Loki und Helmut Schmidt, ein vergessenes Beziehungsideal!?

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Finchen

Re: Loki und Helmut Schmidt, ein vergessenes Beziehungsideal

Beitrag von Finchen »

ogor hat geschrieben:Ich sehe den Kernpunkt in der Frage:

Will ich eine Beziehung mit einem Menschen eingehen, der mich nicht (genug) sexuell anzieht?
Und ich sehe den Kernpunkt in der Frage: Wie um alles in der Welt kommst Du darauf, dass es um eine Beziehung ohne (genügende) sexuelle Anziehung geht. Ich habe keine Ahnung, wie das bei den SChmidts war. Als die beiden Ihre Beziehung begonnen haben, war ich noch nicht mal auf der Welt, ich kann nicht wissen, wie sehr die einander sexuell anziehend fanden.

Über sexuelle Anziehung und deren Fehlen rede ich doch überhaupt nicht. Kein bisschen. Das tust nur Du, weiß der Geier, wo Du das bei mir rein- oder rausinterpretierst. Aber *ich* habe darüber so wenig geredet wie über lila Gänseblümchen. (Und nein, ich will jetzt *nicht* über lila Gänseblümchen reden. ;) ) Das Eingehen einer Beziehung mit einem Menschen, den ich nicht sexuell attraktiv finde, steht doch gar nicht zur Debatte. Und ich wüsste wirklich gern, wie man auf sowas kommt.
ogor

Re: Loki und Helmut Schmidt, ein vergessenes Beziehungsideal

Beitrag von ogor »

Finchen hat geschrieben:
ogor hat geschrieben:Ich sehe den Kernpunkt in der Frage:

Will ich eine Beziehung mit einem Menschen eingehen, der mich nicht (genug) sexuell anzieht?
Und ich sehe den Kernpunkt in der Frage: Wie um alles in der Welt kommst Du darauf, dass es um eine Beziehung ohne (genügende) sexuelle Anziehung geht. Ich habe keine Ahnung, wie das bei den SChmidts war. Als die beiden Ihre Beziehung begonnen haben, war ich noch nicht mal auf der Welt, ich kann nicht wissen, wie sehr die einander sexuell anziehend fanden.

Über sexuelle Anziehung und deren Fehlen rede ich doch überhaupt nicht. Kein bisschen. Das tust nur Du, weiß der Geier, wo Du das bei mir rein- oder rausinterpretierst. Aber *ich* habe darüber so wenig geredet wie über lila Gänseblümchen. (Und nein, ich will jetzt *nicht* über lila Gänseblümchen reden. ;) ) Das Eingehen einer Beziehung mit einem Menschen, den ich nicht sexuell attraktiv finde, steht doch gar nicht zur Debatte. Und ich wüsste wirklich gern, wie man auf sowas kommt.
Wenn du hier eine sexuelle Anziehung als Basis annimmst, dann ist dieser ganzer Thread überflüssig.

Wenn die Zwei sich sexuell begehrt haben und deshalb eine Beziehung eingegangen sind, dann haben sie nichts anders gemacht als 99% aller anderen Paare auch. ;)

Ich denke deshalb auch aus dem Kontext, dass es um eine Beziehung ohne (anfängliches) sexuelles Interesse geht.
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Re: Loki und Helmut Schmidt, ein vergessenes Beziehungsideal

Beitrag von BartS »

Reni hat geschrieben:Aber nicht am Anfang schon die Notlösung nehmen und dann hoffen, dass man sich aneinander gewöhnt.
Da geht es schon mit der sprachlichen Abwertung los. "Notlösung". Der Mann (oder Frau), in den man sich sofort verguckt, aber charakterlich so gar nicht kompatibel ist, aber das erst ein halbes Jahr später richtig spürt, ist der Wunschpartner. Und derjenige, mit dem man sich gut versteht und immer mehr das Gefühl hat, wie gut man zueinander harmoniert, aber man körperlich am Anfang nur lauwarm ist, ist nur die Notlösung. Klar, wenn man sich diese zweite Option selbst schon so schlecht redet, hält sich die eigene Begeisterung in Grenzen.

