Enthaltsamkeit - Was spricht dafür und was dagegen?

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Re: Enthaltsamkeit - Was spricht dafür und was dagegen?

Beitrag von Tiefschuerfer »

ManuAB hat geschrieben: ↑04.07.2024, 16:35 Also. Einmal wären da die Medien. Da sieht man wie sehr einem der Sex in den Kopf gehämmert wird.
Und außerdem stimmt es nicht, dass nicht über Sex gesprochen wird. Es wird nonstop über Sex gesprochen. Nahezu überall. Selbst letztens auf der Feier wo ich war wurden die ganze Zeit zahlreiche Sexgeschichten über sehr sehr viele verschiedene Leute rausgehauen. Von Romatik, wahrer Liebe und Ehe war nicht die Rede.
Ich gebe dir Recht, dass die Medien und die Öffentlichkeit (in der westlichen Welt) hypersexualisiert sind, dennoch gibt es tatsächlich Studien die besagen, dass "in der realen Welt" die Menschen weniger Sex haben. Siehe z.B. Hier:https://www.zdf.de/nachrichten/panorama ... e-100.html
Und gerade ABs würden enorm von einer strengeren Sexualethik profitieren,
Ich bin auch gläubig und sehe die Sache mit Sex vor der Ehe ähnlich wie du; trotzdem kann ich die hier nicht ganz zustimmen bzw. würde - wäre es als Frage formuliert - mit einem "jein" antworten.
ABs würden nur von einer strengen Sexualethik profitieren, wenn auch Ehelosigkeit an sich ein Wert wäre, so wie sie es ja im Neuen Testament ist. In der Realität ist es aber so, dass im frommen evangelisch (freikirchlichen) Bereich, wo eine vergleichsweise strenge Sexualethik herrscht, Singles oder Ehelose unsichtbar sind, bzw. als solche angesehen werden, die noch in der Warteschleife sind oder die einfach niemanden abbekommen haben - oder im schlimmsten Falle als "geistlich unreif" abgestempelt werden.
Im Katholizismus/(östlicher) Orthodoxie gibt es dann noch Orden das Mönchtum etc., wo man seine Ehelosigkeit leben kann...
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Re: Enthaltsamkeit - Was spricht dafür und was dagegen?

Beitrag von ManuAB »

Tiefschuerfer hat geschrieben: ↑09.07.2024, 08:31 Ich bin auch gläubig und sehe die Sache mit Sex vor der Ehe ähnlich wie du; trotzdem kann ich die hier nicht ganz zustimmen bzw. würde - wäre es als Frage formuliert - mit einem "jein" antworten. [...]
Gut, bei letzterem beziehe ich mich eher auf jüngere ABs also unter 30 und maximal bis 35. Ja, danach wird das definitiv ein Problem.
Zuletzt geändert von Kolinatan am 09.07.2024, 11:32, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Vollzitat gekürzt.
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Re: Enthaltsamkeit - Was spricht dafür und was dagegen?

Beitrag von knopper »

ManuAB hat geschrieben: ↑04.07.2024, 16:35 Es wird nonstop über Sex gesprochen. Nahezu überall. Selbst letztens auf der Feier wo ich war wurden die ganze Zeit zahlreiche Sexgeschichten über sehr sehr viele verschiedene Leute rausgehauen. Von Romatik, wahrer Liebe und Ehe war nicht die Rede.

ja, ist auch ganz klar mein Eindruck. Am Ende ist Sex ist im Grunde alles bzw. eine Art Ziel was ja auch jeder erreichen will, wenn er einen anderen Menschen begehrt.
Natürlich geht es nicht permanent und primär um Sex bei Gesprächen auf Feiern aber doch immer irgendwie in Richtung "wer mit wem", "die mit dem", "die, der bekommen ja jetzt auch ein Kind", "die/der heiratet jetzt", "ach wie toll" usw.. das sind immer so die Themen, gerade wenn Frauen dabei sind, Männer unter sich eher nicht so.

und das ist was mich als AB natürlich immer total mürbe macht bzw. runterzieht. :cry:
Daher wünsche ich mir schon so sehr, dass wenigstens einmal ich derjenige bin der es nun "geschafft hat", der die richtige Partnerin gefunden, wo ich einmal im Mittelpunkt stehe und sich alle freuen, "hätten wir nicht mehr gedacht" usw. :D

