Berichte ("Wie kann man nur so schnell umziehen" - "Bei nem Roland Kaiser Konzert wäre ich raus") sprechen da eigentlich für sich. Und ein "Eigentlich glaube ich, dass ich eine Beziehung gar nicht packen würde - zumindest nicht ohne Vieles aufzugeben, das ich nicht aufgeben will" ist schwerer zu schreiben als "Ich finde einfach niemanden, der mich will".
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Machineguy »

Kolinatan hat geschrieben: ↑28.09.2026, 09:13 Letztlich sind all diese Erzählungen über die eigene Identität nichts weiter als eine Geschichte, welche mein Verstand mir selbst über mich erzählt. Es ist auch meine Entscheidung ob ich diesen Geschichten glauben möchte oder ob ich mich entscheide, mich nicht von meiner Vergangenheit definieren zu lassen und mich der Angst zu stellen, vielleicht nicht genau zu wissen wer ich bin und was mir in welchem Rahmen möglich ist..
Das ist eine sehr interessante Überlegung, welche in deutlich mehr Lebensbereichen Anwendung finden kann.
Ich behaupte wenn man einer Gruppe die Aufgabe gibt die Posten einer Firma zu besetzen wird wohl jeder das übernehmen was seiner "Geschichte" entspricht.

Dieses "Geschichte" bauen ist daher etwas völlig normales, wie viele Personen die ich kenne trauen sich kein Stück an Technisches heran, so wie ich mich an viele Sportarten nicht herangetraut habe, einfach weil ich immer zu ungeschickt war und mir dadurch eingeredet habe das nicht zu können. Bis ich es doch irgendwann mal probiert habe.

Erst dadurch konnte ich für mich glaubhaft meine Geschichte umschreiben. Das ist beim AB-Dasein vermutlich ähnlich. Über die Selbstdefinition schützt man sich unterbewusst vor Fehlschlägen und Blamagen. Wenn sich ein Teil der eigenen Gwschichte durch entsprechende Fehlschläge ergeben hat dürfte es sehr schwer sein dies "einfach so" zu überwinden.

Am Ende hat das immer etwas von selbsterfüllenden Prophezeiungen. Wenn man immer das mobbing Opfer war, definiert man sich selbst auch so, wenn auch nicht bewussst freiwillig. Jemand der sich selbst den entsprechenden Stempel gegeben hat reagiert dann entsprechend. Interpretiert die Dinge so wie man es gewohnt ist auch wenn sie nicht so gemeint sind... das funktioniert erstaunlich gut und führt zu immer neuen Eskalationen!
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von sascha94 »

nachdem ich hier namentlich als Anschauungsmaterial aufgetaucht bin, möchte ich mich doch kurz einklinken.

Tania trifft mit ihrer Beobachtung bei mir tatsächlich ziemlich ins Schwarze. Dass meine Veränderungen – etwa der schnelle Umzug nach Bremen oder andere Dinge, die ich hier beschrieben habe – für jemanden, der lange alleine gelebt hat, zunächst ziemlich extrem wirken können, kann ich gut nachvollziehen.

Für mich zeigt das aber genau den Punkt, den Kolinatan und Tania angesprochen haben: Eine Beziehung verändert das eigene Leben zwangsläufig. Man gibt Routinen auf, geht Kompromisse ein und muss bereit sein, einen anderen Menschen wirklich in sein bisheriges Leben hineinzulassen. Bei mir hat das funktioniert, weil ich diese Beziehung wollte und deshalb bereit war, meine Komfortzone Schritt für Schritt zu erweitern.
Deswegen gefällt mir auch der Begriff, ich bin immer noch der alte Mensch, es kamen nur neue Dinge hinzu.

Deja-vu gebe ich gleichzeitig vollkommen recht: Glück spielt eine Rolle. Man kann sich öffnen, Kontakte suchen und an sich arbeiten – aber man kann nicht erzwingen, dass zwei Menschen füreinander dasselbe empfinden.

Vielleicht liegt die interessante Frage deshalb tatsächlich dazwischen: Was liegt außerhalb meiner Kontrolle und was kann ich selbst beeinflussen? Und gerade bei Letzterem finde ich es sinnvoll, ehrlich zu prüfen, ob eine vermeintliche Grenze wirklich unveränderlich ist oder ob sie irgendwann zu einem Teil der eigenen Geschichte geworden ist.

Das bedeutet für mich aber ausdrücklich nicht, dass jeder seine Situation verändern muss. Wer keine Beziehung möchte oder für sich feststellt, dass ihm die damit verbundenen Kompromisse die eigene Freiheit nicht wert sind, trifft damit eine völlig legitime Entscheidung.
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Deja-vu »

Tania hat geschrieben: ↑28.09.2026, 19:42 "Bei nem Roland Kaiser Konzert wäre ich raus"
Weil zufälig ich das geschrieben hatte: Das war eigentlich scherzhaft gemeint. Ich hatte danach erläutert, dass ich grundsätzlich nicht auf Konzerte gehe.