Außerdem, es läuft doch bei vielen genau umgekehrt statt, sie finden sich, weil sie sich hauptsächlich körperlich scharf finden und probieren es aus in der Hoffnung, man werde sich im Alltag aneinander gewöhnen und dann auch noch in zwei Jahren zusammen sein. Das Beispiel Loki und Helmut Schmidt ist ja eines, wo beide vorher wussten, was sie aneinander hatten, weil sie sich schon im Alter von 10 Jahren kannten. Da ist es sogar echt schwierig, die ganze Zeit etwas vorzumachen und sich völlig anders zu geben, als man ist.

Meine Tanzpartnerin hatte mir erzählt, wie es damals bei dem Vater ihrer Kinder ablief. Sie war damals 30 und er 40 und sie fühlte die biologische Uhr ticken, weil sie doch Kinder haben wollte. Sie meinte, man habe damals keine Zeit gehabt, sich ausführlicher kennenzulernen (oder die Zeit nicht genommen). Es ging dann alles recht schnell, zusammenziehen, heiraten, zwei Kinder bekommen, eigenes Haus gebaut. Es gab keine wirkliche Möglichkeit, die Handbremse zu ziehen, wenn das mit den Kindern was werden sollte. Erst später merkte sie, wie inkompatibel sie für das gemeinsame Leben waren. Er hatte nebenbei offene Liebschaften, brachte aber das Geld nach Hause. Dann wurde er als Architekt arbeitslos, wollte sich selbständig machen, war aber recht erfolglos, aber für die Familie hatte er noch weniger Zeit. Danach Trennung, aber kein Kinderunterhalt gezahlt, sie war alleinerziehend. Sie meinte, wäre sie jünger gewesen, hätte sie sich mehr Zeit beim Kennenlernen gelassen. Sie meinte, sie hatte eigentlich jemanden gehabt, mit dem sie gut zusammenpasste, aber er wollte keine Kinder. Sie hat das immer bedauert, aber das mit den Kindern war ihr sehr wichtig. Es ist selbst für Normalos nicht leicht, den passenden Partner zu finden.
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Re: Loki und Helmut Schmidt, ein vergessenes Beziehungsideal

Beitrag von BartS »

ogor hat geschrieben:Bei der Vorstellung mit jemanden zu schlafen, den ich sexuell gar nicht begehre, muss ich unweigerlich an Prostitution denken. Ich schlafe mit jemanden, nicht weil ich ihn sexuell begehre, sondern weil ...
Ist sexuelles Begehren denn eine konstante Größe in einer Paarbeziehung? Ich habe keine Beziehungserfahrung, aber was ich vom Umfeld herausgehört habe, ist das alles andere als auf einem Niveau. Es gibt sogar funktionierende Beziehungen mit wenig oder gar keinem Sex. Die Frage ist doch, was beide wollen und wie sie sich arrangieren.
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Re: Loki und Helmut Schmidt, ein vergessenes Beziehungsideal

Beitrag von BartS »

Swenja hat geschrieben: nachtrag - wenn ich es richtig in Erinnerung habe, hat er, wegen seiner kanzlerkandidatur, die außereheliche Beziehung beendet. genauso gut kann es sein, wenn hier schon wild spekuliert wird, beteilige ich mich mal, daß er sich wegen seines amtes dann nicht scheiden ließ....
zu seiner zeit waren ja wohl Scheidungen eher ein karrierekiller als zweit-/nebenbei-Frauen.
Nachdem er nicht mehr Kanzler war, war er bis zu ihrem Tode noch 28 Jahre verheiratet. Andere wie Brandt oder Schröder ließen sich nach ihrer Kanzlerschaft scheiden. Ich glaube, dass dürfte Deine Spekulationen genügend beantworten.

