Autonomie im Sinne der Transaktionsanalyse

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Kolinatan
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Autonomie im Sinne der Transaktionsanalyse

Beitrag von Kolinatan »

Reinhard hat geschrieben: ↑03.07.2025, 21:23 Erfüllt solches Verhalten die Definition von "Spielchen"? :gruebel:
Gehe ich nach dem Buch "Spiele der Erwachsenen: Psychologie der menschlichen Beziehungen" von Eric Berne sind wohl die meisten Menschen permanent damit beschäftigt Spiele zu spielen.

Ich möchte hierzu ein paar Teile aus dem Buch zitieren. Einmal die beiden Sexspiele "Hilfe! Vergewaltigung!" kurz "HIVE" sowie das "Strumpfspiel" als Beispiele, was unter Spielen in dem genannten Buch verstanden wird. Für dieses Thema geht es mit um den Autonomiebegriff, welche in diesem Buch beschrieben wird und einige Teile aus den letzten Kapiteln des Buches zu zitieren. Vielleicht findet jedes das Thema interessant genug, um sich mehr damit zu beschäftigen und den Wunsch zu wecken, aus den Spielen auszusteigen und stattdessen seine Autonomie zurückzuerhalten und seine Fähigkeiten zur Bewusstheit, Spontanität und Intimität zu verbessern.
[+] HIVE
These. Hier handelt es sich um ein Spiel zwischen einem Mann und einer Frau; man könnte es, zumindest in seinen weniger krassen Formen, auch «Küss mich!» oder «Entrüstung» nennen. Es lässt sich mit unterschiedlichen Intensitäts-Graden spielen.

1. «HIVE» ersten Grades bzw. «Küss mich!» ist auf gesellschaftlichen Zusammenkünften aller Art beliebt und besteht im Wesentlichen aus einem gelinden Flirt. Frau Weiß gibt zu erkennen, dass sie zu haben ist, und sie hat ihr Vergnügen an den werbenden Manövern des Mannes. Sobald er sich ihr anvertraut hat, ist das Spiel vorüber. Ist die Frau höflich, dann kann sie offen zu ihm sagen: «Ihr Interesse für mich hat mich beeindruckt, und ich bin Ihnen dankbar dafür»; dann wendet sie sich ihrer nächsten Eroberung zu. Ist sie weniger generös, dann lässt sie den Mann einfach stehen und geht wortlos von dannen. Eine geschickte Spielerin ist durchaus in der Lage, das Spiel im Rahmen einer größeren Gesellschaft eine ganze Weile andauern zu lassen, indem sie häufig ihren <Standort> wechselt: Der Mann ist dann zu komplizierten Manövern gezwungen, um ihr möglichst unauffällig zu folgen.

2. Im «HIVE»-Spiel zweiten Grades bzw. «Entrüstung» stellen die werbenden Manöver von Schwarz für Frau Weiß nur eine sekundäre Befriedigung dar. Das Hauptvergnügen besteht für sie darin, dass sie ihm einen Korb gibt; das Spiel ist daher auch unter der umgangssprachlichen Bezeichnung «Schleich dich, Casanova!» bekannt. Frau Weiß begnügt sich nicht mit dem gelinden Flirt, wie er im «HIVE»-Spiel ersten Grades üblich ist, sondern sie verführt Schwarz zu weit kompromittierenderen Situationen und weidet sich dann an seinem Unbehagen, wenn sie ihm unvermutet einen Korb gibt. Natürlich ist Schwarz nicht so hilflos, wie es den Anschein hat: Er mag selbst in nicht unbeträchtlichem Ausmaß dazu beigetragen haben, sich in diese kompromittierenden Situationen hineinzumanövrieren; gewöhnlich spielt er dabei irgendeine Variante des Spiels «Mach mich fertig».

3. «HIVE» dritten Grades ist ein heimtückisches Spiel, das häufig mit Mord oder Selbstmord endet oder aber im Gerichtssaal. Hier verführt Frau Weiß Schwarz zu einem kompromittierenden physischen Kontakt und behauptet nachher, er habe sie in verbrecherischer Weise attackiert oder ihr einen nicht wieder gutzumachenden Schaden zugefügt. In der zynischsten Variante dieses Spiels kann Frau Weiß es dem Mann sogar gestatten, einen kompletten Koitus mit ihr zu vollziehen; auf diese Weise genießt sie zunächst einmal das sexuelle Vergnügen, um ihn danach mit den übelsten Vorhaltungen zu konfrontieren. Diese Konfrontation kann unmittelbar nach dem Geschlechtsakt erfolgen, so z. B., wenn sie unberechtigterweise schreit: «Hilfe! Vergewaltigung!», sie kann aber auch erst mit beträchtlicher Verzögerung eintreten, wie das z. B. der Fall ist, wenn es nach einer sich länger hinziehenden Liebesaffäre zu Mord oder Selbstmord kommt. Will sie die ganze Angelegenheit als strafrechtlich verfolgbare Attacke hochspielen, dann ist es für sie meist relativ leicht, selbstsüchtige oder geradezu pathologisch an dem Fall interessierte Verbündete zu finden, wie z. B. die Presse, die Polizei, Anwälte und Verwandte. Manchmal allerdings wenden sich die Außenstehenden in zynischer Weise gegen sie, sodass sie die Initiative verliert und sozusagen selbst zum Spielball der anderen wird.

In manchen Fällen spielen die Außenstehenden noch eine andere Rolle. Sie zwingen das Spiel Frau Weiß gegen ihren Willen auf, denn sie möchten gern spielen «Macht den Sieger unter euch aus». Sie manövrieren sie in eine Situation hinein, in der sie gezwungen ist, «Vergewaltigung!» zu schreien, wenn sie ihr Gesicht bzw. ihren Ruf wahren will. Das ist besonders bei minderjährigen Mädchen der Fall, die noch dem Jugendschutzgesetz unterstehen. Sie mögen an sich durchaus willens sein, eine Affäre fortzusetzen, aber da das Ganze aufkommt und darüber geredet wird, sehen sie sich gezwungen, aus dem, was ursprünglich als Romanze begann, ein «HIVE»-Spiel dritten Grades zu machen.

In jener wohl bekannten Situation aus der Bibel weigerte sich der übervorsichtige Joseph, sich in ein «HIVE»-Spiel hineinziehen zu lassen, und Potiphars Weib nahm daraufhin sofort die geradezu klassische Umschaltung auf das Spiel «Macht den Sieger unter euch aus» vor; das ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie ein routinierter Spieler (bzw. eine Spielerin) auf eine Antithese reagiert und dafür, welchen Gefahren Menschen ausgesetzt sind, die sich weigern, gewisse Spiele mitzumachen. Eine Kombination der beiden eben zitierten Spiele ist das allgemein bekannte «Badger»-Spiel, in dem eine Frau zuerst Schwarz verführt und dann sofort «Vergewaltigung!» schreit; zu diesem Zeitpunkt tritt ihr Ehemann auf den Plan und setzt Schwarz mit Erpressungsversuchen hart zu. Einer höchst unheilvollen und bedenklichen Form des «HIVE»-Spiels im dritten Grad begegnet man relativ häufig beim Zusammentreffen zweier Homosexueller, die sich eben erst kennen gelernt haben; hier kann es innerhalb kürzester Zeit, manchmal in weniger als einer Stunde, zu Mord und Totschlag kommen. Die zynischen und kriminellen Varianten dieses Spiels liefern umfangreiches Berichtsmaterial für die Sensationspresse.

