Die Vorgaben, was Mann tun solle, um sein Interesse zu zeigen und zugleich was er zu unterlassen habe, könnten widersprüchlicher kaum sein. Es gibt keinen verlässlichen Faden, welcher durch die Beziehungsanbahnung hindurch führt oder gar zwingend erfolgversprechend wäre. Die Reaktionen auf Deine Geschichte vom Gastwirt sprechen Bände und zeigen wie vielfältig die gleiche Geschichte bewertet werden kann, entsprechend der eigenen Vorstellungen und internalisierten Glaubenssätze.Elfriede hat geschrieben: ↑21.07.2025, 11:56 Ein Gastronom erzählte dann von der Kennenlernphase mit seiner Frau und dass er bei dieser 100 mal abgeblitzt ist, bevor sie sich endlich zu einem Date überreden ließ. Die ortsansässigen Gastronomen sind bei den Damen nämlich eher unbeliebt, wegen der harten Arbeitszeiten und dem geringen Einkommen. Er schickte ihr dann zu jeder neuen Einladung einen Strauß Blumen und das solange, bis sie nachgab. Das ganze muss ihn mehrere 1000 Euros gekostet haben und obendrauf ließ er sich noch für jeden Strauß eine Blume auf seinen Körper tätowieren. Das schließlich brachte dann die Wende.
Ich denke, manchen Männern fehlt hier auch ein bisschen Selbstbewusstsein und Kampfeswillen. Eine Frau will erobert werden. Das scheint heute wieder sehr wichtig zu sein, für die jungen Damen. Emanzipation hin oder her, manche Dinge ändern sich nie. Nur einmal leise anklopfen reicht da nicht. Und eine Ablehnung bedeutet nicht, dass Man(n) zu klein, zu dick, zu dünn oder zu hässlich ist. Vielleicht braucht es für den einen oder anderen einfach ein dickeres Fell.
Aus meiner Sicht sind diese Erzählungen vor allem dann problematisch, wenn versucht wird daraus etwas zu verallgemeinern, was nicht verallgemeinerbar ist. Wir wissen aktuell viel zu wenig über die Interaktion zwischen den beiden Personen, um auch nur einschätzen zu können ob es hier ein wirklichen "Nein" gab und warum sie sich schließlich doch noch darauf eingelassen hat. Für mich ist eine solche Geschichte viel zu individuell, als dass sich daraus sinnvoll eine allgemeingültige Handlungsempfehlung ableiten ließe. Einer etwas andere Konstellation und in der "modernen" Fassung, hätte der Gastwirt nach dem 3. Blumenstrauß eine gerichtliche Unterlassungsverfügung am Hals. Auch wenn diese Schilderung ebenso unrealistisch ist, wie eine Beziehung nach 100 Körben, ist sie in der heutigen Gesellschaft ebenso "glaubhaft" wie die andere Version, welche auf Romantik und Eroberung getrimmt ist.
Ich nehme an, dass Dich solche romantischen Eroberungsgeschichten besonders ansprechen, weil in Eurer Beziehung Du diesen Part übernommen hast und Du dieses um Dich werben so nicht bekommen hast? Es ist schon etwas sehr besonderes bei einer anderen Person so sehr im Fokus ihrer Aufmerksamkeit zu stehen und sich dadurch wichtig und begehrt zu fühlen.
Gerade weil die Vorstellungen über das, was in Rahmen der Beziehungsanbahnung passieren solle und was nicht, so verschieden sind, weiß eben niemand mit wem Es es gerade zu tun hat. Das Problem ist die notwendige Grenzüberschreitung, welche mit einem "dranbleiben" verbunden ist, wenn ablehnend reagiert wird. Aus meiner Sicht ist es eine Gratwanderung, wenn einzelne Annäherungsversuche zurückgewiesen werden, diese nur auf den Moment zu beziehen, dass es zu schnell und etwas unpassend war, aber nicht automatisch meint, dass der Kontakt komplett unerwünscht ist. Diese Signale immer richtig einzuordnen ist herausfordernd und kaum möglich.
Ich halte es für schwierig, sich sowohl ein "dickeres Fell" zuzulegen und zugleich für die feinen Signale empfänglich zu bleiben sowie emotional verfügbar - eine der "modernen" Anforderungen an den Mann. Offenheit und Verbindung braucht Sicherheit, welche durch Ablehnung oder Zurückweisung, wenn diese nicht auf eine verbindende Weise vermittelt wird, eher verhindert werden.
In einigen Erzählungen von Mitgliedern, nachdem sie wiederholt über ihre Situation geschrieben habe, lässt sich aus meiner Sicht recht deutlich erkennen, vor welcher Hürde sie stehen. Was sehr viel schwieriger herauszubekommen ist, was nötig ist, damit sie diese Hürde überwinden können.
Meine größte Hürde war, die Bereitschaft ins Risiko zu gehen, mich zu zeigen und mein Interesse deutlich zu machen. Stattdessen habe ich Kontakt vermieden und nur sehr zurückhaltend Interesse gezeigt, wenn zum Teil auch sehr klar und direkt. Dabei aber eher verbal, vor allem weil ich nicht mit Wegen und Möglichkeiten zu nonverbalen Interaktion vertraut war. Für mich wäre es z.B. eine Grenzüberschreitung gewesen, bei einem Spaziergang zu versuchen Körperkontakt herzustellen. Ich weiß, dass es zu meiner ersten Beziehung nicht gekommen wäre, wenn ich nicht, als wir begannen uns außerhalb von Tanzveranstaltungen zu treffen, bei diesen Treffen auch immer wieder versucht hätte mit ihr Körperkontakt herzustellen. Bevor ich mich intensiver mit dem Thema beschäftigt habe, war es mir nicht klar, wie wichtig diese physische Kontakt ist, um eine emotionale und sexuelle Verbindung herzustellen bzw. zu vertiefen.
Ja, ich kann ausdauernd und hartnäckig sein. Das hat mir allerdings nichts genutzt, solange ich nicht für mich Wege gefunden habe, meine Vorstellungen darüber zu ändern, was ich als eine zulässige Handlung bewerte und dass ich auch der anderen Person die Verantwortung für Grenzsetzungen gebe und damit meine Haltung verändert habe, wo ich mich in der Verantwortung wähnte, dass ich einen Grenzkonflikt um jeden Preis vermeiden müsste. Dies war mein dysfunktionaler Glaubenssatz, denn es für mich zu erkennen galt und in so zu verändern, dass er meinen Handlungsrahmen erweitert statt diesen einzuschränken.