P.S.: Ich gönne Dir Dein Glück, wirklich. Schön wenn es 30 Monate so gut gehalten hat. Was die "Opferbereitschaft" innerhalb einer Beziehung angeht, kann ich nur sagen, warte was Dich da noch alles in den kommenden Jahren erwarten wird. Vielleicht wird es da auch Momente geben, wo Du Dich an Deinen Grenzen angekommen fühlst.
Zuletzt geändert von BartS am 13 Nov 2015 12:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Loki und Helmut Schmidt, ein vergessenes Beziehungsideal

Beitrag von BartS »

Polyeder hat geschrieben:
BartS hat geschrieben:
Polyeder hat geschrieben: Dann kann ich in der Tat aufhören zu suchen, eine beste Freundin habe ich nämlich schon.
Hallo Polyeder, führt ihr auch ein gemeinsames Leben?
Nein, aber ein gemeinsames Leben mit jemandem zu führen, fehlt mir kaum, jedenfalls nicht so sehr wie andere Dinge.
Naja, dann wäre doch generell die Frage, ob eine klassische Paarbeziehung überhaupt etwas erstrebenswertes für Dich wäre.
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Re: Loki und Helmut Schmidt, ein vergessenes Beziehungsideal

Beitrag von ogor »

BartS hat geschrieben:Ist sexuelles Begehren denn eine konstante Größe in einer Paarbeziehung?
Nein, das sicherlich nicht. Bei den meisten Paaren lässt es im Laufe der Zeit mehr oder weniger nach.

Für mich ist jedoch sexuelles Begehren eine Grundvoraussetzung, um mit einem Menschen Sex zu haben.

Ohne sexuelles Begehren fehlt mir somit auch jeglicher Anreiz, mit einem Menschen eine Beziehung zu beginnen. Wieso sollte ich das tun?
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Re: Loki und Helmut Schmidt, ein vergessenes Beziehungsideal

Beitrag von BartS »

ogor hat geschrieben:Wenn du hier eine sexuelle Anziehung als Basis annimmst, dann ist dieser ganzer Thread überflüssig.
Ich würde sagen, eine Diskussion wäre dann überflüssig, wenn man glaubt, dass die sexuelle Anziehung die alleinige Basis eine Beziehung ist. ;) Ich sags mal so, ich bin ein Mann, und kann mir deshalb vorstellen mit einer Frau eine "Nummer zu schieben" in die ich nicht verliebt bin, aber vielleicht süß finde oder scharf (nach dem Mittagessen lande ich gerade bei diesen Geschmacksbezeichnungen ;)). Es soll auch Frauen geben, bei denen das auch so ist. Und so gibt es auch Frauen, mit der ich mir keinen Sex vorstellen könnte.

Umgedreht, wenn ich in jemanden verliebt bin oder wirklich liebe, dann wird die Vorstellung mit ihr Sex zu haben, mit Sicherheit nicht unangenehm sein. :) Die seelische Verbundenheit mit einer Frau wird meine sexuelle Lust zu ihr nicht schmälern sondern eher vergrößern.
ogor hat geschrieben:Wenn die Zwei sich sexuell begehrt haben und deshalb eine Beziehung eingegangen sind, dann haben sie nichts anders gemacht als 99% aller anderen Paare auch. ;)
Und genau da hätte ich meine Zweifel, ob das wirklich so ist und schon immer so war, oder ob nicht viele Paare sich über das normale Kennenlernen irgendwann ein sexuelles Begehren entwickelt haben.
ogor hat geschrieben:Ich denke deshalb auch aus dem Kontext, dass es um eine Beziehung ohne (anfängliches) sexuelles Interesse geht.
Welches sexuelles Interesse untereinander haben denn Menschen, die sich mit 10 Jahren kennengelernt haben?
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Re: Loki und Helmut Schmidt, ein vergessenes Beziehungsideal

Beitrag von ogor »

BartS hat geschrieben:Ich würde sagen, eine Diskussion wäre dann überflüssig, wenn man glaubt, dass die sexuelle Anziehung die alleinige Basis eine Beziehung ist. ;) Ich sags mal so, ich bin ein Mann, und kann mir deshalb vorstellen mit einer Frau eine "Nummer zu schieben" in die ich nicht verliebt bin, aber vielleicht süß finde oder scharf (nach dem Mittagessen lande ich gerade bei diesen Geschmacksbezeichnungen ;)). Es soll auch Frauen geben, bei denen das auch so ist. Und so gibt es auch Frauen, mit der ich mir keinen Sex vorstellen könnte.
Wenn du mit einer Frau ins Bett gehen willst, dann findest du sie ja auch sexuell anziehend. ;)

Die Frage ist doch, ob du aus "rationalen Gründen" auch mit einer Frau eine Beziehung eingehen würdest, mit der du dir keinen Sex vorstellen kannst, wo also die sexuelle Anziehung fehlt?

