Hilfreich vs. Belehrend

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selina
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Re: Hilfreich vs. Belehrend

Beitrag von selina »

Levyn hat geschrieben: ↑22.08.2025, 14:58 Es kann auch sein, dass die betreffende Person gar keine Hilfe will, sondern lediglich seine Grundhaltung bestätigt sehen will. Dieses wird dann in den Schleier positiv empfundene Hilfe gepackt, denn das wahrt einen Hauch von Legitimität. Alle Aussagen, die diese Grundhaltung hinterfragt oder angreifen könnte, wird dann als "Belehrung" charakterisiert. Man muss sich nicht mit dem Inhalt auseinandersetzen, weil man ihn schon als "von Oben herab" bewertet hat.
So kann man sich halt optimal schützen. Auf der einen Seite heuchelt man offen gegenüber "Hilfe" zu sein, aber auf der anderen Seite entscheidet man selbst was "Hilfe" ist und was "Belehrung". Wenns einem nicht gefällt, was der andere sagt, dann ist es halt "Belehrung". Bei Aussagen, die einen selbst bestätigen ist es wiederum "Hilfe". Da muss man gar nicht über den Tellerrand gucken, sondern kann einfach so weitermachen wie bisher.
Das Lob gibt es dann für die Bestätigung der eigenen Vorstellungen, die natürlich irgendwo "angegriffen" werden, aber der Kern bleibt bestehen.
Und ich glaube diese 'Pissigkeit' wenn man Hilfe ablehnt (auch wenn man darum gebeten hat) führt oft dazu das einige gar nicht mehr um Rat und Hilfe bitten.

Jemand der z.B. knapp bei Kasse ist bittet mich um Hilfe. Ich biete ihm meine Hilfe an in Form das ich ihm einen Ausgabenplan erstelle. Dieses Hilfsangebot lehnt er ab weil ihm vllt. gerade 50€ Cash viel hilfreicher erscheinen. Jetzt könnte ich pissig werden und ihm vorwerfen das er ja keine Hilfe haben will und er meine Zeit damit verschwendet hat. Stattdessen kann ich auch denken dann halt nicht. Wenn ich soetwas aber nicht so gut händeln kann, sage ich bereits im Vorfeld das ich nicht helfen kann oder möchte.

Noch ein weiteres Beispiel. Ich frage z. B. einen Kollegen ob er mir hilft einige Kisten mit Papieren zu entsorgen.
Er rät mir zu einem bestimmten Ordnungssystem und erklärt es mir in aller Ausführlichkeit damit ich nicht mehr soviel Papierkram anhäufe.
Das mag dann in der Zukunft sicher hilfreich sein. In meiner jetzigen Situation ist es aber eben überhaupt nicht hilfreich.
Da möchte ich nur die Kisten wegschaffen, brauche eine helfende Hand und habe keinen Nerv für Vorträge über Ordungssysteme.
Zuletzt geändert von selina am 23.08.2025, 09:38, insgesamt 1-mal geändert.
Glück ist für mich, wenn mir niemand auf den Sack geht.
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Tania
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Re: Hilfreich vs. Belehrend

Beitrag von Tania »