Ich weiß aber, dass das mittlerweile nur noch Illusion und reines Wunschdenken ist, und ich in dem AB und sexlosen Status verbleiben werde. :cry:
ManuAB hat geschrieben: ↑04.07.2024, 16:35 Ansprechen werde ich mit dem Ziel eine Frau zu finden nicht (und ich gehe auch auf keine Datingplattform mehr). In der Regel sehen die nämlich gut genug aus, um bei einem Typen wie Brad Pitt zu landen, der angeblich sehr gut aussehen soll. Mittlerweile will ich mich da wirklich nicht mehr anpassen. Ich will einfach nur ich sein und wenn mich die Frauen nicht so wollen, wie ich bin, dann sollen sie mich nicht haben und ich bleibe allein. Dann hab ich mehr Zeit zum Lesen, zum Zocken, zum Filme sehen, Musik hören, Geschichten schreiben usw.
All meine Hobbys halt.
jo, erkenne ich mich auch etwas wieder. Jedes Mal wenn ich in einer Dating App mit einer schreibe scheint sie irgendwie ein interessanteres Leben zu haben als ich und ich erwische mich dabei "auch so" werden zu wollen, eben um bei solchen Frauen zu landen.
Ja, ein einziges mal wollte mich eine Frau wirklich so wie ich bin, fand mich interessant und wohl auch anziehend (die Story im Dezember, ihr wisst schon), aber da bin ich mir auch noch nicht so ganz sicher.

Die Realität ist, dass die meisten eben keinen Langweiler wie mich wollen.
Frauen sind sozial sehr aktiv und unternehmenstechnisch meist auch. Ich merke, dass mit das aber nicht so zusagt, also wenn ich mich dahingehen verändere. Ich war noch nie groß der soziale Typ und werde es wohl auch nicht mehr werden. Es raubt mir eher Kraft, als welche zu geben.
Das ist mit ein entscheidender Faktor fürs AB-sein, ganz klar.
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Re: Enthaltsamkeit - Was spricht dafür und was dagegen?

Beitrag von ManuAB »

knopper hat geschrieben: ↑12.07.2024, 09:22 Die Realität ist, dass die meisten eben keinen Langweiler wie mich wollen. [...]
Obwohl ich auch öfter das Gefühl hab, dass ich langweilig bin, scheine ich aber doch oft genug interessante Themen zu haben und lange zu reden (vorausgesetzt mein Gegenüber interessiert sich auch dafür). Wenn ich warm bin, dann kann ich lange reden und Leute mir zuhören. Also scheint das weniger ein Problem für mich zu sein.

Ich hoffe nur, dass ich nicht zu alt bin, um es noch zu schaffen zu heiraten und Kinder zu bekommen.
Zuletzt geändert von Kolinatan am 12.07.2024, 17:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Enthaltsamkeit - Was spricht dafür und was dagegen?

Beitrag von Serendipity »

@ManuAB
Zunächst einmal sei erwähnt, dass es eine absolut legitime persönliche Entscheidung ist in freiwilliger Enthaltsamkeit zu leben.
Denn wir leben glücklicherweise mittlerweile in einer Gesellschaft, die es jedem erlaubt nach seinen persönlichen Vorstellungen und Bedürfnissen sein Leben selbst und frei auszugestalten, solange dies nicht das Leben, die Gesundheit und eben die Freiheiten anderer Menschen verletzt oder einschränkt.
Und wenn dein Lebenskonzept ein religiöses vom Glauben geprägtes Konzept ist, dass Sex nur in der Ehe vorsieht, dann ist so.
Beim Lesen deiner zahlreichen Posts in diesem Thread habe ich mich nur immer gefragt, was erwartet und erhofft er sich persönlich davon –mal abgesehen von der Vermeidung unerwünschter Geschlechtskrankheiten und Schwangerschaften- wenn er an der Beibehaltung der religiös geprägten Ehe bzw. an der Ehe als einziges Beziehungsmodell überhaupt festhält? So richtig konnte ich darauf noch keine Antwort finden.