Sexuelles Begehren ist sicherlich nicht der alleinige Grund, eine Beziehung zu versuchen. Aber ohne dieses fehlt mir jegliche Grundlage für eine Beziehung.
Kostas Klopsis

Re: Loki und Helmut Schmidt, ein vergessenes Beziehungsideal

Beitrag von Kostas Klopsis »

ogor hat geschrieben: Und Notlösung bzw. Zweckbeziehung u.a. deshalb:
Später, als er Soldat war und in den Krieg musste, gab es die rationale Überlegung, keine Ahnung ob man lebend aus dem Krieg herauskam, also machte man das Beste aus den Möglichkeiten und heiratete.
Man heiratete, nicht weil die Gefühle füreinander groß genug waren, sondern weil man Angst hatte, "unverheiratet" zu sterben und aus Mangel an Alternativen man die "gute Freundin" ehelichte.
Wenn ich die Biographie der Schmidts richtig im Kopf habe, hat der Krieg den Zeitpunkt der Eheschließung bestimmt, war aber nicht der alleinige Anlass. Sie hätten auch ohne Krieg geheiratet.
Zu unterstellen, dass die Gefühle füreinander eigentlich nicht groß genug waren, finde ich schon ein wenig despektierlich.
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Re: Loki und Helmut Schmidt, ein vergessenes Beziehungsideal

Beitrag von BartS »

ogor hat geschrieben:Für mich ist jedoch sexuelles Begehren eine Grundvoraussetzung, um mit einem Menschen Sex zu haben.

Ohne sexuelles Begehren fehlt mir somit auch jeglicher Anreiz, mit einem Menschen eine Beziehung zu beginnen. Wieso sollte ich das tun?
Ganz ehrlich, ich finde die Hürde "sexuelles Begehren" beiweiten nicht so hoch, wie gerade von einigen so getan wird. Ich finde es viel schwieriger bei einer Frau den Wunsch zu entwickeln, mit ihr meine meiste Zeit zu verbringen und ein gemeinsames Leben zu führen. Da fallen mir in meinem Leben wesentlich weniger Frauen ein, als solche, die ich sexuell anziehend finde. Mit jemanden ins Bett zu gehen, gehört doch wirklich nicht viel dazu. Man muss noch nicht mal dieselbe Sprache können. Wenn man aber zusammen leben will, muss man sich im wahrsten Sinne des Wortes verstehen können.

Wenn man hingegen nur bei ganz wenigen Menschen eine sexuelle Anziehung spürt, dann kann ich mir hingegen schon vorstellen, wie schwierig es dann wird, einen Partner zu finden. Wenn viele schon durch dieses erste Raster fallen, dann bleibt auch nicht mehr viel übrig, wenn man dann noch die anderen Punkte vergleicht. Aber da kann man sich auch mal fragen, warum man so viele vom anderen Geschlecht schon körperlich ablehnt.
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Re: Loki und Helmut Schmidt, ein vergessenes Beziehungsideal

Beitrag von Finchen »

ogor hat geschrieben:Wenn du hier eine sexuelle Anziehung als Basis annimmst, dann ist dieser ganzer Thread überflüssig.

Wenn die Zwei sich sexuell begehrt haben und deshalb eine Beziehung eingegangen sind, dann haben sie nichts anders gemacht als 99% aller anderen Paare auch. ;)
Anders als 99 Prozent aller Paare sind sie fast 70 Jahre lang beeinander geblieben. Deshalb dachte ich, das Thema wäre eventuell, wie und warum man beieinander bleibt. Nicht, wie und warum man anfängt.