Der Kindheits-Prototyp von «HIVE» ist der gleiche wie bei dem Spiel «Frigide Frau»: Das kleine Mädchen verleitet den kleinen Jungen dazu, sich zu erniedrigen oder sich schmutzig zu machen, und macht sich dann selbst über ihn lustig; klassische Beispiele dafür finden sich in Maughams <Des Menschen Hörigkeit> und, wie bereits erwähnt, in Dickens' <Große Erwartungen>. Es handelt sich hier um ein Spiel zweiten Grades. Einer schärferen Form, die schon einen Grenzwert zu einem Spiel dritten Grades darstellt, kann man in übel beleumdeten Gegenden begegnen.

Antithese. Die Fähigkeit eines Mannes, sich aus einem solchen Spiel herauszuhalten oder es zumindest unter seine Kontrolle zu bekommen, hängt davon ab, inwieweit er in der Lage ist, zwischen dem Ausdruck eines echten Gefühls und dem Schachzug in einem Spiel zu unterscheiden. Kann er das Spiel im gesellschaftlichen Rahmen unter Kontrolle halten, dann mögen ihm die diversen harmlosen Flirts im «Küss mich!»-Spiel viel Vergnügen bereiten. Andererseits ist es sehr schwer, eine Erfolg versprechende Antithese für das Manöver von <Potiphars Weib> zu finden; hier gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit: Man macht sich rechtzeitig aus dem Staub, ohne eine Adresse zu hinterlassen. Im Jahre 1938 ist der Autor in Aleppo einem alternden <Joseph> begegnet: Er hatte Konstantinopel vor 32 Jahren fluchtartig verlassen, nachdem ihn anlässlich eines Geschäftsbesuchs im Yildiz-Harem eine der Sultansfrauen kompromittiert und in die Enge getrieben hatte. Er musste sein Geschäft aufgeben, nahm sich aber noch die Zeit, seinen Schatz an Goldfranken dem Reisegepäck einzuverleiben, und kehrte dann nie wieder an den <Tatort> zurück.

Verwandte Spiele. Den Varianten von «HIVE», in denen der Mann die Hauptrolle spielt, begegnet man bezeichnenderweise in verschiedenen Situationen des kommerziellen Lebens: Man kann sie bezeichnen als «Bett des Regisseurs» (und <nachher> bekam sie die Rolle doch nicht!) und «Liebesnest» (und <nachher> wurde sie fristlos entlassen).

Analyse
Die folgende Analyse bezieht sich auf das Spiel «HIVE» dritten Grades, denn hier kommen die Wesenselemente des Spiels deutlicher zum Ausdruck.
Ziel: Arglistige Rache.
Rollen: Verführerin, Schürzenjäger.
Dynamik (dritter Grad): Penis-Neid, orale Gewalttätigkeit. «Küss mich!» ist phallischer Natur, während sich bei «Entrüstung» in starkem Maß anale Elemente bemerkbar machen.
Beispiele:
1. Ich werde verraten, was du getan hast, du dreckiger kleiner Junge du.
2. Frau, der man Unrecht angetan hat.
Sozial-Paradigma: Erwachsenen-Ich / Erwachsenen-Ich.
Erwachsenen-Ich (männlich): «Es tut mir Leid, wenn ich weitergegangen bin, als ich es nach deiner Meinung hätte tun dürfen.»
Erwachsenen-Ich (weiblich): «Du hast mich vergewaltigt, und du musst den vollen Preis dafür bezahlen.»
Psychologisches Paradigma: Kindheits-Ich / Kindheits-Ich.
Kindheits-Ich (männlich): «Sieh nur, wie unwiderstehlich ich bin.»
Kindheits-Ich (weiblich): «Jetzt hab ich dich endlich erwischt, du Schweinehund!»
Einzelaktionen:
1. Frau - Verführung; Mann - Verführung im Gegensinn.
2. Frau - Kapitulation; Mann - Sieg.
3. Frau - Konfrontation mit Vorhaltungen; Mann - Zusammenbruch.
Nutzeffekte:
1. Innerlich psychologisch - Hassgefühl und Schuldprojektion.
2. Äußerlich psychologisch - Vermeidung von Intimerlebnissen mit emotionellem Hintergrund.
3. Innerlich sozial - «Jetzt hab ich dich endlich, du Schweinehund!»
4. Äußerlich sozial - «Ist es nicht schrecklich», «Gerichtssaal», «Macht den Sieger unter euch aus».
5. Biologisch - Sexuelle Beziehungen und Austausch von aggressiven Bekundungen.
6. Existenziell - Mich trifft keine Schuld.
[+] Das Strumpfspiel
These. Auch dieses Spiel gehört zur «HIVE»-Familie; sein charakteristisches Merkmal ist der Exhibitionismus, der seiner Natur nach hysterisch ist. Eine Frau stößt zu einer Gruppe ihr bis dahin unbekannter Menschen; schon nach kurzer Zeit hebt sie ihren Rocksaum an, entblößt dabei auf provozierende Art ihre Oberschenkel und bemerkt dazu: «O mein Gott, ich hab ja eine Laufmasche in meinem Strumpf.» Diese Aktion ist darauf abgestellt, die anwesenden Männer sexuell zu erregen und die anderen Frauen zu verärgern. Macht man Frau Weiß Vorhaltungen, dann beteuert sie natürlich ihre Unschuld oder sie protestiert mit Gegenbeschuldigungen - daher die Ähnlichkeit mit dem klassischen «HIVE»-Spiel.

Bezeichnend ist das mangelnde Anpassungsvermögen von Frau Weiß. Sie wartet selten lange genug, um erst einmal herausfinden zu können, mit was für Leuten sie es zu tun hat, oder um ihr Manöver im richtigen Augenblick zu starten. Daher wird es auch sofort als unpassend empfunden und wirkt sich nachteilig auf ihre Beziehungen zu den übrigen Gruppenmitgliedern aus. Trotz eines gewissen oberflächlichen <Bildungsfirnisses> begreift sie nicht, was um sie herum im Leben vorgeht, denn sie hat eine allzu zynische Auffassung von der menschlichen Natur. Sie will beweisen, dass die anderen Menschen eine laszive Gesinnung haben; dabei wird ihr Erwachsenen-Ich von ihrem Kindheits-Ich und ihrem Eltern-Ich (hier handelt es sich gewöhnlich um eine laszive Mutter) dazu verleitet, ihr eigenes provozierendes Verhalten ebenso zu ignorieren wie die anständige Gesinnung eines Großteils der Menschen, denen sie begegnet. Dadurch bekommt das Spiel eine selbstzerstörerische Tendenz.

Hier handelt es sich wahrscheinlich um die phallische Variante eines Spiels, dessen Inhalt von der ihm zugrunde liegenden Störung abhängt. Eine <orale> Variante kann man bei pathologisch gestörten Frauen mit stark entwickelten Brüsten beobachten. Solche Frauen verschränken häufig im Sitzen ihre Hände hinter dem Kopf, und dadurch rücken ihre Brüste auffällig nach vorn; sie können die Aufmerksamkeit der anderen noch zusätzlich auf ihren Busen lenken, indem sie sich über seinen Umfang auslassen oder über einen Krankheitsbefund berichten, wie z. B. über eine Schwellung oder über eine Operation. Das unruhige Hin- und Herrutschen beim Sitzen stellt möglicherweise eine anale Variante dar. Mit diesem Spiel ist die Implikation verbunden, dass die Frau für sexuelle Beziehungen disponibel ist. So kann es z. B. auch in einer mehr symbolischen Form von <trauernden> Frauen gespielt werden, bei denen die (Zurschaustellung) ihrer Witwenschaft unaufrichtigen Motiven entspringt.

