Levyn hat geschrieben: ↑28.06.2026, 23:01
Ich merke gerade, dass wir wieder auf
zwei verschiedenen Ebenen diskutieren. Du meinst diese Eigenschaften vor allem im Dating-Kontext, während ich sie eher im Zusammenhang mit Gesellschaft und sozialen Gruppen sehe.
Beide Ebenen hängen zusammen, denn das Individuum, dass sich im Datingkontext bewegt, ist auch Teil der Gesellschaft. Die Gesellschaft ist der Oberbegriff und die Datenden sind eine bestimmte soziale Gruppe, zu der einzelne Individuen gehören. Diese Individuen kann man wiederum zusammenfassen in die, die eine Beziehung suchen und die, die allein Sex suchen. Diese Individuen bewegen sich aber auch in anderen sozialen Gruppen wie bspw auch im Berufsleben. Im Berufsleben an sich muss man übergeordnete Kompetenzen mitbringen und in den einzelnen Berufen wiederum spezifische für den Beruf.
Die Ausprägung bestimmter Eigenschaften unterscheiden in den verschiedenen sozialen Rollen und so kann es vorkommen, dass eine Person verschiedene Ausprägungen einzelner Eigenschaften mit sich bringen muss. Deshalb kann man meines Erachtens nicht einheitliche Eigenschaften für die Gesellschaft an sich suchen.
Deine Erklärung der Begriffe sind meines Erachtens nicht auf alle gesellschaftlichen Bereiche übertragbar.
Deine Beispiele stammen überwiegend aus Kontexten, in denen Leistung, Status oder Wettbewerb eine große Rolle spielen.
In anderen Bereichen wie in einer Partnerschaft oder in sozialen Berufen sind ganz andere Eigenschaften entscheidend, wie Rücksichtnahme, Kompromissfähigkeit, Empathie oder Kooperation. Deshalb glaube ich, dass Eigenschaften immer vom jeweiligen Kontext abhängen. Ob bspw Dominanz positiv oder negativ bewertet wird, hängt davon ab, wie und wo sie eingesetzt wird.
Die gesellschftlichen Erwartungen an Männer und Frauen sind von Kontext zu Kontext verschieden. Deshalb finde ich es schwierig allgemeine Aussagen über Männer und Frauen oder gesellschaftliche Erwartungen abzuleiten. Die Gesellschaft besteht nunmal aus unterschiedlichen Lebensbereichen, in denen auch unterschiedliche Kompetenzen und Verhaltensweisen gefragt sind.
Finnlandfreundin hat geschrieben: ↑28.06.2026, 20:14
Mein Eindruck ist aber, dass
die meisten Normalos sich wenig Gedanken darüber machen, wie sie mehr Aufmerksamkeit vom anderen Geschlecht bekommen, denn sie haben bereits in der Jugend gelernt, bei wem sie Chancen haben und bei wem nicht.
Da habe ich einen ganz anderen Eindruck. Für mich wirkt es eher so, als versuche man, die eigenen Chancen zu optimieren, indem man an sich selbst arbeitet.
Männer streben danach, möglichst attraktive Frauen zu daten, während
Frauen versuchen, Männer mit hohem sozialem Status in ihrer eigenen Bubble zu daten.
Auch hier gilt: Das ist keine absolute Beschreibung, sondern eher eine Annäherung an Ideale.
Woher glaubst du kommt dann dieser Selbstoptimierungswahn, wenn doch
jeder einfach mit dem zufrieden wäre, was er an Aufmerksamkeit vom anderen Geschlecht bekommt?
Wie du selbst schreibst, es handelt sich um keine absolute Beschreibung. Nicht jeder Mensch steckt im Selbstoptimierungswahn. Es gibt eine Reihe von Menschen, die beruflich wie auch privat mit dem zufrieden sind, was ihnen gegeben ist.
Ich habe nicht geschrieben, dass jeder mit dem Ist zufrieden ist, sondern die meisten Normalos.
