AB-tum als Krankheit oder als Spektrum des Single Dasein?

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Einsamkeit_is_doof
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AB-tum als Krankheit oder als Spektrum des Single Dasein?

Beitrag von Einsamkeit_is_doof »

Moderation: Absolute Beginner TreffDieser Beitrag sowie die vier Nachfolgenden wurden vom Thema "Wie geht Ihr mit der Frage nach dem Beziehungsstatus um?" abgetrennt und in dieses Thema ausgelagert, da sie im anderen Thema Off-Topic waren.
Zuya Hiyaye hat geschrieben: ↑19.10.2024, 08:06 Angesichts nahezu 40% Singlehaushalten in allen größeren Städten und ausgesprochenen Ungleichheiten auf dem Partnermarkt, ist geradezu ein Naturgesetz, dass dabei irgendwelche Leute durch den Rost fallen, ohne dass die irgendetwas dafür können.
Die Frage ist aber, wieviele Leute in den 40% Singlehaushalten wirklich Single sind. Wieviele sind beispielsweise Wochenendpendler, die am Wochenende zu ihrer Familie fahren? Wieviele sind in einer Fernbeziehung? Wieviele sind in einer Beziehung, leben aber in getrennten Wohnungen? Fraglich ist auch, wieviele dieser Leute wirklich glücklich sind mit ihrem Singledasein?
Dafür muss man sich weder entschuldigen noch vor Scham im Boden versinken.

Wenn man normaler Single ist, dann muss man sich natürlich nicht schämen. Alles ok! Ist man aber AB und hatte noch nie eine Beziehung, dann finde ich das schon beschämend. :sadman: :crybaby:
Man ist auch nicht krank oder gestört und muss behandelt werden.
Ehrlich gesagt habe ich mich schonmal gefragt, ob das AB-tum eine Art Krankheit ist?! Ja ok, keine richtige Krankheit, aber doch irgendwie eine Einschränkung. Aus irgendeinem Grund ist man ja nicht in der Lage auf das andere Geschlecht zuzugehen.
Zuletzt geändert von Kolinatan am 22.10.2024, 10:19, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Moderatorenhinweis ergänzt.
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Vogel
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Re: AB-tum als Krankheit oder als Spektrum des Single Dasein?

Beitrag von Vogel »

Richtig- 40% Singles heisst, dass diese alleine leben. Nicht, dass sie keine Partner haben bzw. keine Beziehung führen.
Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑20.10.2024, 14:35
Wenn man normaler Single ist, dann muss man sich natürlich nicht schämen. Alles ok! Ist man aber AB und hatte noch nie eine Beziehung, dann finde ich das schon beschämend. :sadman: :crybaby:
Ein Stigma haftet uns sicherlich an- in unserer Gesellschaft wird nun mal erwartet, dass man wenigstens ein paar mal Sex hatte, oder fähig ist Beziehungen anzubahnen und zu beginnen.
Ehrlich gesagt habe ich mich schonmal gefragt, ob das AB-tum eine Art Krankheit ist?! Ja ok, keine richtige Krankheit, aber doch irgendwie eine Einschränkung. Aus irgendeinem Grund ist man ja nicht in der Lage auf das andere Geschlecht zuzugehen.
Momentan würde ich das als Symptom sehen. Aber angesichts der Wichtigkeit und Bedeutung von Beziehungen, Partnerschaft und Sex in unserer Gesellschaft und Kultur würde ich das als soziale Behinderung sehen.
Zuletzt geändert von Kolinatan am 22.10.2024, 10:20, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Titel angepasst.
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Re: AB-tum als Krankheit oder als Spektrum des Single Dasein?

Beitrag von uhu72 »

Ich kann mich nicht erinnern, wann oder ob mir diese Frage jemals gestellt wurde in den letzten Jahrzehnten.
Oder doch, einmal in zwanzig Jahren vielleicht. Neulich z.B. aber unbedeutend.

Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑20.10.2024, 14:35
Zuya Hiyaye hat geschrieben: ↑19.10.2024, 08:06 Man ist auch nicht krank oder gestört und muss behandelt werden.
Ehrlich gesagt habe ich mich schonmal gefragt, ob das AB-tum eine Art Krankheit ist?! Ja ok, keine richtige Krankheit, aber doch irgendwie eine Einschränkung. Aus irgendeinem Grund ist man ja nicht in der Lage auf das andere Geschlecht zuzugehen.
AB-sein ist Schicksal. Dafür kann niemand etwas, niemand ist Schuld. Die Sachlage ist ja auch bei jeder/jedem Betroffenen etwas anders. Neulich habe ich einen Artikel über Langzeitsingles gefunden. Dort stand drin, es gibt halt Menschen, die haben einfach Pech. Wenn die Lebensumstände halt so sind, dass man wenig bis gar nicht auf das andere Geschlecht trifft, dann dauert es eben entsprechend lange, bis sich jemand passendes findet. Und wenn wir diesen Gedanken noch ein wenig weiter führen und ausdehnen, dann sind schon bei unserer AB-Problematik. Teilweise sind die Ursachen für das AB-sein mit einander verzahnt. Aber genug OffTopic.
Zuletzt geändert von Kolinatan am 22.10.2024, 10:21, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: AB-tum als Krankheit oder als Spektrum des Single Dasein?