Ich finde es jetzt auch nicht essenziell für eine Beziehung, dass man Dinge nur dem Partner zuliebe macht, erst recht nicht wenn man sich dafür quälen muss.
Jeder Mensch hat gewisse NoGos. Die kann man auch akzeptieren, und stattdessen Kompromisse finden.
Ich würde jedenfalls nicht verlangen, dass jemand nur meinetwegen etwas mitmacht, was ihm absolut nicht liegt, oder wo derjenige sogar Ängste hat.

Thema Wohnen / Umzug: Halte ich auch nicht für ein zwingendes Kriterium, dass man unbedingt zusammen zieht. Es gibt LAT-Beziehungen oder sogar Fernbeziehungen, die gut funktionieren. Wichtig ist, dass sich beide einig sind.

Thema Komfortzone: Ich habe meine allein in diesem Jahr sehr erweitert. Hab Dinge probiert und mir zugetraut, die ich vorher eine Ewigkeit oder grundsätzlich vermieden hatte. Weiter gebracht hat es mich nicht.

Mir scheint, wir reden hier auch schon wieder über Schritt 3 vor Schritt 1.
Die meisten hier im Forum scheitern meiner Beobachtung nach bereits bei der Anbahnung einer Beziehung, oder daran, überhaupt wen kennenzulernen. Überhaupt ein Match oder ein Date zu bekommen.
Der Beziehungsalltag und eventuelle aufzugebende Freiheiten sind also weniger das Problem, denn in diese Phase schafft es kaum jemand.
Auch mir gelingt es immer noch schwer, neue Kontakte zu knüpfen und vor allem zu halten.
Weil ich einfach nicht alltagstauglich bin.

Aber liegt ja alles nur am Mindset.... :roll:
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Einsamkeit_is_doof
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Einsamkeit_is_doof »

Tania hat geschrieben: ↑28.09.2026, 19:42 Ich habe ja nur einen eingeschränkten Blickwinkel - aber nach meinen Beobachtungen gibt es einige ABs (also unfreiwillig beziehungsunerfahrene Menschen), die sich nur in einem Punkt von freiwilligen Singles unterscheiden: dass sie nicht sagen können "So, das mit ner Beziehung hab ich einmal ausprobiert, ist den Stress für mich nicht wert".
Ein weiterer Unterschied ist meiner Meinung nach aber auch, dass sich freiwillige Singles eben freiwillig dazu entschieden haben.
Die Reaktionen auf saschas recht detaillierte Berichte ("Wie kann man nur so schnell umziehen" - "Bei nem Roland Kaiser Konzert wäre ich raus") sprechen da eigentlich für sich. Und ein "Eigentlich glaube ich, dass ich eine Beziehung gar nicht packen würde - zumindest nicht ohne Vieles aufzugeben, das ich nicht aufgeben will" ist schwerer zu schreiben als "Ich finde einfach niemanden, der mich will".
Wenn ein Mensch ins eigene Leben tritt und man mit diesem Menschen eine Beziehung eingeht, dann ist es natürlich so, dass sich einiges im Leben ändere. Lieb gewonnen Gewohnheiten muss man vielleicht loslassen, dafür kann man aber plötzlich andere Dinge erleben, die man allein so vielleicht nie erlebt hätte.
Man muss natürlich auch bereit sein, aufeinander einzugehen. Ich bin z.B. kein Fußballfan. Würde ich aber eine Freundin finde, die Fußballfan ist, würde ich mit ihr natürlich auch mal ins Stadion gehen. Oder wenn sie Roland Kaiser mag, warum nicht auch mal auf ein Konzert mit ihr gehen. Wobei ich Roland Kaiser gar nicht so schlecht finde.
Im Gegenzug würde ich mich aber auch freuen, wenn sie mit mir auch mal auf eine Eisenbahnausstellung gehen würde.
sascha94 hat geschrieben: ↑29.09.2026, 04:53 Eine Beziehung verändert das eigene Leben zwangsläufig. Man gibt Routinen auf, geht Kompromisse ein und muss bereit sein, einen anderen Menschen wirklich in sein bisheriges Leben hineinzulassen. Bei mir hat das funktioniert, weil ich diese Beziehung wollte und deshalb bereit war, meine Komfortzone Schritt für Schritt zu erweitern.
Das finde ich den entscheidenden Punkt! Ich wünsche mir eine Beziehung, das setzt aber auch voraus, dass ich bereit bin, mein Leben zu ändern, sollte ich eine Freundin finden. Aber das ist doch eigentlich auch das, was ich will. Wenn ich mein jetziges Leben 1:1 so weiter leben wollte, dann bräuchte ich ja gar keine Freundin.
Glück spielt eine Rolle. Man kann sich öffnen, Kontakte suchen und an sich arbeiten – aber man kann nicht erzwingen, dass zwei Menschen füreinander dasselbe empfinden.
:good: Da gebe ich dir vollkommen recht. Glück spielt sogar eine große Rolle. Wobei ich der Meinung bin, dass man durch die von dir beschriebenen Massnahmen dem Glück auf die Sprünge helfen kann. Eine Garantie ist es natürlich nicht.
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Obelix »