Antithese. Frauen, die dieses Spiel spielen, zeigen nicht nur ein geringes Anpassungsvermögen, sondern auch wenig Toleranz gegenüber einer Antithese. Wird das Spiel z. B. im Rahmen einer geistig differenzierten Therapie-Gruppe einfach ignoriert oder rundweg abgebrochen, dann lassen sich diese Frauen meist nicht mehr blicken. Man muss bei diesem Spiel einen deutlichen Unterschied machen zwischen Antithese und Repressalien, denn Letztere zeigen an, dass Frau Weiß ihr Spiel im Grunde gewonnen hat. Beim «Strumpfspiel» sind Frauen im Kontern geschickter als Männer, bei denen ja auch in der Tat kaum ein Anlass gegeben ist, das Spiel abzubrechen. Daher überlässt man die Antithese am besten dem freien Ermessen der übrigen noch anwesenden Frauen.
[+] Autonomie
Die Erringung der Autonomie manifestiert sich in der Freisetzung oder Wiedergewinnung von drei Fähigkeiten: Bewusstheit, Spontaneität und Intimität.

Bewusstheit. Bewusstheit ist die Fähigkeit, auf unverwechselbar eigene Art eine Kaffeekanne zu sehen und die Vögel singen zu hören, und nicht so, wie es einem beigebracht worden ist. Man hat gute Gründe für die Annahme, dass das Sehen und das Hören für Kinder ganz etwas anderes bedeutet als für die Erwachsenen - und dass sie in den ersten Lebensjahren mehr von ästhetischen als von intellektuellen Momenten bestimmt werden. Ein kleiner Junge ist entzückt, wenn er die Vögel sieht und hört. Dann kommt der <gute Vater> und fühlt das Bedürfnis, seinen Erfahrungsschatz mit seinem Sohn zu <teilen> und ihm in seiner <Entwicklung> behilflich zu sein. Er sagt zu ihm: «Das ist ein Häher, und das ist ein Spatz.» Von dem Augenblick an, in dem sich der Junge damit befasst, welches nun der Häher ist und welches der Spatz, kann er die Vögel nicht mehr richtig sehen oder singen hören. Er muss sie nun so sehen und hören, wie der Vater es verlangt. Der Vater hat für sein Verhalten durchaus plausible Gründe, denn nur wenige Menschen können es sich leisten, ihr Leben damit zu verbringen, dass sie dem Gesang der Vögel lauschen; je eher er also mit der <Erziehung> seines kleinen Sohnes beginnt, desto besser ist das für ihn. Vielleicht wird aus ihm eines Tages ein Ornithologe.

Es gibt nur noch einige wenige Menschen, die auf die alte Weise sehen und hören können. Die weitaus meisten Menschen haben jedoch die Fähigkeit verloren, Maler, Dichter oder Musiker zu sein, und sie haben nicht mehr die Wahlmöglichkeit, unmittelbar zu sehen und zu hören, selbst dann nicht, wenn sie es sich eigentlich leisten könnten; sie sind gezwungen, ihre Eindrücke aus zweiter Hand zu empfangen. Die Wiedergewinnung dieser Fähigkeit wird hier als Bewusstheit bezeichnet. Physiologisch gesehen ist die Bewusstheit eine eidetische Wahrnehmung, verknüpft mit eidetischen Anschauungsbildern. Vielleicht gibt es, zumindest bei gewissen Individuen, auch eine eidetische Wahrnehmung im Bereich des Geschmackssinns, des Geruchssinns und der Kinästhesie, und aus ihnen rekrutieren sich dann die Künstler auf diesen Gebieten: die Küchenchefs, die Parfumeure und die Tänzer und Tänzerinnen, deren Problem ständig darin besteht, ein Publikum zu finden, das ihre Leistungen bzw. Produkte auch richtig zu schätzen weiß.

Die Bewusstheit zwingt uns, im Hier und Heute zu leben und nicht irgendwo in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Ein anschauliches Beispiel für die im Alltag sich bietenden Möglichkeiten geben die Autofahrer, die am Morgen in großer Hast zu ihrem Arbeitsplatz fahren. Die entscheidende Frage lautet: «Wo sind ihre Gedanken, während sie mit ihrem Körper im Wagen sitzen?» Man kann drei weit verbreitete Fälle unterscheiden.

1. Der Mann, der in erster Linie damit beschäftigt ist, zum Dienst zurechtzukommen, ist derjenige, der sich von seiner Umwelt am stärksten ausschließt. Während sein Körper am Lenkrad seines Wagens sitzt, sind seine Gedanken schon an der Schwelle zu seinem Büro; er ist blind gegenüber seiner unmittelbaren Umgebung, und er bemerkt sie nur insoweit, als sie ein Hindernis für den Augenblick ist, in dem sich bei ihm Soma und Psyche wieder vereinen werden. Dieser <Querkopf> ist hauptsächlich darum besorgt, welchen Eindruck das Ganze wohl auf seinen Chef machen wird: Kommt er zu spät, dann gibt er sich die größte Mühe, atemlos zu erscheinen. Sein willfähriges Kindheits-Ich hat das Kommando übernommen, und er spielt «Sie sehen, ich habe mir wirklich die größte Mühe gegeben». Während er fährt, fehlt es ihm fast völlig an Autonomie, und als menschliches Wesen ist er im Prinzip mehr tot als lebendig. Es ist durchaus möglich, dass ein solcher Zustand in hohem Maß zur Entstehung eines hohen Blutdrucks oder zur Erkrankung der Kranzgefäße des Herzens beiträgt.

2. Der <Schmoller> ist seinerseits nicht so sehr darum besorgt, dass er zur rechten Zeit an seinem Arbeitsplatz eintrifft, als vielmehr darum, sich eine Reihe von Entschuldigungen für sein Zuspätkommen auszudenken. Kleine Missgeschicke, schlecht aufeinander abgestimmte Verkehrsampeln und stupides Verhalten vonseiten der anderen Verkehrsteilnehmer passen gut in seinen Plan und werden heimlich begrüßt, und zwar als Beitrag zu seinem Spiel «Sehen Sie bloß, was die wieder angerichtet haben», das er entweder auf der Ebene seines rebellischen Kindheits-Ichs oder auf der seines rechthaberischen Eltern-Ichs spielt. Auch er ist blind gegenüber seiner Umgebung, und das gilt nur dann nicht, wenn sie in irgendeiner Form einen Beitrag zu seinem Spiel leistet; so ist auch er nur halb lebendig. Sein Körper sitzt in seinem Wagen, seine Gedanken sind jedoch auf der Suche nach Missständen und Ungerechtigkeiten.

3. Weniger häufig trifft man den <natürlichen Fahrer>, den Mann, für den das Autofahren eine kongeniale Kunst und Wissenschaft ist. Wenn er sich rasch und geschickt durch das Verkehrsgewühl windet, dann verschmilzt er mit seinem Auto zu einem Wesen. Auch er beachtet die Umgebung nicht, oder doch nur dann, wenn sie ihm Spielraum für seine fahrerischen Qualitäten gibt, aber er ist sich nicht nur seiner selbst sehr wohl bewusst, sondern auch der Maschine, die er so ausgezeichnet beherrscht; insoweit ist er durchaus lebendig. Ein solches Fahren ist, formal ausgedrückt, ein Zeitvertreib auf der Ebene des Erwachsenen-Ichs, aber es kann auch in seinem Kindheits-Ich und seinem Eltern-Ich eine gewisse Befriedigung auslösen.

4. Der vierte Fall betrifft den Menschen, der sich bewusst verhält und keine Hast und Eile zeigt, weil er ganz in der Gegenwart und in der unmittelbaren Umgebung lebt, die sich rings um ihn herum befindet: der Himmel, die Bäume und auch das Gefühl der Bewegung. Hasten und Eilen heißt: diese Umgebung vernachlässigen und nur Dinge in sein Bewusstsein aufnehmen, die noch außer Sichtweite in weiter Ferne liegen, oder sich nur irgendwelcher Hindernisse oder nur seiner selbst bewusst werden.