Beitrag von knopper »

Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑20.10.2024, 14:35 Ehrlich gesagt habe ich mich schonmal gefragt, ob das AB-tum eine Art Krankheit ist?! Ja ok, keine richtige Krankheit, aber doch irgendwie eine Einschränkung. Aus irgendeinem Grund ist man ja nicht in der Lage auf das andere Geschlecht zuzugehen.
Ich würde eher sagen es ist eine Art Defizit bzw. schon so etwas wie z.b. Arbeitslosigkeit. man rutscht einmal hinein und das Ganze verselbstständigt sich irgendwann. So fühlt es sich jedenfalls bei mir momentan an.
Es gab eine Zeit wo ich noch "normaler Single", d.h. ich dachte, dass es schon noch klappt. Aber irgendwann wird es halt "chronisch".
Ich denke irgendwann ist der Zug einfach so dermaßen weit abgefahren, dass er uneinholbar ist, jedenfalls von meinem Gefühl her.
Es fängt ja auch niemand erst mit 40 mit der kompletten Schulbildung inkl. Abitur an. Das dürfte wohl schwierig werden, dass in dem Alter noch zu schaffen.
Ganz ähnlich verhält es sich vermutlich mit älteren AB's in einer Beziehung. Viele Grundlagen sind einfach nicht da und machen das Ganze schwierig.
Zuletzt geändert von Kolinatan am 22.10.2024, 10:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: AB-tum als Krankheit oder als Spektrum des Single Dasein?

Beitrag von Einsamkeit_is_doof »

Vogel hat geschrieben: ↑20.10.2024, 18:31 Momentan würde ich das als Symptom sehen. Aber angesichts der Wichtigkeit und Bedeutung von Beziehungen, Partnerschaft und Sex in unserer Gesellschaft und Kultur würde ich das als soziale Behinderung sehen.
Ich glaube der Begriff Behinderung trifft es eigentlich noch mehr. Ich empfinde es tatsächlich als eine Art Behinderung, dass ich unfähig bin auf das andere Geschlecht zuzugehen. :sadman:
uhu72 hat geschrieben: ↑20.10.2024, 18:37 AB-sein ist Schicksal. Dafür kann niemand etwas, niemand ist Schuld. Die Sachlage ist ja auch bei jeder/jedem Betroffenen etwas anders. Neulich habe ich einen Artikel über Langzeitsingles gefunden. Dort stand drin, es gibt halt Menschen, die haben einfach Pech.
Irgendwie finde ich die Erkenntnis, dass es Schicksal ist, sehr traurig. :crybaby: Macht sie doch deutlich, dass man im Grunde nichts an seiner Situation ändern kann, egal wie sehr man sich bemüht... :fessel: :sadman:
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Re: AB-tum als Krankheit oder als Spektrum des Single Dasein?

Beitrag von Zuya Hiyaye »

Ganz klar als Spektrum des Singledaseins.
Eine ausführliche Begründung (3 Seiten) liest hier ohnehin keiner, daher erspare ich mir das hier.
Wobei das Wort „Spektrum“ hier das wichtige ist.
Dabei kann Krankheit und Behinderung durchaus eine Ursache sein.
Diese aber zu verallgemeinern ist ein diskriminierende Beleidigung.
Auch wenn diese angeblich zum guten Umgangston gehört.
Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑21.10.2024, 18:15
uhu72 hat geschrieben: ↑20.10.2024, 18:37
[...]Macht sie doch deutlich, dass man im Grunde nichts an seiner Situation ändern kann, egal wie sehr man sich bemüht.
So hat Uhu das nicht geschrieben und das heißt es auch nicht.

Rückwärts betrachtet hat er trotz all seiner Bemühungen nichts ändern können. Er hätte aber unter anderen Umständen mit exakt der selben Handlungsweise auch Glück haben können.
Das ist das Schicksal, dass ihm zuteil wurde und für dass er weder „den Frauen“, „der Gesellschaft“, „sich selber“ die Schuld gibt, sondern überhaupt niemandem.

Aus dieser Aussage den Rat des Nichtstuns abzuleiten ist eine völlige Verkehrung seiner Aussage.
Es heißt lediglich, dass er sich nichts vorzuwerfen hat und dies auch ggf. vertreten kann.
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Re: AB-tum als Krankheit oder als Spektrum des Single Dasein?

Beitrag von Levyn »

Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑21.10.2024, 18:15 Ich glaube der Begriff Behinderung trifft es eigentlich noch mehr. Ich empfinde es tatsächlich als eine Art Behinderung, dass ich unfähig bin auf das andere Geschlecht zuzugehen.
Ich denke eher, dass es ein stark angelerntes Verhalten ist als eine "Behinderung". Man erfährt viel Ablehnung und traut sich daher weniger aus sich heraus zu kommen und je mehr subjektive Ablehnung man erfährt, desto tiefer sitzt man in seinen festgefahrenen Glaubenssätzen. Irgendwann sind es nicht mal mehr die anderen, die einen ablehnen, sondern man selbst, weil man es sich gar nicht mehr vorstellen kann, dass jemand anderes wirklich Interesse haben könnte. Man blockt jede Möglichkeit ab, die eine potentielles Kennenlernen in Gang setzen könnte, weil man sonst an den Schmerz der zigfachen Enttäuschungen erinnert wird.
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Vogel
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Re: AB-tum als Krankheit oder als Spektrum des Single Dasein?

Beitrag von Vogel »

Um es klarzustellen:

Mit "Behinderung" wird heute allgemein nicht mehr die körperliche, geistige, soziale Beeinträchtigung - also der Schaden- an sich gemeint. Sondern die Beeinträchtigung der Teilhabe, die in Wechselwirkung mit dem Schaden entsteht. Z.B. Menschen mit Kurzsichtigkeit (Schaden) tragen eine Sehhilfe, die diesen Beeinträchtigung (nicht scharf sehen können) komplett kompensiert. Von der Gesellschaft ist das voll akzeptiert und schliessen diese Menschen nicht aus.

Anders beim Querschnittgelähmten, der wegen fehlender Aufzüge seine Arbeitstelle im 2. Stock nicht mehr erreichen kann, oder im Zuhause nicht auf Toilette kommt; oder im Supermarkt nicht an die Regale kommt. Mit Teilhabe wird das Einbezogensein in eine Lebenssituation verstanden- im Beispiel wird der Querschnittgelähmte aufgrund der Barrieren nicht mit einbezogen- und ist dadurch im Vergleich zu anderen Menschen damit behindert. Und: Behinderung ist keine Krankheit.