Deja-vu hat geschrieben: ↑29.09.2026, 11:52 Mir scheint, wir reden hier auch schon wieder über Schritt 3 vor Schritt 1.
Die meisten hier im Forum scheitern meiner Beobachtung nach bereits bei der Anbahnung einer Beziehung, oder daran, überhaupt wen kennenzulernen. Überhaupt ein Match oder ein Date zu bekommen.
Das stimmt schon. Allerdings ist die Angst vor Schritt 3 bei vielen schon ein Hindernis, das ihnen den Mut zu Schritt 1 zerstört. Ich nehme mich selbst da auch nicht aus.
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Tania
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Tania »

Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑29.09.2026, 13:45
Tania hat geschrieben: ↑28.09.2026, 19:42 Ich habe ja nur einen eingeschränkten Blickwinkel - aber nach meinen Beobachtungen gibt es einige ABs (also unfreiwillig beziehungsunerfahrene Menschen), die sich nur in einem Punkt von freiwilligen Singles unterscheiden: dass sie nicht sagen können "So, das mit ner Beziehung hab ich einmal ausprobiert, ist den Stress für mich nicht wert".
Ein weiterer Unterschied ist meiner Meinung nach aber auch, dass sich freiwillige Singles eben freiwillig dazu entschieden haben.
Ich glaube, das ist so ziemlich derselbe Unterschied. Den ABs, die so ähnlich ticken wie die freiwilligen Singles, hatten nie die Chance, sich aufgrund gesammelter Beziehungserfahrung bewusst gegen das Modell "Beziehung" zu entscheiden. Also haben sie sich unbewusst dagegen entschieden und sorgen durch eigene unbewusste Vermeidungsstrategien dafür, dass es nie zu einer Beziehung kommt. Und leiden gleichzeitig darunter, nie diese Erfahrung einer Beziehung gemacht zu haben.
sascha94 hat geschrieben: ↑29.09.2026, 04:53 Man kann sich öffnen, Kontakte suchen und an sich arbeiten – aber man kann nicht erzwingen, dass zwei Menschen füreinander dasselbe empfinden.
Aber man kann für sich hinterfragen, ob man tatsächlich eine Beziehung will - oder eine Beziehung nur unter bestimmten Bedingungen. Konkret: man kann für sich definieren, welche Bedürfnisse eine Beziehung erfüllen soll. Und sollte darin der Punkt "Mein/e Partner/in muss mich genauso heiß und innig lieben wie ich ihn/sie" gar nicht vorkommen, würde das "erzwingen, dass zwei Menschen füreinander dasselbe empfinden" einfach wegfallen.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt: in so genannten arrangierten Ehen sind anfangs nur selten Verliebtheitsgefühle vorhanden. Trotzdem werden sie geschlossen - und Studien zufolge sind die Beteiligten nach einigen Jahren ähnlich glücklich wie Menschen, die aus Liebe geheiratet haben.
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Reinhard »

Also ich finde die Erklärung mittels "Glaubenssätzen", die derjenige falsch haben soll, ein bisschen billig und nichtssagend. Anstatt irgendwie ein fragwürdiges Verhalten oder sowas festzustellen, und was man vielleicht anders und besser machen könnte, sagt man halt, das liegt an irgendeinem Glauben, und wenn man seinen Glaubenssatz ändert, dann würde auch der Rest schon irgendwie nachlaufen und haste-nicht-gesehen wird aus Mauerblümchen zu Charismablume. Aber wenn sich nichts ändert, dann liegt es natürlich daran, dass man noch zu sehr an den alten Glaubenssatz glaubt und zu wenig an den schönen, neuen, den man sich zurechtgelegt hat ...

Und seine Glaubenssaätze soll man wohl einfacher ändern können als das, was man bisher so für sein Hauptproblem gehalten hat. Ich meine, niemand wird einem vorschlagen, dass man erst zum Mond geflogen sein muss, um irgendwas ändern zu können, solange Mondflüge utopisch sind.