Zuya Hiyaye hat geschrieben: ↑23.08.2025, 07:19 Wieso muss man überhaupt an wessen Komfortzone auch immer kratzen,
Meist schreiben Fragenstellende nicht dazu, wo genau ihre Komfortzone beginnt. Man hat dann die Wahl, entweder gar keinen Rat anzubieten, oder nach bestem Wissen zu schreiben, was man denkt, und zu hoffen, dass die Person sich daraus das aussucht, was am besten passt. Dass man beim zweiten Ansatz ab und zu an der Komfortzone kratzt, ist wohl unvermeidlich. Kann aber auch hilfreich sein - ich erinnere mich da an eine junge Frau, die zuerst recht angefressen auf meine Worte reagiert hat, paar Monate später dann aber geschrieben hat, dass ausgerechnet meine Hinweise genau das waren, was sie gebraucht hatte. Wusste ich natürlich vorher nicht - aber das ist ja das Konzept eines Forums. Wo ein individueller Berater die gesamte Lebenssituation analysieren und gezielt eine punktgenaue Lösung anbieten kann, bekommt man in einem Forum viele verschiedene nicht so präzise Ansätze vorgeschlagen, von denen man sich das Passende raussuchen kann/muss. Quasi der Vergleich zwischen einem Schuss aus dem Präzisionsgewehr und einer Salve Streumunition. Hat beides Vor- und Nachteile - aber die Fragenden haben ja die Wahl, was sie nutzen wollen. Ist eben nur schwierig, wenn jemand in einem kostenlosen Laienforum eine Frage stellt und einen Präzisionsschuss eines gut ausgebildeten Scharfschützen erwartet. Oder wenn die Schützen der Streumunitionskugeln beleidigt sind, wenn ihr Schuss nicht ins Schwarze trifft.
Zuya Hiyaye hat geschrieben: ↑23.08.2025, 07:19 ... während doch eigentlich alle eine eigene haben an der sie kratzen könnten.
Korrekt. Nur hilft es niemandem, wenn ich als Antwort auf eine Frage über meine eigenen Komfortzonengrenzen erzähle..Es sei denn, diese sind zufällig deckungsgleich mit denen der/des Fragenden.
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Re: Hilfreich vs. Belehrend

Beitrag von Zuya Hiyaye »

selina hat geschrieben: ↑23.08.2025, 09:11 Noch ein weiteres Beispiel. Ich frage z. B. einen Kollegen ob er mir hilft einige Kisten mit Papieren zu entsorgen.
Er rät mir zu einem bestimmten Ordnungssystem und erklärt es mir in aller Ausführlichkeit damit ich nicht mehr soviel Papierkram anhäufe.
Das mag dann in der Zukunft sicher hilfreich sein. In meiner jetzigen Situation ist es aber eben überhaupt nicht hilfreich.
Da möchte ich nur die Kisten wegschaffen, brauche eine helfende Hand und habe keinen Nerv für Vorträge über Ordungssysteme.
Danke Selina,

Sehr schönes Beispiel für den Unterschied zwischen Hilfe und Besserwisserei.
Selbst wenn eine Vorlesung über Ordnungssysteme möglicherweise helfen würde, ist die direkte konkrete Hilfe deswegen besser, weil sie keine Hierarchie beinhaltet.

Im Kontext der AB-Foren sehen die Ratschläge aber eher so aus:
" - Ich weis besser als du, was dein Problem ist und was dir helfen würde.
- Ich unterstelle dir eine falsche Wahrnehmung, Motivation, Meinung und meine ist die richtige.
- Ich lehre dich meine Weisheiten."

Diese Art von "Hilfe" lehne ich deshalb ab, weil ich davon ausgehe -und das ist zugegebenermaßen mein Vorurteil- dass der betreffende MAB/ABine alles in ihrer Macht getan hat, um auf dem üblichen Weg einen Partner/Partnerin zu finden und diese Versuche gar nicht oder nur selten von Erfolg gekrönt waren.

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass jemand 30 Jahre lang nur auf der Couch gesessen und gewartet hat, dass ein Partner vom Himmel fällt und sich dann hier anmeldet und uns um Rat fragt, wie der die Haustüre aufkriegen soll, um einen Partner/Partnerin zu finden.
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Re: Hilfreich vs. Belehrend

Beitrag von FrankBN »

Zuya Hiyaye hat geschrieben: ↑23.08.2025, 11:53 Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass jemand 30 Jahre lang nur auf der Couch gesessen und gewartet hat, dass ein Partner vom Himmel fällt und sich dann hier anmeldet und uns um Rat fragt, wie der die Haustüre aufkriegen soll, um einen Partner/Partnerin zu finden.
30 Jahre nicht, aber 12-13 Jahre schon. Ich hab bis 29 NICHTS gemacht um eine Freundin zu finden, obwohl ich natuerlich gerne eine gehabt haette. Bis sie dann quasi vom Himmel fiel, äh aus der Höhle kletterte :lol:
Gut, das war vor der Internet-Zeit, da gabs diese Möglichkeit noch nicht.
Zuletzt geändert von FrankBN am 24.08.2025, 06:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Hilfreich vs. Belehrend