Auf auf dem ersten Blick wären ABs in der Gesellschaft nicht ausgeschlossen. Fehlende sexuelle Erfahrung/ Beziehungserfahrung hindert keinem von einem Job; Restaurantbesuch; Supermarkt, ... etc. - also demnach wäre AB-Tum keine Behinderung.

Aber: die Unfähigkeit Beziehungen anzubahnen, sexuelle Kontakte ohne Geld anzubahnen und auszuleben, ... wäre unser "Schaden" bzw. Beeinträchtigung.
Daraus muss noch keine Behinderung entstehen, wenn ich dadurch nirgends ausgeschlossen werde. Und nein- die Ablehnung durch Person, an der man interessiert ist, ist alleine noch kein Ausschluss!

In unserer Gesellschaft spielt Partnerschaft, Sexualität und Beziehung nunmal aber eine normative Bedeutung- es wird trotz aller Singles immer noch erwartet, Partner zu finden, zusammenzukommen, Sex zu haben, Kinder zu zeugen, und möglichst lange zusammenzuleben. Wer das nicht schafft, wird als "anders" und "nicht normal" wahrgenommen und entsprechend behandelt, und muss mit Vorurteilen kämpfen.

Immer wieder berichten ABs, dass sich Freunde von einem abwenden sobald diese selbst in einer festen Beziehung sind- der Freundeskreis wird kleiner, die soziale Isolation nimmt zu.
Oder berichten abgelehnt zu werden weil sie ABs sind- und nicht weil Charakter, Interessen etc. nicht passen.

Finanzielle Benachteiligungen - Kreditvergabe; Wohnungssuche; Urlaub- (wieso muss ich als einzelner doppelt soviel zahlen wie ein Pärchen- nur weil das Bett etwas breiter ist? Oder Flüge?)

Auf Arbeit derjenige zu sein, der länger bleiben muss, weil die anderen zur Familie müssen - gut trifft auch andere Singles....

Auch eine weitere Form der sozialen Isolation wäre denkbar, denn häufig drehen sich Gespräche nämlich hauptsächlich um Beziehungen - siehe oben.

Auch ist es so, dass der Partner/ die Partnerin einen gewissen sozialen Status versprechen- der einem damit versagt bleibt.

Wie oben gesagt: Behinderung steht immer in Wechselwirkung mit der Beeinträchtigung: bleiben die Freundschaften bestehen, wird man nicht als "unnormal" angesehen, trotz Unerfahrung als potentieller Partner/in angesehen.... dann wird man auch vermutlich nicht behindert.

Letztendlich ist es am Ende das alles auch subjektiv, und schwer objektiv festzuhalten- aber ich sehe meine sexuelle Unerfahrenheit, meine fehlende Beziehungserfahrung alleine schon als Beeinträchtigung - unabhängig von allen persönlichen Ursachen und Gründe dafür. Und ich spüre sehr wohl ein Stück weit, das ich nicht in allen Lebenssituation teilhaben kann.
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Re: AB-tum als Krankheit oder als Spektrum des Single Dasein?

Beitrag von Einsamkeit_is_doof »

knopper hat geschrieben: ↑21.10.2024, 10:32 Ich würde eher sagen es ist eine Art Defizit bzw. schon so etwas wie z.b. Arbeitslosigkeit. man rutscht einmal hinein und das Ganze verselbstständigt sich irgendwann. So fühlt es sich jedenfalls bei mir momentan an.
Ja, so könnte man es auch vergleichen. Nur mit dem Unterschied, dass man Arbeitsloser Hilfe bekommt. Als AB fühle ich mich doch irgendwie allein gelassen. Zum einen wüsste ich gar nicht, an wen man sich wenden sollte um Hilfe zu bekommen und zum anderen ist die Scham beim Thema AB noch größer, als bei der Arbeitslosigkeit. Wobei auch Letzters kein schönes Gefühl ist. :sadman:
Es gab eine Zeit wo ich noch "normaler Single", d.h. ich dachte, dass es schon noch klappt. Aber irgendwann wird es halt "chronisch".
Ich denke irgendwann ist der Zug einfach so dermaßen weit abgefahren, dass er uneinholbar ist, jedenfalls von meinem Gefühl her.
Es fängt ja auch niemand erst mit 40 mit der kompletten Schulbildung inkl. Abitur an. Das dürfte wohl schwierig werden, dass in dem Alter noch zu schaffen.
Die Scham wird halt auch immer größer. Mit Mitte 20 ist es noch nicht soooo schlimm. Aber wenn man mit Ende 30 oder gar mit 40+ noch keine Erfahrung hat, dann schämt man sich einfach dafür. Und dadurch wird es noch schwieriger, eine Freundin zu finden.
Zuya Hiyaye hat geschrieben: ↑23.10.2024, 08:10
Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑21.10.2024, 18:15
uhu72 hat geschrieben: ↑20.10.2024, 18:37
[...]Macht sie doch deutlich, dass man im Grunde nichts an seiner Situation ändern kann, egal wie sehr man sich bemüht.
So hat Uhu das nicht geschrieben und das heißt es auch nicht.

Rückwärts betrachtet hat er trotz all seiner Bemühungen nichts ändern können. Er hätte aber unter anderen Umständen mit exakt der selben Handlungsweise auch Glück haben können.
Das ist das Schicksal, dass ihm zuteil wurde und für dass er weder „den Frauen“, „der Gesellschaft“, „sich selber“ die Schuld gibt, sondern überhaupt niemandem.

