aktuell hat mich ein fieser Parasit niedergestreckt und ich liege flach. Ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass ein gewisser Jemand ihn aus der Schule eingeschleppt hat (ohne hier jemanden beschuldigen zu wollen
Nächstes Jahr wollen meine Freundin und ich heiraten und uns das klassische Versprechen geben, in „Gesundheit und Krankheit“ füreinander da zu sein. Damit sind zwar meistens die großen Lebenskrisen gemeint, die man hoffentlich nicht so schnell erlebt – aber im kleinen Maßstab haben wir das in den vergangenen 12 Monaten schon ziemlich intensiv durchgespielt.
Wenn man jahrzehntelang als Single gelebt hat, kennt man Krankheit nur als Soloprojekt. Man leidet allein vor sich hin, organisiert sich seine Sachen selbst und muss da irgendwie durch. Als spätzündender Einsteiger verändert sich diese Realität plötzlich komplett, und man stolpert in Situationen, die für andere völlig normal klingen, für einen selbst aber Neuland sind.
Hier mal ein paar Beispiele:
Angefangen hat das bei uns mit ihrem ersten weiblichen Zyklus, der sie richtig von den Socken gehauen hat. Ich konnte im Grunde nicht viel mehr tun, als ihr eine Wärmflasche zu machen. Aber dass sie in dem Moment so rührend anhänglich war und unbedingt wollte, dass ich einfach bei ihr bleibe, war das erste Mal, dass ich diese Form von gegenseitigem Vertrauen überhaupt miterlebt habe.
Im Januar hat es mich dann erwischt. Nach einem ganzen Tag Schneeschieben hatte ich dermaßen Rückenschmerzen wie noch nie in meinem Leben. Dass man in so einem Moment Ibuprofen nimmt, habe ich tatsächlich erst durch sie gelernt – sowas hatte ich früher als Single schlicht nie im Haus.
In der Phase unseres sukzessiven Zusammenzugs schrieb sie mir an einem Mittwochnachmittag plötzlich per WhatsApp, dass ihr extrem schlecht sei und ihr der Kopf zerspringe. Ich war 130 km entfernt. Wäre ich vor Ort gewesen, wäre ich wohl direkt in die Notaufnahme gefahren. So saß ich da und fühlte mich einfach nur hilflos. Zum Glück waren ihre Eltern in der Nähe. Aber das war das allererste Mal in meinem Leben, dass ich mir wirklich ernsthafte Sorgen um einen Menschen gemacht habe, mit dem ich nicht verwandt bin. Ein komisches, völlig neues Gefühl.
Kurz vor einem Ausflug nach Hamburg gab es eine ähnliche Situation – nur dass sie da bei mir war und ich direkt handeln konnte (was übrigens auch einer der Gründe war, warum ich inzwischen über einen Arbeitgeberwechsel nachdenke, um im Alltag einfach flexibler und näher dran zu sein).
Weiter ging es an einem Sonntagnachmittag, als sie sich beim Eis holen am Mülleimer ihrer Eltern den Zeh gebrochen hat – wie man das schafft, ist mir bis heute ein Rätsel.
Worauf ich hinauswill: Als jahrelanger Single hatte ich früher manchmal die unbewusste Befürchtung, dass eine Beziehung im Krankheitsfall verdammt anstrengend sein könnte oder man gar nicht weiß, wie man reagieren soll. Die Realität ist aber: Man tut in diesen Situationen völlig automatisch das Mögliche, um es dem anderen so erträglich wie möglich zu machen. Wir haben uns das vorher nie abgesprochen, wir haben kein Handbuch gelesen – man macht es einfach.
Zumindest ist das bei uns so, ich kenne aber auch Paare bei denen das Anders läuft, selbst bei solch simplen Dingen wie Erkältungen weil man Angst hat sich anzustecken, sich die Zeit nicht nehmen will oder sonst welche Gründe. Ich will jetzt auch nicht wieder eine Wertung über mich, meine Partnerin oder über meine Beziehung hören, darum gehts hier nämlich nicht.
Mir geht es um folgendes im kleinen und im Großen:
Hattet ihr früher (oder habt ihr aktuell) eigentlich auch manchmal Bedenken, wie man mit solchen Pflege- oder Sorgesituationen umgeht, wenn man es nie gelernt hat?
Wie weit würdet ihr gehen um euch für einen Partner aufzuopfern? Gibt es da für euch persönlich Grenzen? Wärt ihr Bereit Verantwortung für einen anderen Menschen zu tragen? Wieviel Autonomie ist man ggfs. Bereit aufzugeben? Wärt ihr Emotional in der in der Lage euch helfen zu lassen oder würde das denken, dass man sich immer um sich selbst gekümmert hat euch doch beeinflussen?