Vielleicht interessiert dich jedoch mal die Sichtweise von jemanden, der so gar nichts mit deinem Lebenskonzept anfangen kann: Ich bin der Ansicht, dass es ein verdammt langer und steiniger Weg war, um die Gesellschaft –in der bei Weiten noch Vieles nicht zum Besten steht- zu generieren, in der wir heute leben. Und ein Grund für diesen langen und steinigen Weg war die jahrhundertelange gesellschaftliche (Vor-)Machtstellung von Kirche und Religion, unter anderen mit deren Dogma von der Ehe. Vor diesem Hintergrund bin ich weder ein Fan von der Institution Kirche/Religion noch der der Ehe (egal ob religiös oder zivilrechtlich). Beides lehne ich für mich persönlich ab.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass deine Vorstellung von der Ehe sehr idealisiert und romantisiert geprägt ist.
Die Kirche –vor allem die Katholische- hat mit ihrer Auslegung des Ehebegriffes doch maßgeblich dazu beigetragen, dass jahrhundertelang eine patriarchische Gesellschaftsform aufrechterhalten blieb. In der eine Frau nichts galt, es sei denn sie war Ehefrau und Mutter. Töchter waren solange eine Belastung für die Familie (= den Vater), wie sie unverheiratet waren und mit einer Eheschließung konnten sie dann in die nächste männliche Abhängigkeit abgegeben werden. Natürlich musste eine Frau als Jungfrau in die Ehe gehen, damit der Mann zum einen (relativ) sicher sein konnte, dass die gezeugte Nachkommenschaft seinen Lenden entstammt und zum anderen –aber das wahrscheinlich nur hinter vorgehaltener Hand-, damit er nicht den Vergleich mit zumindest einem anderen Mann fürchten musste. Hielt eine Frau sich nicht an diese Konventionen, war sie nicht nur gesellschaftlich und wirtschaftlich ruiniert, sondern ihr wurde von der Kirche auch noch ewige Verdammnis und der Verlust ihres Seelenheils prophezeit.

Im Gegensatz dazu war es toleriert und nahezu gängiger Usus, dass ein Mann sich natürlich und ohne weitere Konsequenzen die vorehelichen Hörner abstoßen durfte, vielleicht sogar sollte, damit wenigstens einer in der Hochzeitsnacht wusste was zu tun ist. Und im Falle, dass sich mit der Zeit herausstellte, dass die Ehepartner dann in vielerlei Hinsicht nicht zusammenpassten, war es dem Mann natürlich gestattet außereheliche Beziehungen mit Mätressen zu führen oder aber zumindest regelmäßig das Bordell aufzusuchen. Denn eine Scheidung wurde schließlich von der Kirche nicht gestattet.
Kein Wunder also, dass unter diesen Ausgangsvoraussetzungen in den seltensten Fällen Liebesheiraten geschlossen wurden, sondern eher arrangierte und Versorgerehen. Da die Kirche zu irgendeinem Zeitpunkt (ich glaube so ab dem 11. Jahrhundert) das Dogma erließ, dass Lust gleich Sünde ist und der Geschlechtsakt daher nur der Zeugung von ehelichen Nachkommen dienen sollte.

Die von dir vielleicht gewünschte und erhoffte Romantik und wahre Liebe war somit eher die Ausnahme denn die Regel.

Interessant finde ich ja auch, dass der Begriff /Bezug „Liebe“ in den außerehelichen Bezeichnungen der „GeLIEBten“ oder des „LIEBhabers“ vorkommt, während es anderseits einfach nur Ehefrau / Ehemann / Ehegattin / Ehegatte heißt. Liebe, wird hier wohl eher mit außerehelichen Beziehungen in Verbindung gebracht.

Von daher brauche ich für mich, im Falle von echter Romantik und wahrer Liebe weder die Segnung oder Absolution der Kirche / Religion, noch ein Stück Papier auf dem steht zu wem ich gehöre. Echte emotionale Bindung zu einem Menschen kann ich auch ohne all dies aufbauen und beibehalten. Ich verschenke mein Herz -und vielleicht sogar meine Seele- freiwillig und ich brauche dafür keinen institutionalisieren Rahmen. Ich muss nur einem Menschen gegenüber ein Versprechen abgeben und dass nicht in Gegenwart eines mir völlig Fremden, der das Ganze dann hinterher auf irgendeiner Urkunde besiegelt. Denn die Institution Ehe liefert nun mal keine Garantie dafür, dass a) der andere genauso empfindet wie man selbst und b) die Empfindungen auf ewig gleichbleiben und sich im Laufe der Zeit nicht ändern können.