Manche ABs haben vielleicht das Problem, dass sie sich selbst am meisten im Weg stehen. Die muss man vielleicht aufrütteln und wieder an die Liebe glauben lassen und dann wird das was. Kann sein. Ob das so viele sind? Ich weiß nicht. So im Allgemeinen haben die Leute doch oft mehr als ein Problem und sowas ist dann manchmal eher ein Symptom als eine Ursache. Und reines Symptomdoktern hat einen schlechten Ruf. :hierlang:

Tania hat geschrieben: ↑28.09.2026, 19:42 Ich habe allerdings oft genug hier ein "an mir hatte noch nie eine Frau Interesse" von Männern gelesen, von denen ich sicher wusste, dass mindestens eine Frau mal Interesse bekundet hatte (manchmal sogar ich selbst), dass ich den prozentualen Anteil von Variante 1 recht niedrig einschätzen würde.
Solche Aussagen sollte man lesen als "noch nie Interesse an mir bemerkt und für realistisch gehalten". :buch:

Gut, das kann an dem Glaubenssatz liegen "die rennt doch sofort schreiend weg, wenn sie mich reden hört / ich den Hut abnehme / sie meine Star-Wars-Merch-Sammlung sieht / was-auch-immer". Aber wahrscheinlicher finde ich, dass jemand wenig Kontakt mit Frauen hat und/oder er nicht so interessant ist, dass sie sich Interessenzeigens-mäßig aus dem Fenster lehnt.
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Deja-vu »

Tania hat geschrieben: ↑29.09.2026, 18:47 Und sollte darin der Punkt "Mein/e Partner/in muss mich genauso heiß und innig lieben wie ich ihn/sie" gar nicht vorkommen, würde das "erzwingen, dass zwei Menschen füreinander dasselbe empfinden" einfach wegfallen.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt: in so genannten arrangierten Ehen sind anfangs nur selten Verliebtheitsgefühle vorhanden. Trotzdem werden sie geschlossen - und Studien zufolge sind die Beteiligten nach einigen Jahren ähnlich glücklich wie Menschen, die aus Liebe geheiratet haben.
Es ist nun nicht das erste Mal, dass du arrangierte Ehen hier so positiv darstellst. Das verwundert mich wirklich. Ich weiß nicht mal im Ansatz, wie man so etwas gutheißen kann ehrlichgesagt.

Vielleicht verstehe ich dich ja falsch. Hoffe ich.
Du glaubst also, gegenseitige Gefühle / Liebe und Anziehung sind überflüssig?
Okay, für nur Sex mag das ja bei manchen Leuten gehen, aber Zusammensein? Zusammenleben?

Wenn das wirklich so leicht ist, dann hier ein (nicht ganz ernst gemeinter) Vorschlag von mir:

Warum losen wir nicht einfach unter allen ABs und ABinen hier im Forum aus, wer mit wem zusammenkommt? Ganz pragmatisch.
(Wohnort Distanz ist auch egal, derjenige mit der kleineren Wohnung zieht einfach zu dem mit der größeren)
Natürlich werden da aufgrund des Überschusses ein paar Männer übrig bleiben.
Aber die können doch einfach schwul werden bzw. eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft eingehen. Für eine reine Zweckbeziehung braucht man ja schließlich weder Liebe noch Anziehung.

Problem gelöst, Forum kann zugemacht werden.

(Sarkasmus off)
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Kolinatan »

Reinhard hat geschrieben: ↑29.09.2026, 19:39 Also ich finde die Erklärung mittels "Glaubenssätzen", die derjenige falsch haben soll, ein bisschen billig und nichtssagend.
Zum Glück hat bisher niemand so eine "Erklärung" abgegeben. Wäre sie doch ebenfalls wieder eine Identitätsgeschichte, welche vom Verstand konstruiert würde.


Ich finde es interessant, wie unterschiedlich mein Beitrag interpretiert wird und wie der Verstand der einzelnen Personen meinen Beitrag in die eigene Identitätsgeschichte integriert, so dass vermieden wird, Unsicherheit über die eigene Identität aufkommen zu lassen.