Beitrag von Zuya Hiyaye »

Tania hat geschrieben: ↑23.08.2025, 10:58 [...]dass die Person sich daraus das aussucht, was am besten passt. [...]
Dann wäre es ja wieder Hilfe. Das bemängel ich ja nicht.
Die Komfortzone an die der Belehrende kratzt ist oft die Selbstbestimmung und das Selbsturteil des Gegenüber.
FrankBN hat geschrieben: ↑24.08.2025, 06:13 30 Jahre nicht, aber 12-13 Jahre schon. Ich hab bis 29 NICHTS gemacht um eine Freundin zu finden, obwohl ich natuerlich gerne eine gehabt haette. Bis sie dann quasi vom Himmel fiel, äh aus der Höhle kletterte :lol:
Gut, das war vor der Internet-Zeit, da gabs diese Möglichkeit noch nicht.
Das ist ein schönes Beispiel und lehrt uns, dass man nicht allein ist, stets offen sein soll und die Hoffnung nicht leichtfertig aufgibt.
Dazu muss man aber nicht den Zeigefinger heben und Ex cathedra sprechen.

Ich halte dennoch fest, dass der größte Teil hier schon ein großes Maß an Selbstkompetenz mitbringt und deren Scheitern nicht mit einfachen Antworten zu erklären ist.
Zuletzt geändert von Zuya Hiyaye am 24.08.2025, 10:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Hilfreich vs. Belehrend

Beitrag von RomNey »

FrankBN hat geschrieben: ↑24.08.2025, 06:13 [...] Ich hab bis 29 NICHTS gemacht um eine Freundin zu finden, [...]
Da kann ich noch drüber, bei mir hat es erst mit 37 so richtig geklappt!
Zuletzt geändert von Kolinatan am 24.08.2025, 12:03, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Vollzitat gekürzt.
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Re: Hilfreich vs. Belehrend

Beitrag von Deja-vu »

Die beste Form der Hilfe ist oftmals empathisches Zuhören. Das geht nur in einem Forum schlecht, weil das auf verbalem Austausch beruht. Ansonsten kann man nur Ratschläge geben, auch wenn man sich da velleicht wiederholt, und versuchen, andere Perspektiven aufzuzeigen. Ich selbst wäre ungefähr die letzte Person, um jemanden zu belehren. Schließlich kämpfe ich selbst mit allerlei Unzulänglichkeiten. Die Ideen , welche ich so äußere, sind auch nur theoretisch und entsprechen dem, was ich selber versuchen würde (oder vorhabe zu versuchen).
FrankBN hat geschrieben: ↑24.08.2025, 06:13
Zuya Hiyaye hat geschrieben: ↑23.08.2025, 11:53 Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass jemand 30 Jahre lang nur auf der Couch gesessen und gewartet hat, [...]
[...] Ich hab bis 29 NICHTS gemacht um eine Freundin zu finden, [...]
Ich habe auch nichts unternommen, bis heute. Gründe waren verschieden. Zu viel Angst vor Nähe, und später zu viele andere Probleme, die Vorrang hatten. Rückzug vor Menschen im Allgemeinen. Dazu die jahrelange Illusion, ich bräuchte derlei nicht. Vielleicht ein bisschen spät, jetzt mit 39 zu merken, dass es vielleicht doch ganz nett wäre, wenigstens mal eine liebevolle Beziehung zu erleben... :gruebel:
Immerhin, die Haustüre bekomme ich schon mal auf ;) Aber so Sachen wie (Online-) Dating wirken dann doch sehr abschreckend, wie überhaupt, das Ganze als Markt zu betrachten. Da komme ich mir direkt vor wie ein abgelaufener Joghurt.
Zuletzt geändert von Kolinatan am 24.08.2025, 14:00, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Vollzitat gekürzt.
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Re: Hilfreich vs. Belehrend

Beitrag von Tania »

Zuya Hiyaye hat geschrieben: ↑24.08.2025, 10:27
Tania hat geschrieben: ↑23.08.2025, 10:58 [...]dass die Person sich daraus das aussucht, was am besten passt. [...]
Dann wäre es ja wieder Hilfe. Das bemängel ich ja nicht.
Aber läge der Unterschied zwischen Hilfe und Belehrung dann nicht darin, wie der/die Fragende mit den erhaltenen Hinweisen umgeht? Also wenn er/sie sagt "nee, das was A gesagt hat, passt für mich nicht, aber was B gesagt hat, kann ich mal probieren" ist es Hilfe, aber wenn er/sie sagt "A und B sagen mir jetzt unterschiedliche Dinge und ich muss die beide umsetzen" ist es Belehrung?