Du sprichst von einer „hypersexualisierten Gesellschaft“ (Ich wäre vorsichtig mit einer solchen Bezeichnung, da du ansonsten eine ganze Gesellschaft als krankhaft sexsüchtig titulierst) und einer „strengeren Sexualethik“, die wahrscheinlich insbesondere für ABs von Vorteil wäre, weil dadurch gerade deren vermeintliche Unzulänglichkeiten in den Hintergrund treten würden. Sich damit deren Probleme als ABs vielleicht verringern würden und damit endlich auf dem Partnerschaftsmarkt höhere Chancen hätten.
Nur: Warum sollen die Freiheiten von Vielen wieder eingeschränkt werden, nur damit eine Minderheit sich in ihrer Umwelt besserer und sicherer fühlt?

Ich für meinen Teil möchte bedenkenlos entscheiden können ob, wann und mit wem ich Sex haben will und kann. Sei es nun in einer emotional gefestigten monogamen Partnerschaft oder weil ich gerade einfach nur –sorry- geil bin und ich tatsächlich die Gelegenheit habe diese Geilheit mit jemanden auszuleben und zu befriedigen.
Ich habe jahrzehntelang unter meinem ABtum gelitten, weil ich mir vieles eingeredet habe was so nicht zutraf und damit Blockaden aufgebaut hatte, die ich mühevoll wieder einreißen musste. Jetzt fühle ich mich frei und ich für meinen Teil würde dafür kämpfen, dass mir diese Freiheiten nicht wieder weggenommen werden, weil ein kleiner Teil der Gesellschaft, meiner Ansicht nach, zu längst überholten Normen zurückkehren möchte.
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Re: Enthaltsamkeit - Was spricht dafür und was dagegen?

Beitrag von ManuAB »

Serendipity hat geschrieben: ↑15.07.2024, 10:26
Du denkst zu sehr an Dogmen die später von der Kirche erlassen wurden.
Mir geht es um das was Gott uns über Jesus mitgeteilt hat. Wenn du nicht so leben willst ist das dein Recht.
Ich finde, dass wir mit unserer heutigen Vorstellung von Sexualität noch weiter zurück gehen und zwar zu den Höhlenmenschen (nicht ganz, aber doch nah genug). Wir gehen immer mehr in Richtung einer Trieb-Gesellschaft. Das Ausleben der Triebe steht an immer höherer Stelle.
Ich will wieder weg davon. Sex wieder als das sehen was es ist. Ein Geschenk von Gott um zwei Menschen zu Vereinen und damit der Mensch sich fortpflanzen kann.
Zuletzt geändert von Kolinatan am 17.07.2024, 20:21, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Enthaltsamkeit - Was spricht dafür und was dagegen?

Beitrag von Serendipity »

Nun, das wir zwei hinsichtlich Gott, Kirche und Religion nicht übereinstimmen, dürfte klar sein und ist aber auch nicht weiter tragisch. Glaube bzw. Nichtglaube ist nun mal eine zutiefst persönliche Angelegenheit.

Ein paar Anmerkungen zum Schluss möchte ich dennoch gerne loswerden:
ManuAB hat geschrieben: ↑17.07.2024, 15:03Du denkst zu sehr an Dogmen die später von der Kirche erlassen wurden.
Mir geht es um das was Gott uns über Jesus mitgeteilt hat.
Woher beziehst du denn deine Informationen was Gott uns über –aber auch durch- Jesus mitgeteilt hat?
Da ich nicht davon ausgehe, dass du einen direkten Draht zu Gott hast, in dem er dir konkrete Mitteilungen übermittelt hat*, dürftest du diese Informationen aus der Bibel –insbesondere aus dem Neuen Testament- beziehen. Die Kirche als Organisation nimmt die Bibel in ihrer Gesamtheit als Grundlage zur Ausgestaltung der Religion und dazu gibt sie den Gläubigen ihre Interpretationen und damit auch ihre Dogmatik an die Hand.