Aus dieser Aussage den Rat des Nichtstuns abzuleiten ist eine völlige Verkehrung seiner Aussage.
Es heißt lediglich, dass er sich nichts vorzuwerfen hat und dies auch ggf. vertreten kann.
Ich habe daraus auch nicht den Rat des Nichtstuns abgeleitet. Wenn man aktiv wird, egal in welcher Form, dann hat man zumindest eine kleine Chance. Tut man gar nichts, dann wird sich auch nichts ändern. Dennoch finde ich die Erkenntnis bzw. die Aussage, dass es Schicksal ist, schon irgendwo traurig, weil es eben suggeriert, dass man nicht ändern kann.
Glücklicherweise gibt es hier im Forum aber genug Beispiel von ABs, die es eben doch irgendwann mal geschafft haben. Und daran klammere ich mich, dass ich eben auch irgendwann mal dazu gehören könnte.
Levyn hat geschrieben: ↑23.10.2024, 13:40 Ich denke eher, dass es ein stark angelerntes Verhalten ist als eine "Behinderung". Man erfährt viel Ablehnung und traut sich daher weniger aus sich heraus zu kommen und je mehr subjektive Ablehnung man erfährt, desto tiefer sitzt man in seinen festgefahrenen Glaubenssätzen. Irgendwann sind es nicht mal mehr die anderen, die einen ablehnen, sondern man selbst, weil man es sich gar nicht mehr vorstellen kann, dass jemand anderes wirklich Interesse haben könnte. Man blockt jede Möglichkeit ab, die eine potentielles Kennenlernen in Gang setzen könnte, weil man sonst an den Schmerz der zigfachen Enttäuschungen erinnert wird.
Das Problem ist, dass man irgendwann an den Punkt kommt, an dem man glaubt, man wäre nicht liebenswert und würde auf Frauen (oder Männer) sowieso total unsympathisch oder gar abstoßend wirken. Ich hatte Jahrelang diese Überzeugung. Als ich bei meinem jetzigen Arbeitgeber angefangen habe, gab es zunächst Probleme mit zwei jungen Kolleginnen. Mein Mindset schien sich zu bestätigen. Ich bin tatsächlich abstoßend. Mittlerweile hat sich vieles geändert und das Verhältnis zu den beiden Kolleginnen hat sich stark gebessert. Mittlerweile kommen dann schon Sprüche wie: "Hey Markus, schön dass du wieder da bist!", wenn ich mal frei oder Urlaub hatte. Das baut mich auf und zeigt mir, dass ich doch nicht soooo unsympathisch auf das andere Geschlecht wirke. Auch die Tatsache, dass ich mit einer der beiden Kolleginnen ab und an chatte und sie schon im Auto mit zur Arbeit und wieder nach Hause fahren durfte baut mich auf und gibt mir Selbstvertrauen. :tanzen2:
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Re: AB-tum als Krankheit oder als Spektrum des Single Dasein?

Beitrag von uhu72 »

Zuya Hiyaye hat geschrieben: ↑23.10.2024, 08:10 Rückwärts betrachtet hat er trotz all seiner Bemühungen nichts ändern können. Er hätte aber unter anderen Umständen mit exakt der selben Handlungsweise auch Glück haben können.
Das ist das Schicksal, dass ihm zuteil wurde und für dass er weder „den Frauen“, „der Gesellschaft“, „sich selber“ die Schuld gibt, sondern überhaupt niemandem.

Aus dieser Aussage den Rat des Nichtstuns abzuleiten ist eine völlige Verkehrung seiner Aussage.
Es heißt lediglich, dass er sich nichts vorzuwerfen hat und dies auch ggf. vertreten kann.
Absolut richtig, genauso ist es.

Die Aussage in dem Artikel richtete sich auch gegen die Vorwürfe, die Langzeitsingles oftmals zu hören bekommen und die wir ABs ja auch kennen.
Um den passenden Partner zu finden, muss man aber ihm oder ihr erst mal überhaupt begegnen. Und solange das nicht passiert, nützen auch die tollsten Flirtfähigkeiten und sonstwas nichts.
Und anders herum denke ich mir, das wird letztendlich auch nicht kriegsentscheidend sein, wenn einem der richtige Mensch begegnet, dann findet man auch zusammen, trotz der anderen Defizite. Vielleicht dauert es etwas länger oder verläuft holpriger, aber es sollte klappen.
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Re: AB-tum als Krankheit oder als Spektrum des Single Dasein?

Beitrag von Einsamkeit_is_doof »

uhu72 hat geschrieben: ↑23.10.2024, 19:54 Um den passenden Partner zu finden, muss man aber ihm oder ihr erst mal überhaupt begegnen. Und solange das nicht passiert, nützen auch die tollsten Flirtfähigkeiten und sonstwas nichts.
So hatte ich die Aussage auch verstanden. Allerdings sagt es ja auch aus, dass es trotz sämtlicher Bemühungen passieren kann, dass man eben trotzdem niemals eine Freundin findet. Und das ist dann schon etwas deprimierend. Daraus aber zu schliessen aufzugeben, halte auch ich für den falschen Weg!
Unfair bzw. ungerecht finde ich, dass es Männer gibt, die spielerisch an eine Freundin kommen, während es für manch einen (so wie mich) scheinbar unmöglich ist, dass eine Frau ihn attraktiv findet. :fessel:
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Re: AB-tum als Krankheit oder als Spektrum des Single Dasein?

Beitrag von Serendipity »

Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑20.10.2024, 14:35 Ehrlich gesagt habe ich mich schonmal gefragt, ob das AB-tum eine Art Krankheit ist?! Ja ok, keine richtige Krankheit, aber doch irgendwie eine Einschränkung. Aus irgendeinem Grund ist man ja nicht in der Lage auf das andere Geschlecht zuzugehen.
Ich betrachte AB-tum nicht als Erkrankung im klinischen Sinne, sondern sehe es wie Zuya Hiyaye:
Zuya Hiyaye hat geschrieben: ↑23.10.2024, 08:10 Ganz klar als Spektrum des Singledaseins.
…
Wobei das Wort „Spektrum“ hier das wichtige ist.
Dabei kann Krankheit und Behinderung durchaus eine Ursache sein.
Als Ursachen kommen hier z.B. eine soziale Phobie oder Depressionen oder Dysmorphophobie, die schlimmstenfalls in sozialer Isolation münden, in Frage.