Ein Chinese, begleitet von einem Kaukasier, war einmal gerade im Begriff, die lokale Untergrundbahn zu besteigen, da machte ihn sein Begleiter darauf aufmerksam, dass sie 20 Minuten Zeit sparen könnten, wenn sie stattdessen mit dem Eilzug führen. Beide entschlossen sich, das zu tun. Als sie auf der Station am Central Park ausstiegen, setzte sich der Chinese zur großen Verblüffung seines Begleiters auf eine Bank. «Nun», sagte der Chinese, «wir haben 20 Minuten Zeit gespart, also können wir es uns jetzt auch leisten, so lange hier zu sitzen und unsere Umgebung zu genießen.»

Der bewusste Mensch ist lebendig, denn er weiß, was er empfindet, wo er ist und in welcher Zeit er lebt. Er weiß, die Bäume werden noch an der gleichen Stelle stehen, wenn er längst gestorben ist, aber er wird dann nicht mehr in ihrer Nähe sein, um sie zu betrachten, also möchte er sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt so intensiv betrachten wie nur irgend möglich.

Spontaneität. Spontaneität bedeutet in gewissem Sinn Option: die Freiheit, seine Empfindungen aus dem verfügbaren Assortiment (Empfindungen auf der Ebene des Eltern-Ichs, des Erwachsenen-Ichs und des Kindheits-Ichs) auszuwählen und auszudrücken. Sie bedeutet auch Befreiung: Befreiung von dem Zwang, Spiele zu spielen und nur die Empfindungen zum Tragen zu bringen, die einem von anderen beigebracht worden sind.

Intimität. Intimität bedeutet: spontane, nicht spielanfällige Offenheit eines bewussten Menschen, die Freisetzung des mit eidetischer Wahrnehmung begabten, unkorrumpierten Kindheits-Ichs, das mit seiner ganzen Naivität im Hier und Heute lebt. Es lässt sich experimentell nachweisen, dass die eidetische Wahrnehmung Zuneigung auslöst und dass die Offenheit positive Empfindungen mobilisiert, ja es gibt sogar so etwas wie <einseitige Intimität> - ein Phänomen, das - wenn auch nicht unter diesem Namen - professionellen Verführern wohl vertraut ist: Sie sind in der Lage, ihre Partner an sich zu ziehen, ohne sich dabei selbst innerlich zu engagieren. Sie erreichen das, indem sie den anderen Menschen dazu ermutigen, sich ihnen direkt und offen zuzuwenden und freimütig mit ihnen zu sprechen, während der männliche Verführer (oder die weibliche Verführerin) dieses Verhalten nur zum Schein erwidert, was er natürlich sorgfältig vor dem betroffenen Partner verbirgt.

Da die Intimität im Wesentlichen eine Funktion des natürlichen Kindheits-Ichs ist (wenn auch eingebettet in eine Matrix von psychologischen und sozialen Verflechtungen), zeigt sie meist die Tendenz zu einer günstigen Entfaltung, es sei denn, diese wird durch das Zwischenschalten von Spielen gestört. Eine höchst ungünstige Wirkung übt auf sie im Allgemeinen die Adaptation an die Einflüsse des Eltern-Ichs aus, und unglücklicherweise ist das nahezu überall in der Welt der Fall. Bevor sie jedoch korrumpiert werden, scheinen die meisten Kinder ein starkes Liebesempfinden zu haben, und das ist, wie experimentell nachgewiesen wurde, das grundlegende Wesensmerkmal der Intimität.
[+] Erringung der Autonomie
Von Geburt an bringen die Eltern, bewusst oder unbewusst, ihren Kindern bei, wie sie sich verhalten sollen, wie sie denken, empfinden und wahrnehmen sollen. Eine Loslösung von diesen Einflüssen ist keinesfalls leicht, denn sie sind tief verwurzelt, und während der ersten zwei oder drei Lebensjahrzehnte sind sie für biologische und soziale Überlebenszwecke unentbehrlich. Im Prinzip ist eine solche Loslösung überhaupt nur darum möglich, weil das Individuum sich zu Beginn seines Lebens in einem autonomen Zustand befindet, d. h., es hat die Fähigkeiten der Bewusstheit, der Spontaneität und der Intimität, und es besitzt einen gewissen Grad von Ermessensfreiheit darüber, welche der ihm von seinen Eltern übermittelten Lehren es akzeptieren will. Frühzeitig in seinem Leben trifft es zu ganz bestimmten Zeitpunkten die Entscheidung darüber, auf welche Weise es den Adaptationsprozess vollziehen will. Gerade weil diese Adaptation sich im Zuge einer Reihe von Entscheidungen vollzieht, kann sie wieder rückgängig gemacht werden, denn Entscheidungen lassen sich unter günstigen Umständen auch wieder umstoßen.

Die Erringung der Autonomie besteht also darin, dass man alle in den Kapiteln 13, 14 und 15 erörterten Irrelevanzen verwirft. Ein solches Verwerfen ist allerdings niemals endgültig: Man muss ständig darum kämpfen, nicht wieder in die alte Lebensweise zurückzufallen.

Zunächst muss, wie bereits in Kapitel 13 erörtert, das Gewicht einer langen historischen Gruppen- oder Familientradition beiseite geschoben werden, wie das bei Margaret Meads Dorfbewohnern in Neuguinea der Fall gewesen ist; dann muss auch noch der Einfluss, der vonseiten der Eltern sowie aus dem sozialen und kulturellen Milieu heraus auf das einzelne Individuum eingewirkt hat, eliminiert werden. Das Gleiche gilt für die zeitgenössische Gesellschaft in ihrer Gesamtheit, und schließlich müssen auch noch die Nutzeffekte, die man aus dem unmittelbar zugehörigen Sozialmilieu bezogen hat, ganz oder teilweise geopfert werden. Dann müssen alle diejenigen Vorteile und Annehmlichkeiten aufgegeben werden, die man, wie in Kapitel 14 gezeigt wurde, daraus ableitete, dass man die Rolle des <Schmollers> oder des <Querkopfs> spielte. Danach muss das Individuum die Selbstkontrolle im persönlichen und im sozialen Bereich erringen, sodass ihm - vielleicht mit Ausnahme der Träume - alle im Anhang geschilderten Verhaltensweisen in freier Wahl zu Gebote stehen und nur dem eigenen Willen unterworfen sind. Unter diesen Voraussetzungen ist das Individuum nun reif für nicht spielgebundene Beziehungen zu anderen Menschen, etwa nach dem in Kapitel 15 erörterten Paradigma. Jetzt sollte es eigentlich auch in der Lage sein, seine Fähigkeiten zur Autonomie hin zu entwickeln. Das bedeutet im Prinzip, dass die gesamte Vorbereitung daraus besteht, dass man sich in verbindlicher Form von den Einflüssen der eigenen Eltern (und von anderen <Eltern-Ich>-Einflüssen) löst, sodass man zwar bei passender Gelegenheit auf sie zurückgreifen kann, sie aber nicht mehr ein dominierender Faktor im eigenen Leben sind.
[+] Zukunft
Das in den Teilen I und II dieses Buches präsentierte Bild von der Welt ist recht düster; in ihm besteht das menschliche Leben hauptsächlich darin, die Zeit bis zum Eintreffen des Todes (bzw. des Weihnachtsmannes)) mit irgendetwas auszufüllen, wobei man allenfalls eine sehr geringe Wahlmöglichkeit hat, darüber zu bestimmen, mit was für Transaktionen man die lange Wartezeit überbrücken will; dieses Bild ist eine weit verbreitete, aber doch nicht die endgültige Antwort.