Solltest du jedoch eher ein Anhänger des Urchristentum sein, so bist du auch hier an uralte Überlieferungen gebunden, die irgendwelchen durch Menschen erfolgte Interpretationen unterliegen. Du kannst eben nur darauf vertrauen –also glauben-, dass dies tatsächlich das ist was Gott wollte.

Also egal ob urchristlich oder neutestamentarisch, religiöser Glaube begründet sich immer auf menschliche Auslegungen göttlichen Wirkens. Was du also glaubst zu wissen, dass Gott uns über Jesus mitgeteilt hat, ist somit jenes was die Kirche dir gefiltert übermittelt hat. Insofern denkst auch du in Dogmen.

*Ansonsten dürften wir dich dann wohl zukünftig als einen neuen Propheten bezeichnen.
ManuAB hat geschrieben: ↑17.07.2024, 15:03Ich finde, dass wir mit unserer heutigen Vorstellung von Sexualität noch weiter zurück gehen und zwar zu den Höhlenmenschen (nicht ganz, aber doch nah genug). Wir gehen immer mehr in Richtung einer Trieb-Gesellschaft. Das Ausleben der Triebe steht an immer höherer Stelle.
Ich bin jetzt wahrlich kein Verhaltens- oder Evolutionsbiologe. Wenn ich jedoch etwas aus dem Biologieunterricht mitgenommen habe, dann, dass unsere Ur-Ur-Ur-Urahnen gerade zu der Inbegriff einer Triebgesellschaft waren. In den verschiedenen menschlichen Entwicklungsphasen bis schließlich hin zum homo sapiens, war das menschliche Leben triebgesteuert und absolut essenziell. Neben dem Selbsterhaltungstrieb (= essen, trinken, sicherer Rückzugsort, usw.) war auch der Arterhaltungstrieb (= Fortpflanzung) zunächst die ausschließlichen Lebensinhalte. Und bei aller Zivilisation die der Mensch seither erfahren hat, sind dies immer noch die beiden Primärtriebe, die den Fortbestand unserer Art sichern.

Du jedoch piekst dir lediglich den Aspekt des Sexualtriebes heraus und reduzierst die heutige Gesellschaft darauf. Wobei ich eher davon ausgehe, dass dir nicht unbedingt der Sexualtrieb als solches bitter aufstößt. Sonst würdest du wohl kaum dies schreiben:
ManuAB hat geschrieben: ↑17.07.2024, 15:03 Ich will wieder weg davon. Sex wieder als das sehen was es ist. Ein Geschenk von Gott um zwei Menschen zu Vereinen und damit der Mensch sich fortpflanzen kann.
Sondern vielmehr die Erfüllung des Lustprinzips, bei dem der Sex eben nicht vorrangig der Fortpflanzung gilt, sondern diese nur als mögliche Konsequenz betrachtet. Und weil Sex beim Lustprinzip nicht vorrangig der Fortpflanzung eines Paares gilt, ist dieser eben weder zeitlich noch exklusiv auf eine Person beschränkt (á la: Bis das der Tod uns scheidet!)

Ich denke, ich verstehe worauf du hinaus möchtest. Nämlich das Sex der ultimative Höhepunkt einer partnerschaftlichen 2er- Beziehung ist, den diese je erfahren kann. Daher soll Sex auch nur Bestandteil einer Ehe und dieser vorbehalten sein.
Der Lustgewinn liegt hier dann wohl eher in der Tatsache, dass man gottgefällig lebt und liebt und nur nachrangig in der Erfüllung seiner eigenen körperlichen Befriedigung.

Das Problem ist nur, dass es eben Menschen wie mich gibt, die deine Art des Glaubens und religiösen Empfindens nicht teilen. Von daher betrachte ich Sex nicht als Gottes Geschenk, sondern als ein Geschenk der Natur, welches auch die Möglichkeit beinhaltet sich fortzupflanzen. Nur bis dahin, ist Sex eben auch eine Verhaltensweise zweier Menschen um ihre Gefühle für einander (Liebe? Lust?) körperlich einen Ausdruck zu verleihen. Enthaltsamkeit –oder im Hinblick auf den religiösen Hintergrund dann wohl eher Keuschheit- bis zur Ehe, wäre dann nur eine Art der Selbstkasteiung. Ich fürchte nur, dafür bin ich zur sehr Hedonistin.