Ansonsten finde ich, dass der Thread ein schönes Beispiel dafür ist, wie jeder mit seinen eigenen Themen in so eine Diskussion kommt und dann diese Themen dort diskutiert. Ich für meinen Teil habe da gerade eine Freundin vor Augen. Die hat einen lieben, fürsorglichen, treuen Mann - und ist total unzufrieden, weil ihr die großen romantischen Gesten fehlen und die Schmetterlinge nicht mehr ganz so aufgeregt herumflattern nach zehn Jahren Beziehung. Ich für meinen Teil finde das bescheuert, es beschäftigt mich gerade, deswegen habe ich das hier hereingelesen.

Ogor, das Eingehen einer Beziehung ohne sexuelles Interesse ist für Dich ein Thema, Du erwähnst zumindest ziemlich oft, dass das für Dich so gar nicht geht. Deswegen hast Du das in die Beziehungsgeschichte Schmidt hineingelesen, ist das möglich? Genauso die Idee, der Herr Schmidt könnte die Vorstellung, unverheiratet zu sterben, sehr problematisch gefunden haben... Ich weiß nicht. Fühlt sich für mich auch ziemlich reininterpretiert an. Solche Gedanken macht man sich vielleicht als AB im Jahr 2015, aber ich schätze mal, wer an die Front gerufen wird, hat ein größeres Problem mit der sehr realistischen Möglichkeit, dass er sterben könnte, als damit, dass er das vielleicht gar unverheiratet könnte.

Das Problem ist, dass wir zwei völlig unterschiedliche Gespräche führen. Und vielleicht an den Themen des jeweils anderen auch nicht so wirklich interessiert sind. Also, ich zumindest finde das Thema "Eine Beziehung ohne sexuelles Interesse eingehen" total unspannend, weil völlig fern meiner Realität. Darüber habe ich noch nichtmal Lust zu diskutieren, so fern liegt mir allein schon der Gedanke. Sorry. Aber das ist einfach nicht *mein* Thema, nicht das, was mir zu diesem beiden einfällt und an deren Geschichte wichtig wäre.
ogor

Re: Loki und Helmut Schmidt, ein vergessenes Beziehungsideal

Beitrag von ogor »

BartS hat geschrieben:
ogor hat geschrieben:Für mich ist jedoch sexuelles Begehren eine Grundvoraussetzung, um mit einem Menschen Sex zu haben.

Ohne sexuelles Begehren fehlt mir somit auch jeglicher Anreiz, mit einem Menschen eine Beziehung zu beginnen. Wieso sollte ich das tun?
Ganz ehrlich, ich finde die Hürde "sexuelles Begehren" beiweiten nicht so hoch, wie gerade von einigen so getan wird.
Erweitere auf "gegenseitiges sexuelles Begehren" und die Hürde wird schon deutlich höher. ;)

Es reicht ja nicht, dass eine Seite sexuelles Begehren an dem andern hat, sondern der muss es ja auch umgekehrt verspüren.

Ja, ich halte es weiterhin für den "Normalfall", dass zu Beginn einer Beziehung bei beiden ein sexuelles Begehren des jeweils anderen da ist. Und dann schaut man eben, ob es auch für "mehr" und "länger" passt. Das gegenseitige sexuelle Begehren ist der "Einstieg" zur Beziehung. Der Weitergang ist dann von zahlreichen anderen Fakroen abhängig.
ogor

Re: Loki und Helmut Schmidt, ein vergessenes Beziehungsideal

Beitrag von ogor »

Finchen hat geschrieben:Ich für meinen Teil habe da gerade eine Freundin vor Augen. Die hat einen lieben, fürsorglichen, treuen Mann - und ist total unzufrieden, weil ihr die großen romantischen Gesten fehlen und die Schmetterlinge nicht mehr ganz so aufgeregt herumflattern nach zehn Jahren Beziehung. Ich für meinen Teil finde das bescheuert, es beschäftigt mich gerade, deswegen habe ich das hier hereingelesen.
Die Freundin ist unzufrieden mit ihrer Beziehung, weil sie etwas vermisst, das ihr in einer Beziehung wichtig ist.