Für einige glückliche Menschen gibt es nämlich etwas, das sich über alle systematischen Verhaltensarten erhebt, und das ist die Bewusstheit; etwas, das mehr bedeutet als die Programmierung der Vergangenheit, und das ist die Spontaneität, und etwas, das lohnender ist als alle Spiele, und das ist das Intimerlebnis. Für alle diejenigen aber, die auf diese drei Möglichkeiten innerlich nicht hinreichend vorbereitet sind, können sie Furcht und Gefahr bedeuten. Vielleicht ist es für diese Menschen besser, sie bleiben so, wie sie sind, und suchen die Lösung für ihre Probleme darin, dass sie die üblichen Sozialaktionen praktizieren, wie z. B. gesellschaftliche Zusammenschlüsse. Das könnte bedeuten, dass es für die Menschheit in ihrer Gesamtheit keine Hoffnung für die Zukunft gibt, dass jedoch für einzelne Individuen die Zukunft durchaus hoffnungsvoll aussieht.
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Re: Autonomie im Sinne der Transaktionsanalyse

Beitrag von Tania »

Kolinatan hat geschrieben: ↑04.07.2025, 01:15 ... sind wohl die meisten Menschen permanent damit beschäftigt Spiele zu spielen.
Bedeutet das dann Deiner Meinung nach (oder der Meinung des Buchautors nach), dass die meisten (oder alle?) Vergewaltigungen / sexuellen Belästigungen / Zurückweisungen von Frauen Teil eines von der Frau initiierten HIVE-Spiels sind?
Zuya Hiyaye
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Re: Autonomie im Sinne der Transaktionsanalyse

Beitrag von Zuya Hiyaye »

Hallo Zusammen
Ich habe mein altes Buch "Spiele der Erwachsenen" von Eric Berne wiedergefunden.
Lang, lang ist's her, dass ich es damals während meines Theologiestudiums erworben hatte, wo es dort Ende der 70ger Anfang der 80ger in der Auslage lag. Neben "Durch Musik zum Selbst" von Peter Michael Hamel war es eines der ersten Bücher zu psychologischen Themen, die ich erworben hatte, nachdem Psychologie in vielen JULAIKA-Schulungen Thema war.
Für mich ist das Buch revolutionär.
Es entkoppelt das Verhalten vom Individuum und stellt es in den Kontext sozialer Interaktionen.
"Kein Mensch ist eine Insel."
Während ich Watzlawick und Moreno konsumierte, wollten mir andere mit C.G. Jung und Wilhelm Reich traumanalytisch und orgonenergeitisch die Welt erklären.
Und ehrlich gesagt komme ich mir hier im Forum genauso vor, als müsste ich mir von anderen anhören,

- wer ich bin,

- was ich bin,

- was ich denke und

- was ich fühle,

und genau das nach ihrer Auffassung bitteschön ändern, während ich denke, das ich eigentlich so in Ordnung bin wie ich bin, nur eben nicht zum Beweis den Orden "größter Liebhaber aller Zeiten" am Bande an der Brust trage.

Zum Glück habe ich das Buch doch noch in einer meiner hinteren Regalreihen gefunden. (Ich brauche dringend eine größere Wohnung oder muss mich von der Hälfte meiner Bücher trennen.)
Zuvor musste ich tatsächlich mit einer KI "kämpfen", die meinte, es gäbe das Spiel "Macht den Sieger unter
euch aus" (MASUEA)
nicht.
Ich bin zwar alt, aber noch nicht senil! Es steht bei Berne ganz am Anfang des Kapitels 9: Sexspiele. Und es kam mir neben "Perverser" als erstes in den Sinn, wenn ich meine Situation als AB beschreiben soll.
Es sind Spiele, zu denen es keine Antithese gibt, sondern aus denen ich als Erwachsenen-Ich nur herauskomme, indem ich das Spiel verlasse. Ziel dieses Spiels ist es ja eben, mich in das Kindheits-Ich zu drängen. Diese Rolle kann ich entweder annehmen (Mitspielen) oder ablehnen (Nicht mitspielen).
Und mal abgesehen von den üblichen Verdächtigen, die bei diesen Spielen erst gar nicht mitspielen und diese nicht kennen (dies aber auch in diesem Thread erwähnen wollen, weil sie mal wieder bedauert werden wollen), dürfte sich der eine oder andere AB als dauernder Verlierer eines Wettbewerbs um weibliche Gunst fühlen. Bis er dann irgendwann einmal das Handtuch geworfen hat und Frauen erst gar nicht mehr anspricht oder nur noch alle 3-5 Jahre, je nachdem ihm mal wieder eine ins Auge fällt, oder mit immer größeren Abständen, bis er dann irgendwann einmal schließlich zu alt dafür geworden ist oder sich seine Partnerin im Seniorenheim suchen kann. Ohne Rücksicht darauf, welcher Anteil ihm vom "Am Leben teilhaben" entgangen ist und dass man den eben nicht so einfach durch „einmal Sex bitte“ nachholen kann.

Möglicherweise sind viele Abs schon autonom genug. Ohne dass es ihre Sehnsucht nach einer Partnerin und damit der Gefahr in diesen Mechanismus zu geraten verringert.

Sie sehnen sich nach Liebe. Geboten wird ihnen "Wettbewerb".
Zuletzt geändert von Zuya Hiyaye am 04.07.2025, 10:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Autonomie im Sinne der Transaktionsanalyse

Beitrag von Kolinatan »

Tania hat geschrieben: ↑04.07.2025, 09:54 Bedeutet das dann Deiner Meinung nach [...]
Da mir keine Daten dazu vorliegen, habe ich kein Wissen dazu und kann dazu nichts aussagen.

Nach dem was der Autor geschrieben hat, gehe ich davon aus, dass er davon ausgeht, dass es Menschen gibt, welche bei den Spielen nicht mitmachen:
Eric Berne hat geschrieben: ↑04.07.2025, 01:15 Für einige glückliche Menschen gibt es nämlich etwas, das sich über alle systematischen Verhaltensarten erhebt, und das ist die Bewusstheit; etwas, das mehr bedeutet als die Programmierung der Vergangenheit, und das ist die Spontaneität, und etwas, das lohnender ist als alle Spiele, und das ist das Intimerlebnis. Für alle diejenigen aber, die auf diese drei Möglichkeiten innerlich nicht hinreichend vorbereitet sind, können sie Furcht und Gefahr bedeuten. Vielleicht ist es für diese Menschen besser, sie bleiben so, wie sie sind, und suchen die Lösung für ihre Probleme darin, dass sie die üblichen Sozialaktionen praktizieren, wie z. B. gesellschaftliche Zusammenschlüsse. Das könnte bedeuten, dass es für die Menschheit in ihrer Gesamtheit keine Hoffnung für die Zukunft gibt, dass jedoch für einzelne Individuen die Zukunft durchaus hoffnungsvoll aussieht.
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Re: Autonomie im Sinne der Transaktionsanalyse

Beitrag von Zuya Hiyaye »

Tania hat geschrieben: ↑04.07.2025, 09:54 Bedeutet das dann Deiner Meinung nach (oder der Meinung des Buchautors nach), dass die meisten (oder alle?) Vergewaltigungen / sexuellen Belästigungen / Zurückweisungen von Frauen Teil eines von der Frau initiierten HIVE-Spiels sind?
Nein.
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Re: Autonomie im Sinne der Transaktionsanalyse

Beitrag von Tania »

Kolinatan hat geschrieben: ↑04.07.2025, 14:07 Nach dem was der Autor geschrieben hat, gehe ich davon aus, dass er davon ausgeht, dass es Menschen gibt, welche bei den Spielen nicht mitmachen:
Das ist gut zu wissen, beantwortet aber leider meine Frage nicht. Denn "nicht mitmachen" kann ja im Endeffekt genauso bedeuten "die nicht spielende Frau weist nie zurück/erlebt nie eine Vergewaltigung/Belästigung, und zeigt deswegen auch nie eine an" wie "die Anzeige erstattende Frau wurde tatsächlich vergewaltigt/belästigt, ohne dass irgendwer irgendetwas gespielt hat".