Sorry, ich verstehe den feinen Unterschied irgendwie nicht. Grob ist es mir schon klar - meine Oma war Meisterin des erhobenen Zeigefingers und der "Kind, Du musst ..." Reden. Und sogar von diesen Reden habe ich einige als durchaus hilfreich empfunden. Lag natürlich auch daran, dass ich sicher war, dass Oma mich mag und mir helfen will.

Vielleicht ist der Unterschied ja auch faktisch gar nicht so groß und es kommt mehr auf die Beziehung zwischen den Beteiligten an? Also wer überzeugt ist, dass die helfende Person ihm wohlgesonnen ist und mit der Absicht handelt, helfen zu wollen, wird eher ein Hilfsangebot sehen - und wer überzeugt ist, dass sich die andere Person z.B. als überlegen betrachtet, mit egoistischen Absichten handelt und im Wesentlichen nur "hilft", um die eigene Überlegenheit zu bestätigen und dem Gegenüber seine Unwissenheit/Unzulänglichkeit aufzuzeigen, wird in demselben Text eine Belehrung sehen?
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Re: Hilfreich vs. Belehrend

Beitrag von Egil »

Zuya Hiyaye hat geschrieben: ↑23.08.2025, 11:53 Im Kontext der AB-Foren sehen die Ratschläge aber eher so aus:
" - Ich weis besser als du, was dein Problem ist und was dir helfen würde.
- Ich unterstelle dir eine falsche Wahrnehmung, Motivation, Meinung und meine ist die richtige.
- Ich lehre dich meine Weisheiten."
Das habe ich mir gegenüber nie so empfunden, und habe das auch aus verfolgten Diskussionen selten so heraus gelesen. Nehmen wir doch Mal den klassischen Fall: jemand meldet sich hier an und erstellt einen Thread - "hallo Leute, ich habe da folgendes Problem...". Dann haben die anderen jetzt eine halbe Seite Text als Information, aber wie viele Infos haben sie eben nicht? Natürlich kommen dann erst einmal Standardratschläge, und im Laufe der Diskussion kommen dann vielleicht erst Informationen ans Licht, die für die Bewertung wichtig wären. Es ist doch klar, dass da nicht jeder Schuss sitzen kann, und vielleicht schildert man da auch zu viel, was einem selbst geholfen hat, weil man da eben von ausgeht, dass das doch verdammt noch mal auch anderen helfen müsste.
Gerade wenn man mit sehr wenig sozialen Kontakten (insbesondere zum anderen Geschlecht) gelebt hat, weiß man häufig tatsächlich nicht, wo anfangen, und reagiert dann auch mal ablehnend.
Diese Art von "Hilfe" lehne ich deshalb ab, weil ich davon ausgehe -und das ist zugegebenermaßen mein Vorurteil- dass der betreffende MAB/ABine alles in ihrer Macht getan hat, um auf dem üblichen Weg einen Partner/Partnerin zu finden und diese Versuche gar nicht oder nur selten von Erfolg gekrönt waren.

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass jemand 30 Jahre lang nur auf der Couch gesessen und gewartet hat, dass ein Partner vom Himmel fällt und sich dann hier anmeldet und uns um Rat fragt, wie der die Haustüre aufkriegen soll, um einen Partner/Partnerin zu finden.
Direkt tatenlos gewartet nicht, aber ich habe schon wirklich verdammt lange ergebnislos an der Tür herum gefummelt, bis mir mal jemand gesagt hat, ich sollte es doch mal mit dem Schlüssel probieren. ;)
Every Dudu needs a Bubu :amor:

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