Reni hat geschrieben:Aber nicht am Anfang schon die Notlösung nehmen und dann hoffen, dass man sich aneinander gewöhnt.
Da geht es schon mit der sprachlichen Abwertung los. "Notlösung". Der Mann (oder Frau), in den man sich sofort verguckt, aber charakterlich so gar nicht kompatibel ist, aber das erst ein halbes Jahr später richtig spürt, ist der Wunschpartner. Und derjenige, mit dem man sich gut versteht und immer mehr das Gefühl hat, wie gut man zueinander harmoniert, aber man körperlich am Anfang nur lauwarm ist, ist nur die Notlösung. Klar, wenn man sich diese zweite Option selbst schon so schlecht redet, hält sich die eigene Begeisterung in Grenzen.
Außerdem, es läuft doch bei vielen genau umgekehrt statt, sie finden sich, weil sie sich hauptsächlich körperlich scharf finden und probieren es aus
in der Hoffnung, man werde sich im Alltag aneinander gewöhnen und dann auch noch in zwei Jahren zusammen sein. Das Beispiel Loki und Helmut Schmidt ist ja eines, wo beide vorher wussten, was sie aneinander hatten, weil sie sich schon im Alter von 10 Jahren kannten. Da ist es sogar echt schwierig, die ganze Zeit etwas vorzumachen und sich völlig anders zu geben, als man ist.
Meine Tanzpartnerin hatte mir erzählt, wie es damals bei dem Vater ihrer Kinder ablief. Sie war damals 30 und er 40 und sie fühlte die biologische Uhr ticken, weil sie doch Kinder haben wollte. Sie meinte, man habe damals keine Zeit gehabt, sich ausführlicher kennenzulernen (oder die Zeit nicht genommen). Es ging dann alles recht schnell, zusammenziehen, heiraten, zwei Kinder bekommen, eigenes Haus gebaut. Es gab keine wirkliche Möglichkeit, die Handbremse zu ziehen, wenn das mit den Kindern was werden sollte. Erst später merkte sie, wie inkompatibel sie für das gemeinsame Leben waren. Er hatte nebenbei offene Liebschaften, brachte aber das Geld nach Hause. Dann wurde er als Architekt arbeitslos, wollte sich selbständig machen, war aber recht erfolglos, aber für die Familie hatte er noch weniger Zeit. Danach Trennung, aber kein Kinderunterhalt gezahlt, sie war alleinerziehend. Sie meinte, wäre sie jünger gewesen, hätte sie sich mehr Zeit beim Kennenlernen gelassen. Sie meinte, sie hatte eigentlich jemanden gehabt, mit dem sie gut zusammenpasste, aber er wollte keine Kinder. Sie hat das immer bedauert, aber das mit den Kindern war ihr sehr wichtig. Es ist selbst für Normalos nicht leicht, den passenden Partner zu finden.