"Männer streben" und "Frauen versuchen" klingt sehr allgemeingültig, dem ist aber nicht so und selbst denjenigen (Männer und Frauen), denen Attraktivität und sozialer Status wichtig sind, sind auch andere Faktoren wichtig, wie gemeinsame Werte, Humor, Persönlichkeit, Vertrauen, ähnliche Lebensziele. Deshalb finde ich es schwierig, Partnerwahl allein über Attraktivität und Status zu erklären. Jeder dieser Faktoren spielt eine Rolle, wie die Ausprägung beim Einzelnen aussieht, hat weder was mit dem Geschlecht noch mit gesellschaftlichen Rollenbildern zu tun.
Ja, aber gerade auf das Gespür und die Erfahrung kommt es doch an. Wenn man bei vielen Menschen weiß, wie man sich geben muss, um gut anzukommen, wird man von mehr Leuten als interessant, unterhaltsam oder sympathisch wahrgenommen. Genau das erhöht dann die Nachfrage nach dieser Person und unterscheidet sie von anderen, die das nicht können.
Und auch hier geht es nicht darum, ob Person A bei Person B beliebt ist, bei Person C, D, E, F, G, H, I und J aber nicht, sondern darum, bei wie vielen Menschen Person A im Vergleich zu anderen in ihrer Peer Group beliebt ist.
Ich verstehe, worauf du hinaus willst. Wenn jemand sozial kompetent ist, sich gut auf andere einstellen kann und weiß, wie er mit unterschiedlichen Menschen umgehen kann, wird diese Person vermutlich von mehr Menschen als sympathisch oder interessant wahrgenommen.
Ein Gespür dafür, bekommt man aber meines Erachtens aus konkreten Situationen. Also Erfahrungen, die Person A mit B, C, D, E usw gemacht hat. Dann ist die Chance groß, dass Person in ähnlichen Situationen auch gut ankommt.
Ein Beispiel von mir: In meiner Schulzeit kam ich mit zwei Jungs gut aus. Wir hatten Gesprächsstoff. Mit der Mehrheit war ich überhaupt nicht auf einer Wellenlänge, sodass man sich in einzelnen Situationen nichts zu sagen hatte. Im Studium änderte sich das. Ich musste mit verschiedenen Männertypen zusammenarbeiten. Mit der Zeit fiel es mir immer leichter auch Themen jenseits des Studiums mit ihnen zu finden. Heutzutage macht es für mich keinen Unterschied mehr, ob ich mit einer Frau oder einem Mann spreche. Ich stelle mich allgemein auf die individuelle Situation ein.
Bezogen auf den Datingkontext ist es für mich nicht wichtig (und alle, die eine feste Beziehung suchen womöglich auch nicht), bei möglichst vielen gut anzukommen, sondern bei den Männern bzw dem Mann, der zu mir passt.
Bezogen auf deine Aufzählung: Natürlich kann es sein, dass Person A bei mehr Menschen beliebt ist, das sagt aber noch nichts darüber aus, ob er eine erfüllte Beziehung führt oder sich sexuell ausleben kann.
Eigenschaften, die in einer Gruppe geschätzt werden, müssen in einer anderen Gruppe nicht gleichermaßen geschätzt werden. Deshalb ist es schwierig, allgemeine Aussagen über gesellschaftliche Erwartungen abzuleiten.
Finnlandfreundin hat geschrieben: ↑28.06.2026, 20:14
Nein, denn nicht nur das Beuteschema der Frauen ist entscheidend, sondern auch das der Männer. Was der einzelne bevorzugt, hat nichts mit gesellschaftlicher Prägung zu tun.
Womit hängt das denn deiner Meinung nach zusammen, wenn nicht von gesellschaftlicher Prägung?
Ich denke, dass mehrere Faktoren zusammenkommen wie die einzelne Persönlichkeit, Erfahrungen, die der Einzelne im Laufe seines Lebens gemacht hat, das soziale Umfeld, die Kultur, in der man aufwächst. Gesellschaftliche Prägung findet sich für mich eher darin, warum bestimmte Eigenschaften häufiger positiv oder negativ bewertet werden.
Ein Beispiel:
Zwei Menschen wachsen im gleichen Land, in einer ähnlichen sozialen Schicht und mit vergleichbaren Rollenbildern auf. Die Beuteschemata können trotzdem komplett unterschiedlich sein.
Hast du einen Bruder? Hast du einen Freund aus der Schulzeit? Hast du einen Kumpel?