Vorab, bevor irgendjemand auf die Idee kommt zu behaupten, ich wüßte nicht, wovon ich schreibe, und söge mir alles aus meinen Fingern:
Ich spiele seit Jahren selbst in einer Band. Ich spreche also tatsächlich aus Erfahrung, ob ihr das akzeptieren wollt oder nicht.
Außerdem stehe ich in schriftlichem Kontakt mit ziemlich vielen anderen Musikern, die zum erheblichen Teil in Bands spielen. Ich kenne also nicht nur die Verhältnisse in der Band, in der ich spiele.
Reinhard hat geschrieben:Le Chiffre Zéro hat geschrieben:Kief hat geschrieben:und jemand ersetzt wird?
In diesem konkreten Fall, in dem sie Bassistin ist, geht das nicht anders. Eine Band hat
nie mehr als einen Bassisten.
Alle sagten, das geht nicht. Bis einer kam, der das nicht wusste und es einfach gemacht hat.
Wieviel genau verstehst du von Musik? Von der Zusammensetzung einer Musikgruppe? Vom aktiven Musizieren in einer Musikgruppe? Davon, wie Musikstücke arrangiert sind?
Bassisten spielen nur in einem sehr schmalen Frequenzbereich. Die legen nämlich das Baßfundament. Sogar Obertöne sind bei ihnen Mangelware.
Im Frequenzbereich des Bassisten hat genau ein (1) Musiker Platz. Spielen zwei in diesem Frequenzbereich, gibt es Mulm.
Rhythmusgitarristen kann man praktisch beliebig viele übereinanderschichten. Auch Schlagzeuger kann man praktisch beliebig viele nebeneinanderher spielen lassen. Mehr als 1 Bassist dagegen funktioniert nicht.
Blau hat geschrieben:Aber mein Lösungsvorschlag in so einem Fall wäre halt mit ihr als Bassistin eine neue Band zu gründn die dann neben der alten läuft. Wird zwar stressig aber so kriegt jeder was er/sie will.
Das kann nur in den seltensten Fällen eine Lösung sein – aus zwei Gründen:
Zum einen bedeutet jede zusätzliche Band, in der man ist, mehr Zeitaufwand. In aller Regel probt eine Band mindestens einmal, wenn nicht gar mehrmals pro Woche. Wenn man in zwei Bands ist, die jeweils wöchentlich mindestens einmal proben, wird langsam die Freizeit knapp. (Denen, die noch nie in einer Band gespielt haben, sei gesagt: So eine Bandprobe geht nicht nur eine halbe oder eine Stunde.)
Bei professionellen Bands (die mit der Musik Geld verdienen) kann es sogar sein, daß die Musiker nahezu jede freie Minute, die sie überhaupt haben (wohlgemerkt, die Musiker haben keinen Job neben der Band, also kann "jede freie Minute" schon mal 16 Stunden pro Tag sein), in die Band investieren. Da ist definitiv kein Platz für eine Zweitband.
Zum anderen bedeutet in den meisten Fällen jede zusätzliche Band, in der man ist, die Anschaffung von zusätzlichem Equipment.
In einem Orchester trägt man immer alles an Equipment, was man braucht, bei sich. Man bringt immer alles zur Probe mit, man bringt immer alles zu Auftritten mit. Es ist ja nicht viel, es paßt ja alles in einen Instrumentenkoffer, denn viel mehr als das einzelne Instrument, das man spielt, braucht man ja nicht. Nur in Ausnahmefällen kann man es nicht immer mitbringen und hinterher wieder mit nach Hause nehmen, weil es zu sperrig ist (Klavier, Harfe, Percussion etc.).
In einer Band geht das schon nicht mehr so leicht. Sogar in einer akustischen Unplugged-Band gibt es einen, der für jede Band jeweils eigenes Equipment braucht und dann noch einmal zu Hause: den Schlagzeuger. Auf- und Abbau eines Schlagzeugs dauert jeweils etwa eine halbe Stunde. Und dann muß er das auch noch alles irgendwie transportieren. Bei allen anderen, die mindestens ein Instrument spielen, gilt auch: Sobald Strom gebraucht wird, ist es nicht mehr ohne weiteres komplett transportabel. Der Bassist und die Gitarristen können jeweils ihr Instrument transportieren, aber in den meisten Fällen haben sie dazu auch noch einen Verstärker. Und den können sie nicht immer mit sich herumschleppen. Die haben dann mindestens einen Verstärker zu Hause und im Bandprobenraum noch einen. Wenn sie in noch einer Band sind, dann steht bei der Band im Probenraum auch noch ein Verstärker. Es ist auch nicht immer praktikabel, die ganze Effektkette vor der Probe auf- und nach der Probe wieder abzubauen, auch wenn sie an sich relativ transportabel ist – also muß auch die einmal pro Band plus einmal zu Hause vorhanden sein.
Und Keyboarder, die das Spielen in der Band wirklich ernstnehmen, haben erst recht kein Equipment, das leicht transportiert und mal schnell auf- und abgebaut werden kann. Schon in Amateurkreisen ist es üblich, auf dem Keyboardständer zwei Keyboards zu haben – vielleicht noch ein bis zwei weitere daneben über Eck – und dann auch noch ein 19"-Rack mit noch dem einen oder anderen Gerät mehr, und sei es ein Linemixer. Das ist schwierig zu transportieren und braucht seine Zeit beim Auf- bzw. Abbau, so daß auch viele Keyboarder je ein Setup zu Hause und im Bandprobenraum stehen haben – und in einer Zweitband ein Drittsetup brauchen. Und gerade bei Keyboardern wird es schon mal sehr teuer. Wir reden hier nicht von 100-€-Tischhupen aus dem Lebensmitteldiscounter. Schon semiprofessionelle Keyboarder stecken allein in ihre Keyboards zusammen schon mal über 7.000 € –
pro Setup.
Wenn also ein Keyboarder von seiner neuen Freundin zu hören bekommt, daß sie mit ihm eine Band gründen will – obwohl bzw. weil er schon in einer ist –, dann bedeutet das nicht selten einen kurzfristigen finanziellen Mehraufwand von mehreren tausend Euro.
Abgesehen davon gründet man nicht mal eben eine Band und spielt. Man wird in den allermeisten Fällen mehr Musiker brauchen als die Freundin, die die Band gründen will, und den Freund, mit dem die Freundin die Band gründen will. Dann braucht man ein gemeinsames Konzept. Man braucht einen Probenraum, der heutzutage gerade in Großstädten schwierig bis unmöglich zu finden ist (nein, man kann nicht bei einem der Bandmitglieder zu Hause in der Wohnung proben). Und so weiter.