Es ging mir tatsächlich um die Wendungen "die meisten Menschen" und "permanent damit beschäftigt Spiele zu spielen." Denn wenn das so ist, müsste im Umkehrschluss - da ja nur wenige Menschen permanent damit beschäftigt sind, andere Menschen tatsächlich zu belästigten/vergewaltigen - gelten, dass ein sehr großer Teil der behaupteten Belästigungen/Vergewaltigungen nie stattgefunden hat, sondern lediglich ein Instrument der Frau in einem HIVE Spiel sind.

Oder ist meine Logik da jetzt völlig fehlgeleitet? :gruebel:

Die Statistik sagt übrigens, dass es nur bei 8-12% aller angezeigten Sexualdelikte zu einer Verteilung kommt (ca. 15% enden mit einem Freispruch - meist wegen fehlender Beweise, nur ca. 3% werden freigesprochen, weil die anzeigende Person etwas Falsches behauptet hat) und der Rest wird vorher eingestellt - meist weil es niemanden gibt, gegen den ein hinreichend großer Tatverdacht besteht. Hilft also auch nicht viel weiter. Aber müsste vielleicht, wenn die meisten angezeigten Vergewaltigungen Teil eines Spiels sind, auch die Zahl der nachgewiesenen falschen Anzeigen deutlich höher sein?
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Re: Autonomie im Sinne der Transaktionsanalyse

Beitrag von Kolinatan »

Zuya Hiyaye hat geschrieben: ↑04.07.2025, 10:36
Danke für die Erklärungen. Ich wollte schon nachfragen, ob Du das Buch kennst, weil Du in dem anderen Thema auf das Spiel <Perversion> referenziert hattest. Aus der Beschreibung hätte ich es einem AB jetzt nicht unbedingt zugeordnet. Da fand ich den 1. Grad des <HIVE> passender, auch wenn viele AB nicht oder selten an einem solche Spiel teilhaben dürfen. Ich nehme an - weiß nicht wie weit sich die Übersetzung des Buches bei der Neuveröffentlichung 2002 verändert hat - dass es bei Deiner Referenz auf das Spiel <Perversion> vor allem darum ging, dass eine "tatsächliche Befriedigung eingeschränkt bzw. ausgeschlossen wird."?

Wäre nicht auch das Spiel <Holzbein> interessant?
Eric Berne hat geschrieben: [...] Beim Spiel «Holzbein» heißt die These: «Was erwarten Sie eigentlich von einem Mann mit Holzbein?» [...] Solange ein Mensch mit einer echten, übertriebenen oder eingebildeten Invalidität mit seinem Los zufrieden ist, sollte sich wohl niemand veranlasst fühlen einzugreifen. In dem Augenblick jedoch, in dem er sich in psychiatrische Behandlung begibt, erhebt sich die Frage, ob er seinem Leben auch wirklich die bestmöglichen Seiten abgewinnt und ob er nicht vielleicht in der Lage wäre, seine Invalidität zu überwinden.

In den Vereinigten Staaten setzt sich der Therapeut mit seiner Arbeit in Gegensatz zu einem Großteil der öffentlichen Meinung in den gebildeten Schichten. Selbst die nahen Verwandten des Patienten, die sich zunächst am lautesten über die durch seine Invalidität verursachten Unbequemlichkeiten beklagt haben, neigen schließlich dazu, sich gegen den Therapeuten zu wenden, wenn der Zustand des Patienten sich definitiv bessert. Das ist für einen Mann, der mit der Spiel-Analyse vertraut ist, durchaus verständlich, aber es erleichtert seine Aufgabe in keiner Weise. Alle Leute, die die ganze Zeit über «Ich versuche nur, dir zu helfen» gespielt haben, werden nun von der unmittelbar bevorstehenden Unterbrechung des Spiels bedroht, wenn sich beim Patienten Anzeichen dafür zeigen, dass er eine gewisse Selbständigkeit wiedererlangt, und sie greifen manchmal zu den unglaublichsten Maßnahmen, um die Behandlung zu beenden. [...]
Zuya Hiyaye hat geschrieben: ↑04.07.2025, 10:36 Möglicherweise sind viele Abs schon autonom genug.
Ich fände es ein schönes Bild, wenn der Ausschluss aus einzelnen Spielfeldern zur Autonomie führen würde. Ausgehend von den Beschreibungen für die drei Teilaspekte ...
Eric Berne hat geschrieben: ↑04.07.2025, 01:15 Bewusstheit ist die Fähigkeit, auf unverwechselbar eigene Art eine Kaffeekanne zu sehen und die Vögel singen zu hören, und nicht so, wie es einem beigebracht worden ist.
Spontaneität bedeutet in gewissem Sinn Option: die Freiheit, seine Empfindungen aus dem verfügbaren Assortiment (Empfindungen auf der Ebene des Eltern-Ichs, des Erwachsenen-Ichs und des Kindheits-Ichs) auszuwählen und auszudrücken.
Intimität bedeutet: spontane, nicht spielanfällige Offenheit eines bewussten Menschen, die Freisetzung des mit eidetischer Wahrnehmung begabten, unkorrumpierten Kindheits-Ichs, das mit seiner ganzen Naivität im Hier und Heute lebt.
... würde ich davon ausgehen, dass der erste Schritt Richtung Autonomie wohl darin bestünde die Identität AB loszulassen und sich nicht mehr als "unfreiwillig" Beziehungslos anzusehen und auch nicht mehr zu versuchen, als Mitspieler für eines der <Ehespiele> zugelassen zu werden, sondern die Fähigkeit Intimität zu trainieren. Was meinst Du?
Tania hat geschrieben: ↑04.07.2025, 14:44 Oder ist meine Logik da jetzt völlig fehlgeleitet? :gruebel:
Ja, ist sie. Im Buch geht es um mehr als nur das <HIVE> Spiel. Es werden 36 Spiele beschrieben. Dabei geht es um Wiederholungen bestimmter Verhaltensmuster und nicht darum ob der Umstand der Vergewaltigung in einer justiziablen Form vorliegt oder erfunden wurde.
:se-vulcan+: Lebe lang und in Frieden.
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Re: Autonomie im Sinne der Transaktionsanalyse

Beitrag von Tania »

Kolinatan hat geschrieben: ↑04.07.2025, 14:46 Im Buch geht es um mehr als nur das <HIVE> Spiel. Es werden 36 Spiele beschrieben. Dabei geht es um Wiederholungen bestimmter Verhaltensmuster und nicht darum ob der Umstand der Vergewaltigung in einer justiziablen Form vorliegt oder erfunden wurde.
Okay, danke für die Klarstellung :)
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Re: Autonomie im Sinne der Transaktionsanalyse

Beitrag von Elfriede »

Oja, solche Spielchen habe ich auch schon mitbekommen und fand sie immer manipulativ und wiederlich. Besonders sehr attraktive Frauen ( aber auch Männer) ziehen offenbar daraus zusätzlichen Selbstwert. Ich hab das nie verstanden, warum gerade die das brauchen.
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Re: Autonomie im Sinne der Transaktionsanalyse

Beitrag von Reinhard »

Kolinatan hat geschrieben: ↑04.07.2025, 01:15
Ich kann da nix dazu sagen. Ich habe zuwenig Einbettung in der Gesellschaft, um solche "Spielchen" erkennen zu können. Oder vielleicht ist die Kausalität auch andersherum.