Ich bin eben nicht frei zu glauben und zu denken, was ich möchte. Es ist einfacher das zu denken, was ich gestern bereits dachte und es erfordert mehr Energie, wenn ich versuche mich auf Vorstellungen einzulassen, welche mir bisher fremd waren bzw. von mir abgelehnt werden. Solange ich mit meinem Sein in der Welt zufrieden bin, braucht es letztlich auch keine Veränderung der eigenen Erzählung. Mein Wunsch ist es, das Leid in meinem Leben weiter zu reduzieren und den Moment so direkt wie möglich zu erleben. Daher ist es mir wichtig mich von Anhaftung zu lösen, was auch beinhaltet meine Identitätsgeschichten loszulassen und meinen Verstand möglichst nur für klare definierte Aufgaben einzusetzen statt ihn unkontrolliert herumvagabundieren zu lassen und Leid zu erzeugen. Gibt es ein Mitglied im Forum, das sich ebenfalls mit dieser Thematik beschäftigt oder Interesse daran hat?
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Tania »

Deja-vu hat geschrieben: ↑29.09.2026, 20:28
Es ist nun nicht das erste Mal, dass du arrangierte Ehen hier so positiv darstellst. Das verwundert mich wirklich. Ich weiß nicht mal im Ansatz, wie man so etwas gutheißen kann ehrlichgesagt.
Was "man" gutheißen kann, ist mir ziemlich egal. Wichtig ist nur, dass die Menschen, die sich für eine arragierte Ehe entscheiden (bitte nicht mit Zwangsheirat verwechseln!) es gutheißen.
Du glaubst also, gegenseitige Gefühle / Liebe und Anziehung sind überflüssig?
Auch was ich glaube, ist kein Maßstab. Wichtig ist wie gesagt nur, was für die zwei Menschen, die sich füreinander einscheiden, gut und richtig ist.

Ich persönlich bin überzeugt, dass Liebe erst innerhalb einer Beziehung wächst. Und dass es ziemlich egal ist, ob diese Beziehung angefangen hat, weil zwei Menschen plötzlich von Amors Pfeil getroffen wurden und vor lauter Schmetterlingen nicht mehr klar denken konnten, oder ob sie angefangen hat, weil zwei Menschen einander gesagt haben "Wir sind jetzt beide 30 und wollen einen Partner, einen Hund und eine Eigentumswohnung - lass uns das doch zusammen machen."
Warum losen wir nicht einfach unter allen ABs und ABinen hier im Forum aus, wer mit wem zusammenkommt? Ganz pragmatisch.
Das erinnert sehr an die immer mal wieder aufkommende Forderung, dass die Gesellschaft sich des Problems der unfreiwilligen Partnerlosigkeit annehmen solle, indem sie alleinstehenden Menschen einen Partner zuweist. Manchmal wurde die Forderung auch auf einen staatlich finanzierten sexuellen Dienstleister reduziert.

Die Diskussion brach irgendwie jedesmal ab, wenn darauf hingewiesen wurde, dass die Antragsteller den zugewiesenen Partner/Dienstleister dann aber auch akzeptieren müssten. Auch wenn er nicht dem jeweiligen Traumpartnerideal entsprechen würde.
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Vogel »

Tania hat geschrieben: ↑29.09.2026, 21:49 Das erinnert sehr an die immer mal wieder aufkommende Forderung, dass die Gesellschaft sich des Problems der unfreiwilligen Partnerlosigkeit annehmen solle, indem sie alleinstehenden Menschen einen Partner zuweist. Manchmal wurde die Forderung auch auf einen staatlich finanzierten sexuellen Dienstleister reduziert.
Was im Grunde genommen gar nicht unlogisch klingt: Wir leben in einem Sozialstaat - werde ich arbeitslos, gibt es finanzielle Hilfe, damit ich weiterhin ein Mindeststandard leben kann. Bin ich krank, verletzt, gibt es Hilfe, ...
Wir wissen, das Einsamkeit, fehlende soziale Beziehungen, ...krank machen können. Daher ist der Gedanke erst mal gar nicht so unlogisch. Nur: er funktioniert halt nicht. Entsprechende TV-Formate liefern den Beweis.

Aber dahinter steckt - wie ich finde - ein reales und ernstes Problem: Stigmatisierung, Einsamkeit, soziale Hürden. Die müssten abgebaut werden. Und da könnte der Staat was tun: Zugang zu Therapien erleichtern; Aufklärung unterstützen und fördern; Isolation entgegenwirken, ....
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Tania »

Vogel hat geschrieben: ↑29.09.2026, 22:40 Wir wissen, das Einsamkeit, fehlende soziale Beziehungen, ...krank machen können. Daher ist der Gedanke erst mal gar nicht so unlogisch.
Die Frage ist nur: wie gut hilft ein staatlich verordneter Einsamkeitsvertreiber? Okay, ich bin auch sehr dankbar, dass ich zu Coronazeiten wenigstens einmal pro Woche eine Stunde mit einem echten Menschen reden konnte - auch wenn es "nur" eine Therapeutin war. Aber echte Freunde - also Menschen, die mit mir reden, weil sie das wollen, nicht weil es ihr Job ist - kann so etwas nicht ersetzen.