Allerdings darf man meines Erachtens aber auch nicht vergessen, dass AB-tum anderseits auch Ursache für solche Erkrankungen sein kann. Mag man anfänglich –also in Teenagerzeiten- vielleicht „nur“ ein (extrem) schüchterner Mensch gewesen sein und dadurch weder interessant für noch erfolgreich bei seinen Versuchen beim anderen Geschlecht gewesen sein, so können die immer länger währende permanente Erfolglosigkeit und ggfs. erfahrene Kränkungen! :idee: , schlussendlich in diese Art von Erkrankungen führen. Man kann also in diesen Fällen sagen, dass AB-tum den Menschen krank gemacht hat.
Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑24.10.2024, 05:19 Unfair bzw. ungerecht finde ich, dass es Männer gibt, die spielerisch an eine Freundin kommen, während es für manch einen (so wie mich) scheinbar unmöglich ist, dass eine Frau ihn attraktiv findet. :fessel:
Was hat das denn mit Unfairness/Fairness bzw. Ungerechtigkeit/Gerechtigkeit damit zu tun? :gruebel:

Es gibt nun mal kein Anrecht darauf, dass jeder Mensch, der es wünscht, auch einen Partner findet. Insofern verstoßen Andere (in deinem Fall, andere Männer) auch nicht gegen irgendwelche ethischen Grundsätze, wenn sie ihre Möglichkeiten ausschöpfen um sich diesen Wunsch zu erfüllen, während du dies aus den verschiedensten Gründen nicht umsetzen kannst.
Genauso wenig kannst du den Frauen, denen du bislang begegnet bist, nicht vorwerfen, dass sie dich nicht als potentiellen Partner in Betracht gezogen haben und sich dir gegenüber deswegen unfair oder ungerecht verhalten hätten. Niemand kann diese Art der Gefühle bei einem anderen Menschen erzwingen und es ihm daher bei Nichteintreten als Willkür zum Vorwurf machen.
Weinen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Gefühlen!
Meffi

Re: AB-tum als Krankheit oder als Spektrum des Single Dasein?

Beitrag von Meffi »

Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑24.10.2024, 05:19 Unfair bzw. ungerecht finde ich, dass es Männer gibt, die spielerisch an eine Freundin kommen, während es für manch einen (so wie mich) scheinbar unmöglich ist, dass eine Frau ihn attraktiv findet. :fessel:
Das ist aber nicht ungerecht oder unfair. Du hast drei Optionen: Entweder steigst du komplett aus und fokussierst dein Leben auf andere Dinge, oder du holst das Beste aus dir heraus und nimmst den "Deal" an, den du bei deiner Attraktivität (Mütter, Ü40, Übergewichtig) bekommen kannst, oder du wartest auf ein Einhorn. Nur musst du dich dann darauf einlassen können, dass das Einhorn auch real ist.
uhu72 hat geschrieben: ↑23.10.2024, 19:54 Um den passenden Partner zu finden, muss man aber ihm oder ihr erst mal überhaupt begegnen. Und solange das nicht passiert, nützen auch die tollsten Flirtfähigkeiten und sonstwas nichts.
Und anders herum denke ich mir, das wird letztendlich auch nicht kriegsentscheidend sein, wenn einem der richtige Mensch begegnet, dann findet man auch zusammen, trotz der anderen Defizite. Vielleicht dauert es etwas länger oder verläuft holpriger, aber es sollte klappen.
Ich fand deinen ersten Post richtig gut, aber dieser hier ist mir zu romantisch. "Der richtige Partner" existiert doch nicht wirklich. Es kommt eher darauf an, dass mich dieser Partner will und ich umgekehrt genauso empfinde. Daher bringt es definitiv etwas, an sich zu arbeiten und so die Chance zu erhöhen, einen Partner zu finden, für den man "ausreichend" ist. Einfach darauf zu warten, dass jemand daherkommt und alle Defizite, die man so mit sich herumträgt, einfach hinnimmt und akzeptiert, obwohl es viele bessere Optionen gäbe, ist eher Wunschdenken. Aber ich glaube du bist schon etwas älter, oder? Daher kann ich das resignieren durchaus nachvollziehen.

Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑23.10.2024, 18:30 im Auto mit zur Arbeit und wieder nach Hause fahren durfte baut mich auf und gibt mir Selbstvertrauen. :tanzen2:
Hier begehst du einen gewaltigen Fehler. Du ziehst dein Selbstvertrauen primär daraus, wie dich das andere Geschlecht behandelt. Das ist nicht gesund. Was ist, wenn diese Frauen den Arbeitgeber wechseln? Was ist, wenn die Frau keine Freundschaft oder Beziehung will? Deine ganze Welt wird einbrechen und du bist am Boden zerstört. Du kannst deinen Selbstwert nicht auf Dinge aufbauen, die du nicht beeinflussen kannst! Das ist ein Rezept dafür, dass du dich irgendwann wieder wie Müll fühlen wirst. Zwischenmenschliche Beziehungen können nicht deinen Selbstwert tragen, das funktioniert nicht auf Dauer. Dein Selbstvertrauen muss von innen kommen. Du musst zufrieden und selbstsicher mit deinem Leben sein, unabhängig von Geld, Arbeit, Menschen und anderen Statussymbolen. Denn das sind alles Dinge, die vergänglich sind. Daran musst du dringend arbeiten, bevor du in die nächste Selbstmitleid-Krise rutschst, denn deine Situation verbessert sich gerade temporär, ohne dass du etwas dafür tust.
Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑23.10.2024, 18:30 Wenn man aktiv wird, egal in welcher Form, dann hat man zumindest eine kleine Chance. Tut man gar nichts, dann wird sich auch nichts ändern.
Aber habe ich auch mein Problem was ich habe richtig erkannt und gelingt es mir dagegen vorzugehen? Nur dann kann es positive Resultate geben.

Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑23.10.2024, 18:30 Die Scham wird halt auch immer größer. Mit Mitte 20 ist es noch nicht soooo schlimm. Aber wenn man mit Ende 30 oder gar mit 40+ noch keine Erfahrung hat, dann schämt man sich einfach dafür. Und dadurch wird es noch schwieriger, eine Freundin zu finden.
Scham ist ein Mechanismus, der verhindern soll, dass du Dinge tust, die gegen soziale Normen verstoßen und eventuell deine "Gruppe" gefährden könnten – quasi dein inneres Alarmsystem. Gefährdest du dich oder andere, wenn du noch niemals mit jemandem geschlafen hast? Nein. Es ist eine Frage der Einstellung, wie man damit umgeht. Stört es dich, wenn jemand anderes sexuell aktiv war oder nicht? Wenn nein, warum solltest du dich an höhere Standards binden als die, die du von anderen erwartest? Es ergibt keinen Sinn.

Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑23.10.2024, 18:30 Zum einen wüsste ich gar nicht, an wen man sich wenden sollte um Hilfe zu bekommen
Einen Schritt nach dem anderen. Wo genau liegt die Ursache, warum ich keine Beziehung habe? Erst dann kann man die Frage beantworten, wer oder was mir helfen kann, an diesen Problemen zu arbeiten. Da heißt es: Selbstreflexion, Selbstreflexion und die Situation auch mal aus einer anderen Perspektive betrachten. Also nicht nur aus der Ich-Perspektive, sondern aus einer Art Vogelperspektive auf sich selbst. Niemand kann dir beantworten, wo deine Probleme liegen – das kannst nur du selbst erkennen. Erst dann kann man entsprechend handeln oder die Entscheidung treffen, es dabei zu belassen, wie es ist.
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Re: AB-tum als Krankheit oder als Spektrum des Single Dasein?

Beitrag von Kolinatan »

Meffi hat geschrieben: ↑24.10.2024, 11:46 Scham ist ein Mechanismus, der verhindern soll, dass du Dinge tust, die gegen soziale Normen verstoßen und eventuell deine "Gruppe" gefährden könnten – quasi dein inneres Alarmsystem. Gefährdest du dich oder andere, wenn du noch niemals mit jemandem geschlafen hast? Nein.
Wenn Du Scham so verstehst, dass es die Individuen von schädigendem Verhalten gegenüber der Gruppe abhalten soll, dann ist die Nichtteilnahme am Fortpflanzungsvorgang - aus welche Gründen auch immer - in letzter Konsequenz ein schädliches Verhalten gegenüber der Gruppe, da ihre Chance zum Fortbestehen ggf. verringert wird. Die Gruppe mag groß genug sein, um auf eine einzelne Person nicht angewiesen zu sein. Allerdings gäbe es ein Problem, wenn alle Individuen sich entscheiden könnten und würden, aus der Fortpflanzung auszusteigen. Insofern ist Deine Annahme - keinen Sex zu haben würde keinen Schaden für die Gruppe bedeuten - aus meiner Sicht nicht korrekt argumentiert. Es gibt ein Gruppeninteresse an möglichst viel Nachwuchs, deshalb ist Kinderlosigkeit etwas, was versucht wird - u.a. durch die Verwendung von Scham - zu reduzieren.
:se-vulcan+: Lebe lang und in Frieden.
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Einsamkeit_is_doof
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Re: AB-tum als Krankheit oder als Spektrum des Single Dasein?

Beitrag von Einsamkeit_is_doof »

Serendipity hat geschrieben: ↑24.10.2024, 10:12
Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑24.10.2024, 05:19 Unfair bzw. ungerecht finde ich, dass es Männer gibt, die spielerisch an eine Freundin kommen, während es für manch einen (so wie mich) scheinbar unmöglich ist, dass eine Frau ihn attraktiv findet. :fessel:
Was hat das denn mit Unfairness/Fairness bzw. Ungerechtigkeit/Gerechtigkeit damit zu tun? :gruebel:
Ich weiss nicht, wie es sonst ausdrücken soll. Ich hege keinen Groll gegen Frauen, die mich nicht als potenziellen Partner sehen. Ich hege auch keinen Groll gegen Männer, die in einer Beziehung sind. :dont: Ich gönne jedem sein Glück, würde mich aber freuen, wenn es mir auch endlich mal gelingen würde, endlich eine Frau in mein Leben zu holen.
Meffi hat geschrieben: ↑24.10.2024, 11:46
Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑23.10.2024, 18:30 im Auto mit zur Arbeit und wieder nach Hause fahren durfte baut mich auf und gibt mir Selbstvertrauen. :tanzen2:
Hier begehst du einen gewaltigen Fehler. Du ziehst dein Selbstvertrauen primär daraus, wie dich das andere Geschlecht behandelt. Das ist nicht gesund.
Keine Sorge, ich stütze mein Selbstvertrauen nicht ausschliesslich auf das Verhältnis zu meiner Kollegin. Ich muss aber zugeben, dass es mir gut tut, dass ich endlich selbstsicherer mit meinen jungen, attraktiven Kolleginnen umgehen kann. Vor gerade mal zwei oder drei Jahren wäre das in dieser Form noch ziemlich unmöglich für mich gewesen.
Von daher ist es für mich schon eine große Sache, meine Kollegin ab und an mal mitnehmen zu dürfen. Vor allem freue ich mich, dass wir uns unterwegs gut unterhalten und nicht stumm nebeneinander sitzen. :tanzen2:
Daran musst du dringend arbeiten, bevor du in die nächste Selbstmitleid-Krise rutschst, denn deine Situation verbessert sich gerade temporär, ohne dass du etwas dafür tust.
Ich glaube, dass mein Job, der mir sehr viel Freude macht, und meine Kolleginnen unbewusst daran beteiligt sind, dass ich heute selbstbewusster bin und ich auch in der Lage bin, mich mit jungen, gleichaltrigen Frauen locker zu unterhalten.
Scham ist ein Mechanismus, der verhindern soll, dass du Dinge tust, die gegen soziale Normen verstoßen und eventuell deine "Gruppe" gefährden könnten – quasi dein inneres Alarmsystem. Gefährdest du dich oder andere, wenn du noch niemals mit jemandem geschlafen hast? Nein. Es ist eine Frage der Einstellung, wie man damit umgeht. Stört es dich, wenn jemand anderes sexuell aktiv war oder nicht? Wenn nein, warum solltest du dich an höhere Standards binden als die, die du von anderen erwartest? Es ergibt keinen Sinn.
Natürlich ergibt diese Scham keinen Sinn! Aber man entspricht nunmal nicht der Norm, wenn man mit Ende 30 noch nie eine Beziehung und auch noch nie Sex hatte. Es ist halt nichts worauf man stolz sein könnte. Von daher muss ich nach wie vor sagen: Ja ich schäme mich, dass ich mit 39 noch nie eine Freundin hatte. :sadman:
Zuletzt geändert von Kolinatan am 25.10.2024, 15:46, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Nicht verwendete Zitatteile entfernt.
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Re: AB-tum als Krankheit oder als Spektrum des Single Dasein?