Hast du eigentlich schon einmal daran gedacht dich einer Keuschheitsbewegung anzuschließen? Dort würdest du auf Menschen treffen, die die gleichen Ansichten wie du haben. Auch dürfte hier der Mangel an sexueller Erfahrung keinen Makel darstellen, sondern eher das Gegenteil. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit dort eine Frau zu finden, die wie du empfindet, ungleich höher, als außerhalb einer solchen Bewegung.
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Re: Enthaltsamkeit - Was spricht dafür und was dagegen?

Beitrag von ManuAB »

Serendipity hat geschrieben: ↑18.07.2024, 10:56
Klar beziehe ich mein Wissen über Jesus über die Bibel (und bald auch aus einigen Apokryphen). Eine glaubwürdigere Quelle gibt es ja nicht. Leider hab ich keinen direkten Kontakt zu Gott.

Zur Triebgesellschaft:
Wir reden hier halt über Sex und Sexualität. Wir unterliegen heute generell wieder zu vielen Trieben.

Ich denke, wenn ich anfange ich katholischen Gruppen mitzumachen und auf christliche Metalfestivals zu gehen, sollte ich die Richtige da antreffen.
Zuletzt geändert von Kolinatan am 19.07.2024, 21:50, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Vollzitat gekürzt.
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Re: Enthaltsamkeit - Was spricht dafür und was dagegen?

Beitrag von ManuAB »

Noch etwas was ich dazu loswerden möchte.

Ich habe sehr viel, wirklich unglaublich viel Angst, wegen meiner Einstellung zu dem Thema allein zu bleiben.
Schon deswegen will ich eigentlich Kompromissbereit sein. Aber alles in mir kämpft dagegen. Ich halte es schlicht für nicht richtig. Ich bin einfach der Meinung, dass man warten soll mit dem Verkehr zu warten. Ich halte es einfach auf biblischer Grundlage für falsch und halte es auch nicht für "veralteten Quatsch" oder so, sondern eben für gut begründet.

Ich überlege dennoch das einfach zu ignorieren und mich einfach vollständig an die heutige Gesellschaft anzupassen.
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Re: Enthaltsamkeit - Was spricht dafür und was dagegen?

Beitrag von BondKA »

ManuAB hat geschrieben: ↑01.08.2024, 18:40
Letztlich musst Du es mit Dir selbst oder im Gebet ausmachen; ob es Dich und eine Partnerin glücklich macht, etwas zu tun, was Du nicht möchtest und für falsch hältst, ist fraglich.

Konntest Du in entsprechenden katholischen Kreisen oder mit christlichen Partnervermittlungen keine Kontakte knüpfen?
Zuletzt geändert von Kolinatan am 02.08.2024, 10:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Enthaltsamkeit - Was spricht dafür und was dagegen?

Beitrag von ManuAB »

BondKA hat geschrieben: ↑02.08.2024, 10:36 Konntest Du in entsprechenden katholischen Kreisen oder mit christlichen Partnervermittlungen keine Kontakte knüpfen?
Ich war nicht viel in katholischen Kreisen unterwegs bisher.
Zuletzt geändert von Kolinatan am 02.08.2024, 11:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Enthaltsamkeit - Was spricht dafür und was dagegen?

Beitrag von BondKA »

ManuAB hat geschrieben: ↑02.08.2024, 11:33
Versuche es doch dort mal, denn dort findest Du deutlich eher eine Frau, die es genauso sieht, wie Du als z.B. hier.
Zuletzt geändert von Kolinatan am 02.08.2024, 11:38, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Enthaltsamkeit - Was spricht dafür und was dagegen?