Und die Therapeutin konnte ich mir auch nur insoweit aussuchen, dass ich zwischen "die" und "noch weiter warten" wählen konnte. Mit den Einsamkeitsvertreibern oder gar staatlich verordneten Partnern dürfte es ähnlich aussehen - man muss im Wesentlichen nehmen, was verfügbar ist.
Und da könnte der Staat was tun: Zugang zu Therapien erleichtern; Aufklärung unterstützen und fördern; Isolation entgegenwirken, ....
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Vogel »

Tania hat geschrieben: ↑29.09.2026, 23:50 Die Frage ist nur: wie gut hilft ein staatlich verordneter Einsamkeitsvertreiber? Okay, ich bin auch sehr dankbar, dass ich zu Coronazeiten wenigstens einmal pro Woche eine Stunde mit einem echten Menschen reden konnte - auch wenn es "nur" eine Therapeutin war. Aber echte Freunde - also Menschen, die mit mir reden, weil sie das wollen, nicht weil es ihr Job ist - kann so etwas nicht ersetzen.
Nein - wobei die Frage ohnehin wäre, ob eine gute Freundschaft das wirklich immer leisten kann. Aber für viele wäre ein Therapeut ne gute Hilfe. Über Probleme sprechen können, sich mal "ausheulen". Ich erinnere mich, das wir im Studium uns zum Thema Alterseinsamkeit mit verschiedenen Projekten und Ideen dazu auseinandergesetzt haben: so gab es wissenschaftliche Vorschläge, speziell geschulte Postboten einzusetzen, die sich Zeit nehmen mit den älteren Menschen sprechen. Oder geschulte Supermarktmitarbeiter, die an den Kassen ein "Schwätzle" mit den Leuten halten.
Tania hat geschrieben: ↑29.09.2026, 23:50 Und die Therapeutin konnte ich mir auch nur insoweit aussuchen, dass ich zwischen "die" und "noch weiter warten" wählen konnte. Mit den Einsamkeitsvertreibern oder gar staatlich verordneten Partnern dürfte es ähnlich aussehen - man muss im Wesentlichen nehmen, was verfügbar ist.
Hängt vom eigenen Druck ab. Wieviel Frauen und Männer da draussen gibt es, die sich die/ den erstbeste*n genommen haben, um den gesellschaftlichen Druck standzuhalten? Für mich wirkt die Partnersuche immer irgendwie als "Reise nach Jerusalem", bzw. "Mein rechter, rechter Platz ist leer, ich wünsche mir den/die...."
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Deja-vu »

Tania hat geschrieben: ↑29.09.2026, 21:49 Was "man" gutheißen kann, ist mir ziemlich egal. Wichtig ist nur, dass die Menschen, die sich für eine arragierte Ehe entscheiden (bitte nicht mit Zwangsheirat verwechseln!) es gutheißen.
Okay, dann hab ich das missverstanden. Hatte es mit Zwangsheirat gleichgesetzt.

Wer das freiwillig machen will, okay.

Aber mir ist noch immer nicht klar, warum du hier so häufig dazu rätst. Da schwingt immer so mit, dass Verliebtsein ein zu hoher Anspruch wäre. Wenn das bereits ein zu hoher Anspruch ist, dann weiß ich auch nicht... Viele, sehr viele andere Menschen empfinden das als essenziell und dürfen es auch erleben.

Es geht doch nicht um eine Partnerschaft nur um der Partnerschaft Willen. Nur um nicht allein zu sein.

Zumindest mir persönlich geht es vor allem genau darum, zu erleben, was ich noch nie erlebt habe. Gerade dieses Anfangsstadium einer Beziehung, mit allem drum und dran, und bestenfalls wird was Langfristiges draus.

Wenn man Liebe und Derartiges unwichtig findet, reicht doch auch eine Freundschaft. Deren Wert wird hier immer, auch von dir, unterschätzt, weil viele hier wohl nur lockere Freundschaft / Kumpelschaft kennen.
Ein Freund kann aber genauso ein Mensch sein, mit dem man sein Leben teilt. Mit dem man fast alles zusammen macht, sogar zusammen wohnt. Es fehlen dann nur Romantik/ Liebe und Sex. Aber die fehlen in einer arrangierten Partnerschaft ja auch.
Tania hat geschrieben: ↑29.09.2026, 21:49 Das erinnert sehr an die immer mal wieder aufkommende Forderung, dass die Gesellschaft sich des Problems der unfreiwilligen Partnerlosigkeit annehmen solle, indem sie alleinstehenden Menschen einen Partner zuweist. Manchmal wurde die Forderung auch auf einen staatlich finanzierten sexuellen Dienstleister reduziert.