Beitrag von Dewey »

uhu72 hat geschrieben: ↑20.10.2024, 18:37 AB-sein ist Schicksal. Dafür kann niemand etwas, niemand ist Schuld. Die Sachlage ist ja auch bei jeder/jedem Betroffenen etwas anders. Neulich habe ich einen Artikel über Langzeitsingles gefunden. Dort stand drin, es gibt halt Menschen, die haben einfach Pech. Wenn die Lebensumstände halt so sind, dass man wenig bis gar nicht auf das andere Geschlecht trifft, dann dauert es eben entsprechend lange, bis sich jemand passendes findet. Und wenn wir diesen Gedanken noch ein wenig weiter führen und ausdehnen, dann sind schon bei unserer AB-Problematik. Teilweise sind die Ursachen für das AB-sein mit einander verzahnt. Aber genug OffTopic.
Ich denke, diese Aussage trifft es ziemlich genau. Es gibt so viele verschiedene Faktoren, weshalb Menschen über Jahre hinweg keinen Partner finden, jeder hat eine andere Geschichte zum Thema zu erzählen: Der eine ist extrem schüchtern und traut sich nicht, der andere hatte schwierige Lebensumstände, die eine Beziehung erschweren oder ein anderer hatte - wie du schon sagtest - schlichtweg Pech.
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Re: AB-tum als Krankheit oder als Spektrum des Single Dasein?

Beitrag von Zuya Hiyaye »

Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑23.10.2024, 18:30 Dennoch finde ich die Erkenntnis bzw. die Aussage, dass es Schicksal ist, schon irgendwo traurig, weil es eben suggeriert, dass man für sich alleine nicht ändern kann.
(Ergänzungen ZH)
Ich habe mir erlaubt die Aussage mal nachzuschärfen. Ich hoffe in deinem Sinne.
Zu Partnerschaft gehören grundsätzlich schon mal zwei. Die idealerweise zusammenpassen oder glauben zusammen zu passen und im richtigen Moment zusammenfinden.
Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑23.10.2024, 18:30Glücklicherweise gibt es hier im Forum aber genug Beispiel von ABs, die es eben doch irgendwann mal geschafft haben. Und daran klammere ich mich, dass ich eben auch irgendwann mal dazu gehören könnte.
(Unterstreichung ZH)
Die passenden Umstände könnte man auch Glück nennen.
(Beachte meine Anmerkung zu Uhu72)
Ich wehre mich allerdings dagegen dass man allein gewissermaßen durch soziales Training oder „Selbstoptimierung“ sein Ziel erreicht.
uhu72 hat geschrieben: ↑23.10.2024, 19:54 wenn einem der richtige Mensch begegnet, dann findet man auch zusammen, trotz der anderen Defizite.
Richtig. Man darf dabei nicht vergessen, dass die meisten Menschen ganz ohne Coaching, Psychotherapie oder Studium der Diplompartnerologie oder einer Promotion in der höheren AB-Theorie zueinander finden.
Selbst Menschen mit kognitiven Einschränkungen habe kaum Probleme zueinander zu finden.
(Menschen mit Autismus aber schon. Soll aber hier nicht Thema sein.)
Die Diskussion man solle sich in irgendeiner Weise behandeln lassen, enthält daher die Unterstellung, wir Abs im Allgemeinen hätten eine Art sozialen Dachschaden, der uns der Fähigkeiten beraubt, die andere selbst mit Förderschulabschluss aber haben.
Natürlich können wir unsere Fähigkeiten verbessern. Aber dass man uns zu einer Art Powertraining zwingt, um fehlendes Glück und fehlende Gelegenheiten zu kompensieren, ist nur für die hilfreich, die mit aller Gewalt eine Partnerin brauchen oder -und da kommt für mich doch die Gesellschaft ins Spiel- weil es einen gesellschaftlichen Zwang gibt verpartnert zu sein.
Kurzum, ich erlaube mir, wenn auch unfreiwillig, nicht verpartnert zu sein und schäme mich kein bisschen dafür.
Serendipity hat geschrieben: ↑24.10.2024, 10:12 Als Ursachen kommen hier z.B. eine soziale Phobie oder Depressionen oder Dysmorphophobie, die schlimmstenfalls in sozialer Isolation münden, in Frage.
Oder auch Störungen aus dem Autismusspektrum aber auch Schizophrenie.
Ich meinte aber hier ganz klassische Behinderungen bei denen einige Partner aus dem selben Milieu finden. (z.B. gehörlose Paare) andere aber leider immer noch einem Stigma oder massiver gesellschaftlicher Ausgrenzung unterliegen.
Vogel hat geschrieben: ↑23.10.2024, 17:58 Mit "Behinderung" wird heute allgemein nicht mehr die körperliche, geistige, soziale Beeinträchtigung - also der Schaden- an sich gemeint. Sondern die Beeinträchtigung der Teilhabe, die in Wechselwirkung mit dem Schaden entsteht.
Auch hier wieder die doppelte Betrachtungsweise. Behinderte sind nicht behindert, sondern werden an der Teilhabe behindert.
Da ich selber nicht behindert bin, sehe ich hier auch eine Trennung die eben auch eine Teilhabe verhindert. Ich betrachte mich daher selber als unvollkommen, was alle Menschen sind und dass jeder das Recht auf seine eigene Unvollkommenheit hat. Das schafft dann wieder Verbindung.
Manche hier wird es deshalb freuen, wenn ich mich Menschen mit kognitiven Einschränkungen eben nicht überlegen fühle sondern sie auf Augenhöhe betrachte.
Serendipity hat geschrieben: ↑24.10.2024, 10:12Allerdings darf man meines Erachtens aber auch nicht vergessen, dass AB-tum anderseits auch Ursache für solche Erkrankungen sein kann.
Eine ähnliche Denke habe ich auch und verdanke sie einem meiner Lehrer, Alfons Labisch.
Denkt man sich als Teil eines überzeitlichen psychosozialen Feldes, heben sich Ursache und Wirkung ohnehin auf.