Beitrag von knopper »

Ja ich würde auch sagen es wird schwierig mit "normalen" Frauen.
Es ist eben letztendlich so dass die allermeisten recht schnell Abchecken wollen ob es denn im Bett funktioniert oder nicht, noch bevor sie sich verlieben oder tiefere Gefühle entwickeln. Das wollte ich lange auch nicht so für wahrhaben, ist aber so.
Ja, es heißt immer "Sex ist nicht wichtig für Frauen", "schnellen Sex wollen nur Männer" etc.... die Realität sieht aber eben anders aus.
Deshalb haben es ja AB's auch so schwer, da ab einem gewissem Alter eine sexuelle Erfahrenheit erwartet wird.

und bis zur Ehe mit Sex warten gibt es wohl wirklich nur noch vereinzelt...in Deutschland geht der Anteil vermutlich gegen 0.
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Re: Enthaltsamkeit - Was spricht dafür und was dagegen?

Beitrag von ManuAB »

knopper hat geschrieben: ↑02.08.2024, 11:54 Ja ich würde auch sagen es wird schwierig mit "normalen" Frauen. [...]
Laut meiner Schwester ginge es bei Skepsis weniger um den Sex, als um die Sorge, dass so jemand dann vielleicht auch Positionen vertritt wie "Frauen gehören in die Küche" und "Schwule gehören in den Knast".
Sie weiß, dass ich sowas nicht vertrete; aber würde halt ein Fremder sagen er wolle keinen Sex vor der Ehe hätte sie Sorge, dass er eben auch solche Positionen vertritt.
Zuletzt geändert von Kolinatan am 02.08.2024, 18:58, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Enthaltsamkeit - Was spricht dafür und was dagegen?

Beitrag von Levyn »

knopper hat geschrieben: ↑02.08.2024, 11:54 [...] Es ist eben letztendlich so dass die allermeisten recht schnell Abchecken wollen ob es denn im Bett funktioniert oder nicht, [...]
Diese Erfahrung mache ich nun nicht. Keine Frau mit der ich etwas hatte, hat zunächst meine Bettqualitäten bewertet. Man verliebt sich ja in den Menschen und nicht in den Sex mit ihm. Mangelnde Qualität beim Sex kann dann irgendwann in der Beziehung zum Killer werden, aber dafür gibt es ja Kommunikation. Selten ist der Sexpartner auf Anhieb ein perfect Match. Nicht umsonst berichten viele Frauen, dass sie beim Sex selten bis gar nicht kommen und da ist es auch egal, ob sie jetzt einen Typen haben, der schon 100 Frauen hatte oder einen Typen, der gerade zum 3. Mal Sex hat.
ManuAB hat geschrieben: ↑02.08.2024, 17:50 Sie weiß, dass ich sowas nicht vertrete; aber würde halt ein Fremder sagen er wolle keinen Sex vor der Ehe hätte sie Sorge, dass er eben auch solche Positionen vertritt.
Darum lernt man fremde Menschen ja auch erstmal kennen und schaut, ob die Ansichten zueinander passen.

Wie bist du aber zu deinem Softcore Status gekommen, wenn du das grundsätzlich streng siehst?
Zuletzt geändert von Kolinatan am 02.08.2024, 20:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Enthaltsamkeit - Was spricht dafür und was dagegen?

Beitrag von ManuAB »

Levyn hat geschrieben: ↑02.08.2024, 20:31 Wie bist du aber zu deinem Softcore Status gekommen, wenn du das grundsätzlich streng siehst?
Weil ich erst seit gut einem Jahr wirklich glaube und auch meine Ansichten zu diesen Themen überdachte (auch abseits vom Glauben). Zwischen 2020 und 2023 war ich einfach so verzweifelt, dass mir absolut alles Recht war, Hauptsache ich schaffe es mal eine Freundin zu haben und war der Meinung, dass das am besten geht, wenn ich die Jungfräulichkeit möglichst schnell wegbekomme.
Zuletzt geändert von Kolinatan am 03.08.2024, 13:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Enthaltsamkeit - Was spricht dafür und was dagegen?

Beitrag von captain-slow »

Levyn hat geschrieben: ↑02.08.2024, 20:31 Man verliebt sich ja in den Menschen und nicht in den Sex mit ihm.
Das würde ich so pauschal nicht sagen, das ist definitiv auch möglich.
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Re: Enthaltsamkeit - Was spricht dafür und was dagegen?