Die Ansprüche an eine Beziehung und an den Partner sind halt nun mal verschieden.
Reni

Re: Loki und Helmut Schmidt, ein vergessenes Beziehungsideal

Beitrag von Reni »

Ich seh die Beziehung als Paradebeispiel dafür, dass eine Beziehung dann hält, wenn die Frau alles erträgt, was der Mann ihr so zumuten kann. Für mich kein erstrebenswertes Leben. Aber das kann natürlich jeder sehen wie er will, Beziehungsideal für Helmut Schmidt war es vermutlich.
ogor

Re: Loki und Helmut Schmidt, ein vergessenes Beziehungsideal

Beitrag von ogor »

Reni hat geschrieben:Ich seh die Beziehung als Paradebeispiel dafür, dass eine Beziehung dann hält, wenn die Frau alles erträgt, was der Mann ihr so zumuten kann.
Das sieht auch ein Biograf von Helmut Schmidt so:
Laut ihres Biografen Reiner Lehberger sei es für Loki schwierig gewesen, die medialen Enthüllungen in den 60er-Jahren zu ertragen. Loki sei damals in einer schweren Lebenskrise gewesen. Ihr Mann sei 1965 nach Bonn gegangen, und Tochter Susanne habe nach dem Abitur ihr eigenständiges Leben begonnen.

Beide Ehepartner hätten nach Schmidts Zeit als Bundeskanzler wiederholt erklärt, dass ihre Ehe schwere Zeiten hatte. Sie wollten damit "einer drohenden Idealisierung" entgegenwirken. Lehberger: "Die einzige Affäre in der Ehe Schmidt war dies wohl nicht." Es sei wesentlich für die Ehe gewesen, dass sie durch Krisen immer wieder neu zueinander gefunden haben, so Lehberger.

Auch später habe sie in ihrer Ehe zweifellos einiges an Toleranz und Nachsicht aufzubringen gehabt, sonst wäre die Ehe wohl nicht von Bestand geblieben. Doch Loki wollte sie, wollte ihrem Mann Konstante und ein Zuhause sein. Die Ehe 68 Jahre lang aufrechterhalten zu haben, sahen beide als Leistung an.
(Quelle)

Ein Mann, der öfter fremdgeht und die Frau zuhause "verzeiht". Das als Ideal einer Beziehung sehen?
Finchen

Re: Loki und Helmut Schmidt, ein vergessenes Beziehungsideal

Beitrag von Finchen »

ogor hat geschrieben:Die Freundin ist unzufrieden mit ihrer Beziehung, weil sie etwas vermisst, das ihr in einer Beziehung wichtig ist.

Die Ansprüche an eine Beziehung und an den Partner sind halt nun mal verschieden.
Ja, na klar. Das ist ja auch durchaus legitim. Nur sollte man sich halt bewusst sein, dass Beziehungen mit den Jahren auch mal ein bisschen langweilig werden können und dass man auch durchaus ein bisschen Zeit damit verbringen wird, nebeneinander auf dem Sofa zu hocken, statt ständig filmreife, atemberaubende und berauschende große Gesten hinzulegen. Wer nur die ersten drei Monate einer Beziehung haben will und alles danach blöd findet, wird vermutlich nicht glücklich werden mit dem Konzept einer lebenslangen Bindung. Der wird vermutlich eher glücklich, wenn er sich alle paar Jahre mal neu verlieben kann. Das meinte ich mit "Dafür muss man auch der Typ sein". Ich persönlich bin der Typ. Der Mann der Freundin auch, sie halt eher nicht so. Man sollte sich bloß sein Leben entsprechend einrichten.
Reni hat geschrieben:Ich seh die Beziehung als Paradebeispiel dafür, dass eine Beziehung dann hält, wenn die Frau alles erträgt, was der Mann ihr so zumuten kann. Für mich kein erstrebenswertes Leben. Aber das kann natürlich jeder sehen wie er will, Beziehungsideal für Helmut Schmidt war es vermutlich.
Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, Loki Schmidt als alles ertragendes Opferchen zu sehen. Loyal wirkte sie durchaus auf mich, aber nicht duldsam bis zur Selbstaufgabe. Mit anderen Worten: Loki Schmidt ist für mich keine Hannelore Kohl. ;) Würdest Du mir vielleicht noch ein bisschen ausführen, wie Du zu dieser SIchtweise kommst? (Und nein: Das wäre auch für mich kein erstrebenswertes Beziehungsmodell. Ich sehe die beiden nur etwas anders und finde gerade sehr spannend, was man in ihnen so alles sehen kann.)
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Re: Loki und Helmut Schmidt, ein vergessenes Beziehungsideal