Die Diskussion brach irgendwie jedesmal ab, wenn darauf hingewiesen wurde, dass die Antragsteller den zugewiesenen Partner/Dienstleister dann aber auch akzeptieren müssten. Auch wenn er nicht dem jeweiligen Traumpartnerideal entsprechen würde.
Der ganze Gedankengang ist einfach nur absurd, finde ich.

Obelix hat geschrieben: ↑29.09.2026, 18:39 Allerdings ist die Angst vor Schritt 3 bei vielen schon ein Hindernis, das ihnen den Mut zu Schritt 1 zerstört.
Ich kann mich hier nur auf Beobachtungen / gelesene Beiträge berufen:

Viele hier betreiben fast schon exzessives Dating, aber bekommen einfach keine Reaktion, keine Antwort, kein Interesse.
Oder sie bekommen irgendwann ein Date, aber werden dann abgelehnt (nicht sie lehnen ab).
Da liegt es doch nun bei Weitem nicht am eigenen Mut.
Aber es kann negative Glaubenssätze verstärken, und auf Dauer frustrieren.
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Optimist »

Deja-vu hat geschrieben: ↑29.09.2026, 20:28
Tania hat geschrieben: ↑29.09.2026, 18:47 Und sollte darin der Punkt "Mein/e Partner/in muss mich genauso heiß und innig lieben wie ich ihn/sie" gar nicht vorkommen, würde das "erzwingen, dass zwei Menschen füreinander dasselbe empfinden" einfach wegfallen.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt: in so genannten arrangierten Ehen sind anfangs nur selten Verliebtheitsgefühle vorhanden. Trotzdem werden sie geschlossen - und Studien zufolge sind die Beteiligten nach einigen Jahren ähnlich glücklich wie Menschen, die aus Liebe geheiratet haben.
Es ist nun nicht das erste Mal, dass du arrangierte Ehen hier so positiv darstellst. Das verwundert mich wirklich. Ich weiß nicht mal im Ansatz, wie man so etwas gutheißen kann ehrlichgesagt.

Vielleicht verstehe ich dich ja falsch. Hoffe ich.
Du glaubst also, gegenseitige Gefühle / Liebe und Anziehung sind überflüssig?
Okay, für nur Sex mag das ja bei manchen Leuten gehen, aber Zusammensein? Zusammenleben?
Die Menschen in arrangierten Ehen werden in der Regel versuchen das Beste aus der Situation zu machen. Und mit der Zeit können sich auch Gefühle entwickeln. Das Problem mit der Anziehung bleibt natürlich bestehen. Wenn sich zwei Leute in der Disco kennenlernen und sofort miteinander schlafen, sind ja auch noch keine Gefühle im Spiel, aber zumindest die gegenseitige Anziehung ist vorhanden.
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Vogel »

Kolinatan hat geschrieben: ↑28.09.2026, 09:13 Ich erinnere mich an eine Filmszene aus Wolframs Film Love Alien, wo er mit der Psychologin spricht und sie den tollen Satz sagt: "Ja, aber Sie machen etwas, um sie [die Beziehung] zu vermeiden, sonst hätten sie eine."
[...]
Hallo Kolinatan,

Ich finden den Film nachwie vor großartig, und erkenne mich darin so häufig.

Aber erstmal Danke für das Angebot an uns ABs, mehr über den Menschen und Biografie hinter dem Nickname zu erfahren. Ich kann Deine Beobachtung teilen, das hier ständig aneinander vorbei geschrieben wird, und oft genug entweder im Angriffs- oder Verteidigungsmodus ist.
Nur stimme ich nicht unbedingt Deiner Vermutung zu, das eine Vemeidungsstrategie zu notwendigen Änderungen als Grund dahinter steckt. Auch sehe ich Deine Gedanken mit der Identität eher kritisch.

Menschen ohne sexuelle und Beziehungserfahrung gehören in unserer partnerorientierten Gesellschaft zu einer stillen Minderheit. Dieses suchen und festhalten einer eigenen Identität kennen wir auch von anderen Minderheiten. Der Unterschied hier mag aber sein, das Sexuelle Neigung oder Behinderungen unveränderbar sind. Beim AB ist es das nicht - aber ich behaupte je länger der Zustand anhält, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, das sich dieses ändert. Was aber ABs wieder mit anderen Minderheiten gemeinsam haben, das die Gesellschaft die Verantwortung bei den Betroffenen abläd, und ein Stück weit deren Bedürfnisse ignoriert.