Ich habe zudem zuwenig Muße und auch zuwenig Motivation, die Äußerungen meiner Mitmenschen auf die Goldwaage zu legen. Die Spielchenwaage, von mir aus. Scheint mir nicht hilfreich und misstrauensäend ...

Normalerweise würde ich auch nichtmal antworten (wenn ich schon nix zum Thema sagen kann), aber wenn ich schon zitiert wurde ...
Make love not war!
Elfriede

Re: Autonomie im Sinne der Transaktionsanalyse

Beitrag von Elfriede »

Zuya Hiyaye hat geschrieben: ↑04.07.2025, 10:36
Hallo Zuya Hiyaye,

Ich wollte dir einfach mal ein Kompliment da lassen, bzw. 2 Komplimente:

1. Ich mag deinen Humor!
2. Ich mag deine Gelassenheit und du wirkst nicht nur in diesem Strang so, als würdest du innerlich inzwischen völlig in dir ruhen. Das macht dich sehr sympathisch.

Was ich manchmal in diesem Forum nicht verstehe ist, dass viele ABs sich wie Aliens beschreiben und ihren Lebensentwurf irgendwie pathologisieren. Manche schreiben dann, sie hätten das Gefühl, kein "richtiges" Leben zu haben, wobei sie damit meinen, dass sie keine Partnerin, nebst Kindern, Haus, Hund und Hamster vorweisen können. Wobei ich aus eigener Erfahrung sagen kann, dass dieses Leben alles andere als Honigschlecken ist. So manche gestresste und 3-fach belastete Mutter (und so mancher Vater) dürften den einen oder anderen AB hier aus vollstem Herzen beneiden.

Das Leben in unfreiwilliger Beziehungslosigkeit, so belastend es auch sein mag, hat auch viele Vorteile. Eines davon ist, dass man Zeit genug hat, heraus zu finden, wer man eigentlich ist. Du scheinst das gut genutzt zu haben. Glückwunsch!

Im Grunde ist das dauerhafte Singel-leben nur einer von vielen heute möglichen Lebensentwürfen. Nicht mehr und nicht weniger. War es in meiner Generation noch erforderlich, zu heiraten, u.a. um als Frau materiell versorgt zu sein, so können Frauen und Männer heute frei entscheiden. Das hat wie immer im Leben Vor- und auch Nachteile. Dass es heute immer mehr ABs gibt, ist dann eben eine Folgeerscheinung dieser neuen Freiheit. Medienkonsum und die dauernde Berieselung mit ach so perfekten Frauen und Männerkörpern a la Hollywood gaukeln dann vor, nur diese Menschen hätten ein Recht auf das wahre Leben nebst der einzig wahren romantischen Beziehung. Und da jeder Mensch glaubt, nur dann "dazu" zu gehören, wenn er oder sie makellos ist, führt dann eben zu diesem unsäglichen Konkurrenzkampf.

Das alles hat mit Liebe aber überhaupt nichts zu tun. Insofern ist es nur klug, das Handtuch zu werfen und dieses Spiel zu verlassen.

Wenn ich mich richtig erinnere, dann ist es das erstrebenswerteste Ziel im Buddhismus, in völliger Beziehungslosigkeit zu leben und sich von allem irdischen zu lösen, um ganz mit sich und dem Göttlichen zu verschmelzen. Auch vielleicht, weil man sich so die einen oder anderen irdischen Sorgen ersparen kann. Manchmal denke ich, so mancher AB ist da auf einem guten Weg. Kann das sein?
Zuletzt geändert von Kolinatan am 07.07.2025, 11:12, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Vollzitat gekürzt.
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Re: Autonomie im Sinne der Transaktionsanalyse

Beitrag von selina »

Elfriede hat geschrieben: ↑07.07.2025, 08:27 Was ich manchmal in diesem Forum nicht verstehe ist, dass viele ABs sich wie Aliens beschreiben und ihren Lebensentwurf irgendwie pathologisieren. Manche schreiben dann, sie hätten das Gefühl, kein "richtiges" Leben zu haben, wobei sie damit meinen, dass sie keine Partnerin, nebst Kindern, Haus, Hund und Hamster vorweisen können. Wobei ich aus eigener Erfahrung sagen kann, dass dieses Leben alles andere als Honigschlecken ist. So manche gestresste und 3-fach belastete Mutter (und so mancher Vater) dürften den einen oder anderen AB hier aus vollstem Herzen beneiden.

Das Leben in unfreiwilliger Beziehungslosigkeit, so belastend es auch sein mag, hat auch viele Vorteile. Eines davon ist, dass man Zeit genug hat, heraus zu finden, wer man eigentlich ist. Du scheinst das gut genutzt zu haben. Glückwunsch!

Im Grunde ist das dauerhafte Singel-leben nur einer von vielen heute möglichen Lebensentwürfen.
Nur ein kurzer Einwurf von mir. Mit Sicherheit ist ein Leben mit Partnerschaft, Kindern usw. nicht immer ein Traumleben, aber ABs bleibt es eben verwehrt das selbst heraus zu finden. Sie haben eventuell nie die Chance die 'andere Seite' kennenzulernen.
Und das Leben eines AB ist eben kein Lebensentwurf. Es ist kein selbst gewählter Zustand.
Wenn ich die Möglichkeit habe zu wählen, z.B. Single bleiben oder Partnerschaft, dann kann man von Lebensentwurf sprechen.

Bei Leuten in Partnerschaften die das Hohelied des Singlelebens singen denke ich oft an eine Freundin die einem ein Kleid schmackhaft machen möchte das sie selbst niemals tragen würde.
Glück ist für mich, wenn mir niemand auf den Sack geht.
Klaus Kinski
Elfriede

Re: Autonomie im Sinne der Transaktionsanalyse

Beitrag von Elfriede »

selina hat geschrieben: ↑07.07.2025, 16:11
Liebe Selina,

Ja, du hast natürlich Recht mit deinem Einwurf. - Einerseits - ! Ein AB hat sich sein Leben als Dauersingel nicht ausgesucht. Mein Sohn ist AB und auch er würde das weit von sich weisen. Aber auf der anderen Seite hat er im Laufe der letzten 15 Jahre immer wieder eben kleine Entscheidungen gefällt, die seine jetziges ABtum begünstigt und vielleicht sogar verursacht haben. Und verstehe mich nicht falsch, ich meine das jetzt ganz und gar nicht als Vorwurf. Aber er ist als Teenie z.B. nie auf Partys gegangen, sondern hat lieber mit seinen Kumpels WOW gespielt. Später hatte er sich dann in eine Mitschülerin verliebt und konnte ihre Abfuhr lange nicht verarbeiten. Möglicherweise bis heute nicht. Statt sich aber Hilfe bei Freunden, seinen Eltern oder bei einem Therapeuten zu holen, hat er sich in seinen Liebeskummer fallen lassen. Jahrelang!

Dann hat er sich in seine Ausbildung und später in seine Arbeit gestürzt und hat wieder etliche Chancen links liegen lassen. Ich weiß z.B. von einem Mädel in seiner WG, die Interesse an ihm hatte. Die war ihm aber nicht gut genug. So kam dann eben eins zum anderen und jetzt ist er über 30 und immernoch HC-AB. Ich verurteile ihn dafür nicht, im Gegenteil, es tut mir in der Seele weh. Auch wenn er jetzt auf einem guten Weg zu sein scheint, in die USA ausgewandert ist und dort noch einmal von vorne anfängt, was gut zu laufen scheint.