Beitrag von BartS »

ogor hat geschrieben: Die Frage ist doch, ob du aus "rationalen Gründen" auch mit einer Frau eine Beziehung eingehen würdest, mit der du dir keinen Sex vorstellen kannst, wo also die sexuelle Anziehung fehlt?
Wie ich es schon angedeutet hatte, ich persönlich halte die Hürde "mit einer Frau eine Beziehung eingehen wollen" für viel höher als die Hürde "sexuelle Anziehung entwickeln". Bei Ersteren fallen mir viele Gründe ein, warum ich mit einer bestimmten Frau keine Beziehung eingehen würde, was zur Folge hätte, dass das gemeinsame Zusammenleben mich irgendwann ziemlich nerven würde.
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Re: Loki und Helmut Schmidt, ein vergessenes Beziehungsideal

Beitrag von BartS »

Finchen hat geschrieben:Anders als 99 Prozent aller Paare sind sie fast 70 Jahre lang beeinander geblieben. Deshalb dachte ich, das Thema wäre eventuell, wie und warum man beieinander bleibt. Nicht, wie und warum man anfängt.
Wobei ich die Frage, wie und warum man miteinander anfängt, schon spannend finde. Oft wird da eine Grundlage für das spätere Zusammensein gelegt. Und ich glaube auch, die gemeinsamen Kriegserlebnisse hatte beide nochmal enger zusammenschweißen können und konnte Nebensächlichkeiten von wichtigen Dingen besser trennen.
Finchen hat geschrieben:Genauso die Idee, der Herr Schmidt könnte die Vorstellung, unverheiratet zu sterben, sehr problematisch gefunden haben... Ich weiß nicht. Fühlt sich für mich auch ziemlich reininterpretiert an. Solche Gedanken macht man sich vielleicht als AB im Jahr 2015, aber ich schätze mal, wer an die Front gerufen wird, hat ein größeres Problem mit der sehr realistischen Möglichkeit, dass er sterben könnte, als damit, dass er das vielleicht gar unverheiratet könnte.
Man darf auch nicht vergessen, in unserer Elterngeneration (nach dem Krieg) war es üblich, recht früh zu heiraten. Und viele Dinge konntest Du als unverheiratetes Paar gar nicht machen, beispielsweise in eine gemeinsame Wohnung ziehen. Ich denke auch, ohne den Krieg hätten beide vermutlich auch geheiratet, aber das Kriegsgeschehen hat diese Entscheidung nochmal beschleunigt.
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Re: Loki und Helmut Schmidt, ein vergessenes Beziehungsideal

Beitrag von ogor »

BartS hat geschrieben:
ogor hat geschrieben: Die Frage ist doch, ob du aus "rationalen Gründen" auch mit einer Frau eine Beziehung eingehen würdest, mit der du dir keinen Sex vorstellen kannst, wo also die sexuelle Anziehung fehlt?
Wie ich es schon angedeutet hatte, ich persönlich halte die Hürde "mit einer Frau eine Beziehung eingehen wollen" für viel höher als die Hürde "sexuelle Anziehung entwickeln". Bei Ersteren fallen mir viele Gründe ein, warum ich mit einer bestimmten Frau keine Beziehung eingehen würde, was zur Folge hätte, dass das gemeinsame Zusammenleben mich irgendwann ziemlich nerven würde.
Irgendwie wiederholen wir uns. :D

Wenn du es auch so siehst, dass sexuelle Anziehung eine Grundvoraussetzung ist, um überhaupt über eine mögliche Beziehung mit diesem Menschen nachzudenken (so deute ich zumindest deine ausweichende Antwort auf meine Frage), dann stimmen wir ja in dem Punkt beide überein.

Wenn sexuelle Anziehung vorhanden sein muss, dann erübrigt sich allerdings auch eine Überlegung, mit einem Menschen eine Beziehung einzugehen, von dem man eben nicht sexuell angezogen wird, auch wenn "sonst alles passt".

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