Ehrlich gesagt, für mich als AB fühlt sich meine Beziehungsunerfahrenheit oft genug wie eine Art sozialer Ausschluss an, weil sich sehr sehr vieles immer an Beziehung, Paare und Sexualität normativ orientiert: mache ich morgens das Radio an, dudeln mir zu oft Lieder wo es um Liebe geht. Schlage ich die Zeitungen auf, bekomme ich neben den Nachrichten Beziehungs- und Sextipps, oder die neusten Liebesgeschichten der Prominenz. Mittlerweile in der Lokalzeitung sogar Geschichten von älteren Paaren, wie sie sich kennengelernt haben. Auf dem Weg zur Arbeit komme ich an Plakaten zur Verhütung vorbei, Werbeplakaten für Hochzeitsmessen. Ich sehe Paare, die sich küssen. Auf der Arbeit wird stolz von den Partnern erzählt, der eigenen Beziehung, Datingerfahrungen und gelegentlich auch über Sex gesprochen. Zuhause angekommen gibt es kaum eine Serie, wo es nicht auch um Beziehung, Liebe etc.. geht - als wäre dass das oberste Ziel. Plane ich meinen Urlaub zahle ich für ein Einzelzimmer deutlich mehr. Wohnungen sind zu häufig auf Paare ausgerichtet. Auf einem Ehemaligentreffen meines Erststudiums saß ich irgendwann heulend auf der Toilette, weil ich mir fast 3h lang schweigend die Partner-/Beziehungs../ kinder...- geschichten anhören musste. Wobei sich keiner mit mir unterhalten wollte - weil ich dazu nichts beitragen konnte. Schon Kinder werden gefragt, ob sie schon einen Freund/ Freundin hätten und es wird still erwartet, mit der Pupertät erste sexuelle Erfahrungen zu machen. Wer keine diese Erfahrungen gemacht hat, bzw. alleine lebt wird zu häufig als schrulliger, eigenbrötliger Mensch oder gar sozial inkompetent wahrgenommen. Ist der Freundeskreis irgendwann verpartnert, driften verbliebene Singles in dem Kreis oft automatisch ab - Paare verbringen ihre Freizeit vor allem - wenn nicht mit sich selbst - dann mit anderen Paaren („Pärchen-Abende“), die ungebundene Person passt dann plötzlich überhaupt nicht mehr hinein. Ich habe mal vor etlichen Jahren auf der Arbeit mitbekommen, wie eine Frau sich über einen Kollegen abfällig geäußert hatte, der mit Ü50 keine Frau hatte (mutmaßlich ebenfalls AB). Und natürlich: man selbst sehnt sich natürlicherweise nach jemanden anderen.

Ich bin mittlerweile so lange AB, das es leider deshalb tatsächlich mehr oder weniger gezwungen zu meiner Identität wurde. Die Kinder derjeniger, für die ich mich interessiert hatte, sind nun in einem Alter, in der sie selbst bereits erste Erfahrungen sammeln.

Ich habe immer wieder Versuche gestartet, daran was zu ändern. Aber wenn im gesamten Leben gerade mal drei Frauen überhaupt sich mit Dir treffen wollen und dann aber nicht mehr, andere von Beginn schon deutlich machen, das du maximal als Seelenmülleimer dienlich bist, während Du aber andere Menschen beobachtest, die ohne große sichtbare Anstrengungen Beziehungen eingehen, wie sie wie selbstverständlich Sex haben, Du irgendwann überhaupt nicht einmal mehr gefragt wirst ob Du eine Partnerin hast - dann nimmst Du Dich irgendwann gar nicht mehr anders als eben ein AB oder als "Alien" wahr. Im realen Leben habe ich auf Fragen warum das so ist und was ich ändern müsste kaum hilfreiche Antworten bekommen - die meisten Menschen haben sich auch nie dazu Gedanken gemacht - weil sie es nie mussten! Und genau das spiegelt sich auch in dem oben zitierten Satz wieder, den die Therapeutin im Film von Wolfram Huke sagte, deutlich wieder. Als Kind und Teenie hatte ich immer geglaubt, es passiert automatisch, das man eine Frau findet, sich verliebt, heiratet.

Für mich ist deshalb die Identität kein Schutzschild - sondern schlichtwegs die Folge aus dem, was für mich traurige Realität ist. Ich würde mich dagegen wahnsinnig gerne als liebender Mann, Vater, Beziehungspartner, Sexualpartner, oder mal als krasser Gegensatz dazu als "Womanizer" sehen - aber ich weiß nicht, wie ich das dahinzu ändern könnte. Selbst wenn ich jetzt wieder mehr Muskeln hätte, einen männlicheren Körper - ich wüßte nicht, was ich weiter machen müsste.

Und das alles sind Aspekte, die ich bei Deinem Beitrag vermisse. Ich bin mir sicher, das ich mit solchen Erfahrungen nicht alleine bin - und deshalb für mich eben erklären warum manche ABs so reagieren, wie sie reagieren.

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