Aber ich vergleiche in dieser Hinsicht sein AB-Problem immer öfter mit meinem Adipositas-Problem. Auch ich wollte nie dick werden. Ganz sicher nicht. Aber ich habe eben über Jahre hinweg viel zu viel gegessen und mich zu wenig bewegt. Jede Tüte Chips, für die ich mich abends entschieden habe, statt einen Apfel zu essen, war eine Entscheidung in Richtung Adipositas. Jede Trainingseinheit im Fitnessstudio, die ich habe ausfallen lassen, war ebenfalls eine Entscheidung zum dick werden.

Das wird mir jetzt erst so richtig bewusst und ich habe dafür teuer bezahlt. Ich habe heute Diabetes, Arthrose und noch einige gewichtsbedingte Krankheiten mehr. Klar, neige auch ich dazu, die Schuld in den Genen zu suchen oder im Frustessen oder weiß der Henker was. Aber weißt du was? So richtig was ändern kann ich erst, seitdem ich die Opferrolle verlassen und Verantwortung für mein Leben übernommen habe. D.h. nicht, dass ich mir nicht Hilfe holen darf. Das tue ich natürlich, denn alleine schaffe ich es nun nicht mehr, ein gesundes Gewicht zu erreichen. Aber auch ABs dürfen sich doch Hilfe holen. Es gibt genug Coaches oder andere Therapieangebote und man darf auch einfach mal seinen Mitmenschen sagen, dass man sich in der aktuellen Lebenssituation nicht wohl fühlt und Hilfe braucht. Und wer weiß, vielleicht kennt ja irgendwer irgendwen, der ebenfalls allein ist und es lassen sich neue Kontakte knüpfen.

Wie auch immer! Ja, Abtum ist in gewisser Hinsicht kein frei gewählter Lebensentwurf. Er ist vielmehr das Resultat vieler kleiner Fehlentscheidungen, die dazu geführt haben. Jedenfalls habe ich meinen Sohn nie in seinem Zimmer eingeschlossen und ihm verboten, Freunde zu treffen. Das war seine Entscheidung und daher ist sein Leben heute auch in seiner Verantwortung!

Ich kann das nur noch akzeptieren und versuchen, ihm nicht noch zusätzlichen Druck zu machen. Daher verbiete ich mir seit Monaten jede weitere Nachfrage nach Bekanntschaften oder einer Freundin. Das ist alles was ich jetzt noch für ihn tun kann. So schwer es mir auch fällt!
Zuletzt geändert von Kolinatan am 08.07.2025, 12:04, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Zitat gekürzt.
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Re: Autonomie im Sinne der Transaktionsanalyse

Beitrag von Kisuli »

Elfriede hat geschrieben: ↑08.07.2025, 11:37 Ja, Abtum ist in gewisser Hinsicht kein frei gewählter Lebensentwurf. Er ist vielmehr das Resultat vieler kleiner Fehlentscheidungen, die dazu geführt haben. Jedenfalls habe ich meinen Sohn nie in seinem Zimmer eingeschlossen und ihm verboten, Freunde zu treffen. Das war seine Entscheidung und daher ist sein Leben heute auch in seiner Verantwortung!
Es ist aber auch oft keine bewusste "Entscheidung", sich nicht mit Freunden zu treffen. Wenn da niemand ist, der einem Interesse entgegenbringt oder einen zur Party einlädt, dann kann man auch nicht hingehen. Ich kann niemanden zwingen, mit mir Zeit verbringen zu wollen. Auch mit dem Hilfesuchen ist es so eine Sache. Nicht jedes Problem ist therapierbar. Ich bin z.B. selbst in der Situation von lange anhaltendem Liebeskummer und daraus folgenden destruktiven Gedanken, drehe mich aber mit meiner Therapeutin seit längerem schon im Kreis und sie hat mir auch selbst schon gesagt, dass manche Dinge einfach akzeptiert werden müssen und nicht änderbar sind.
Insofern - klar, wer direkt aufgibt hat von Anfang an verloren. Aber oft ist man einfach Opfer der Umstände und kann aus eigener Kraft auch nur sehr begrenzt etwas verbessern.
Elfriede

Re: Autonomie im Sinne der Transaktionsanalyse

Beitrag von Elfriede »

Kisuli hat geschrieben: ↑08.07.2025, 13:16 Es ist aber auch oft keine bewusste "Entscheidung", sich nicht mit Freunden zu treffen. Wenn da niemand ist, der einem Interesse entgegenbringt oder einen zur Party einlädt, dann kann man auch nicht hingehen. [...] Aber oft ist man einfach Opfer der Umstände und kann aus eigener Kraft auch nur sehr begrenzt etwas verbessern.
Ja, das verstehe ich natürlich. Ich war selbst als junge Frau eher ein Mauerblümchen. So nannte man das damals. Bei den angesagten Partys wurde ich auch nicht eingeladen. Das änderte sich, als eine Mitschülerin zunächst unfreiwillig neben mich gesetzt wurde und dabei dahinter kam, dass man von mir gut abschreiben konnte. Auch bei den Hausaufgaben half ich ihr und wurde als Gegenleistung dann endlich zu ihren sagenumwobenen Partys eingeladen. Sie war das angesagteste Mädchen unserer Klasse und konnte sich ihre Freunde stets aussuchen. Ihre Eltern waren beide in Vollzeit berufstätig, was damals noch sehr unüblich war. Sie hatte ein großes Zimmer in der Mansarde für sich allein, holte sich ihre Pausenbrötchen frisch beim Bäcker und war auch sonst sehr unabhängig. Das bewunderte ich zutiefst und ließ mich allein deshalb gerne ein bisschen von ihr ausnutzen.

Später dann in der Ausbildung war ich schon etwas selbstbewusster und wurde von alleine aktiver. Ich lud z.B. einige junge Männer und Frauen unserer Berufsschulklasse in den Schrebergarten meiner Eltern ein, besorgte Bacardi und Cola und auch etwas zum rauchen. Als meine Eltern dahinter kamen, kriegte ich riesigen Ärger aber dank dieser von mir ausgerichteten Party war ich beliebt und bekam auch Zugang zu den angesagten Jungs. Die interessierten mich da aber schon nicht mehr, denn ich versierte schon bald den Junior-Chef meiner Firma an, meinen heutigen Mann. Er war damals schon fast 30, wirkte total erwachsen aber irgendwie noch sehr unbeholfen und schüchtern. Das fand ich total süß. Ich wusste ja nicht, dass er noch Jungfrau, also HC-AB war.

Was ich mit dieser Geschichte sagen will ist, man darf nicht immer darauf warten eingeladen zu werden, manchmal muss man auch selbst aktiv werden. Ich war wie gesagt nie besonders attraktiv, war auch damals schon mollig, hatte X-Beine und schiefe Zähne. Aber die ließ ich mir dann im Erwachsenenalter richten und lernte von meiner wie gesagt sehr modebewussten Schulfreundin, mich vorteilhaft zu kleiden. Sie begleitete mich dann auch zum Frisör und beriet mich, wie ich endlich etwas aus meinen sehr feinen und nicht gerade zahlreichen Haaren machen könnte. Die Frisur von damals trage ich heute noch und bin meiner Schulfreundin bis heute sehr dankbar für ihre Tipps.

Man wird nicht im Handumdrehen vom Nerd oder vom Mauerblümchen zum beliebtesten Schüler der Klasse. Aber mit Geduld und etwas Eigeninitiative lässt sich immer etwas machen. Das meinte ich damit, dass in gewisser Hinsicht jeder seines Glückes Schmied ist. Ich weiß, dass das schmerzvoll ist, aber Jammern und in der Opferrolle bleiben hat noch nie etwas gebracht. Das ist leider so.
Zuletzt geändert von Kolinatan am 09.07.2025, 12:40, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Zitat gekürzt.

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