Beitrag von Girassol »

ManuAB hat geschrieben: ↑03.08.2024, 13:30 vZwischen 2020 und 2023 war ich einfach so verzweifelt, dass mir absolut alles Recht war, Hauptsache ich schaffe es mal eine Freundin zu haben und war der Meinung, dass das am besten geht, wenn ich die Jungfräulichkeit möglichst schnell wegbekomme.
Da sehe ich den großen Knackpunkt: Die allermeisten Frauen, die jungfräulich in die Ehe gehen, erwarten dasselbe von ihrem Partner. Die Variante die Jungfräulichkeit dann direkt bei einem Dreier losgeworden zu sein, wird in religiösen Kreisen absolut nicht gut ankommen.

Was wäre denn für dich so schlimm daran, wenn deine Zukünftige eine mehrjährige Beziehung inkl. Sex gehabt hätte? Das wäre für mich, falls ich religiös wäre, deutlich weniger abschreckend als ein Dreier oder diverse Affären. Eine längere, monogame Beziehung würde für mich eher auf Beständigkeit hindeuten.
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Re: Enthaltsamkeit - Was spricht dafür und was dagegen?

Beitrag von Zuya Hiyaye »

Girassol hat geschrieben: ↑04.08.2024, 10:39
Da sehe ich den großen Knackpunkt: Die allermeisten[...]

[...]deutlich weniger abschreckend als ein Dreier oder diverse Affären. Eine längere, monogame Beziehung würde für mich eher auf Beständigkeit hindeuten.
Ich erlebe mit Erschrecken in letzter Zeit das Wiederaufkeimen eines Moralaposteltums mit der Spezialisierung des Splitters im Auge des Anderen. Besonders in sexueller und kultureller Hinsicht.

Wer sich Christ nennt, hat zunächst erst einmal nur ein Etikett übergestreift. Das reicht von Reich zu sein und eine Kinderbibel in die Kamera zu halten, über Lourdes und Jakobswegurlauber, bis hin zu Brachialsynodalen mit massiven Forderungen der Entzölibatisierung an die Weltkirche.

Bevor man sich zu sehr auf eine christliche Partnerschaft fixiert, sollte man auch vorher deutlich machen, welche Art von Glauben man lebt und leben will und welchen Stellenwert er für einen hat.

Wer in tiefer Not zu Gott schreit, weil er nicht den richtigen Partner abbekommen hat, hat wahrscheinlich übersehen, dass er in Jesus Christus immer einen Begleiter gefunden hat und er als Gottes wirksame Hand zum Heil auf der Erde weilt und nicht als Vollstrecker des Weltgerichts.

Man kann Menschen auch mal so sein lassen wie sie sind.

Ich bin Christ.
Nicht Gott.
Levyn
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Re: Enthaltsamkeit - Was spricht dafür und was dagegen?

Beitrag von Levyn »

ManuAB hat geschrieben: ↑03.08.2024, 13:30 Weil ich erst seit gut einem Jahr wirklich glaube und auch meine Ansichten zu diesen Themen überdachte [...]
Und jetzt kannst du es dir nicht mal mehr vorstellen mit jemanden zusammen zu sein, der, genau wie du, schon Erfahrungen gesammelt hat, obwohl das vor nicht mal 1 Jahr noch anders war? :gruebel:

Das hört sich für mich schon ein wenig befremdlich an, wenn man seine Einstellung so schnell ändert. Ich glaube ja eher, dass du dir das irgendwie einredest, um nicht in die Situation zu kommen eine Frau wirklich kennen zu lernen. Hört sich paradox an, aber ich kann mir schon vorstellen, dass man irgendwelche Gründe vorschiebt, um ja nicht in die Situation zu kommen Frauen kennenlernen zu "müssen". Lieber sagt man, dass man niemanden findet, der in das Schema passt, als zu sagen, man hätte es versucht, aber die Frauen wollten einen nicht.

Ich glaube ja, dass bei dir das Ego ein größeres Problem spielt als du dir selbst vorstellst. Erfolg bei Frauen zu haben, gehört jedenfalls dazu.
Zuletzt geändert von Kolinatan am 04.08.2024, 15:21, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Vollzitat gekürzt.

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