Exkurs:
Ich bin mir selbst nicht ganz sicher, ob ich nicht Symptome einer beginnenden Depression aufweise, oder ob ich nicht manchmal einfach nur traurig bin.
Hinzu kommt, sobald ich mit einer meiner Gitarren alleine bin, dass ich Musik aus der melancholischen Epoche (Rennaissance) bevorzuge.
Hat vermutlich aber eher mit der einfacher zu spielenden Vertikalharmonik zu tun.
Ich hoffe ja sehr, dass mir die Geißel einer echten Depression erspart bleibt.
Andererseits bestimme ja nicht ich oder meine Ärzte, ob ich depressive bin, sondern das wird von Forenteilnehmern aus den AB-Foren anhand eines Fernsehbeitrages mit mir „diagnostiziert“.
Ich gebe aber gerne zu, dass ich mich eher durch Gefühle als durch Intellekt leiten lasse. Wobei ich letzteres nicht ganz außen vor lasse.

Serendipity hat geschrieben: ↑24.10.2024, 10:12Es gibt nun mal kein Anrecht darauf, dass jeder Mensch, der es wünscht, auch einen Partner findet.
Diese Auffassung progressiv denkender Menschen, die jedem Menschen die gleichen Freiheitsrechte zubilligen, wie sich selbst, taucht oft in der unsäglichen Inceldebatte auf.
Da einige Incelforen Aufgrund einer schwachen Moderation von Faschos okupiert wurden, wurde das Thema Single sein mit dem Thema eines autoritären reaktionären Frauenbildes, dass die (übrig gebliebenen)„Incels“ (Unfreiwillig zölibatär lebende Menschen) dort nun haben, vermengt.
Meine Meinung dazu ist, die Gefahr geht nicht von den Singles aus -auch nicht von denen die ein Leben lang ohne Partner bleiben-, sondern von reaktionär und autoritär denkenden Menschen. Seien sie nun Singles oder mehrheitlich sogar Verheiratet.
Ich möchte mich nicht der Definitionswut einiger Forenteilnehmer anschließen und zwischen Incels und Abs unterscheiden, was von außen ohnehin nicht nachvollzogen werden kann, sondern wir sollten Farbe bekennen, dass wir als lebenslang Partnerlose eben nicht diese reaktionäre, autoritäre Denke haben.
Umgekehrt gehört aber auch dazu, dass man niemanden seine Partnerlosigkeit -und sei es nur indirekt- vorwerfen kann.
Das ist der Preis unserer Freiheit.
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Re: AB-tum als Krankheit oder als Spektrum des Single Dasein?

Beitrag von Serendipity »

Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑24.10.2024, 18:15 Ich weiss nicht, wie es sonst ausdrücken soll. Ich hege keinen Groll gegen Frauen, die mich nicht als potenziellen Partner sehen. Ich hege auch keinen Groll gegen Männer, die in einer Beziehung sind. :dont: Ich gönne jedem sein Glück, würde mich aber freuen, wenn es mir auch endlich mal gelingen würde, endlich eine Frau in mein Leben zu holen.
Dann dürfte es wohl eher in Richtung Neid gehen.
Andere besitzen womöglich die Fähigkeiten, Qualitäten und Ausstrahlung die ihnen das ermöglicht, was dir bisher nicht gelingen mag.
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Re: AB-tum als Krankheit oder als Spektrum des Single Dasein?

Beitrag von Kolinatan »

Serendipity hat geschrieben: ↑25.10.2024, 19:45 Dann dürfte es wohl eher in Richtung Neid gehen. [...]
Etwas als unfair oder ungerecht zu bewerten muss doch nicht automatisch mit Neid einhergehen. Es ist ebenso möglich einem anderen Menschen sein Glück und seien Fähigkeiten zu gönnen und zugleich enttäuscht oder traurig darüber zu sein, es nicht selbst zu erreichen, um eine Situation als unfair anzusehen. Es mag schwer fallen sich mit einem anderen Menschen über sein Beziehungsglück zu freuen, weil es einem die eigene Sehnsucht nach diesem Erleben schmerzhaft vor Augen führt, trotzdem muss ich dieses Glück nicht neiden, nur weil mir mein Schmerz ggf. ein empathisches Mitschwingen erschwert.
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Re: AB-tum als Krankheit oder als Spektrum des Single Dasein?

Beitrag von Serendipity »

Kolinatan hat geschrieben: ↑25.10.2024, 23:26 ... trotzdem muss ich dieses Glück nicht neiden, ...
Es geht auch nicht um diese Art von Neid, sondern darum, dass man andere um deren Fähigkeiten, Qualitäten und Ausstrahlung beneidet, die ihnen das ermöglicht was einem selbst versagt bleibt. ;)
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