Finnlandfreundin hat geschrieben: ↑28.06.2026, 19:01
Die Frage ist natürlich auch, was verstehst du unter Ehrgeiz, Dominanz und Aggessivität?
Ich merke gerade, dass wir wieder auf zwei verschiedenen Ebenen diskutieren. Du meinst diese Eigenschaften vor allem im Dating-Kontext, während ich sie eher im Zusammenhang mit Gesellschaft und sozialen Gruppen sehe.
Für mich ist ehrgeizig jemand, der seine Ziele diszipliniert verfolgt und sich von ein paar Rückschlägen nicht gleich aus der Bahn werfen lässt. Jemand, der nicht nur das Minimum macht, sondern sich deutlich mehr vornimmt und auch entsprechend viel Energie hineinsteckt. Ein Typ, der viermal pro Woche ins Gym geht und daneben noch mehrere Projekte neben dem Job verfolgt, wirkt auf mich ehrgeizig. Dazu würde ich auch Leute zählen, die regelmäßig Events organisieren oder ähnliche Dinge auf die Beine stellen.
Dominant ist für mich jemand, der so präsent auftritt, dass andere ihn und seine Meinung eher respektieren als die von vielen anderen. Jemand, der sich gut durchsetzen kann und in seinem Umfeld mitprägt, wohin die Richtung geht.
Aggressiv bedeutet in diesem Zusammenhang für mich, dass jemand besonders stark gewinnen, sich durchsetzen oder andere übertrumpfen will. Das überschneidet sich zwar mit den anderen Punkten, aber eben so, dass die Person auch in Kauf nimmt, sich dabei Feinde zu machen oder als unsympathisch zu gelten.
Wichtig ist mir aber: Das sind alles nur Näherungen, keine absoluten Definitionen.
Finnlandfreundin hat geschrieben: ↑28.06.2026, 20:14
Demzufolge würde ich sagen, es macht keinen Unterschied, ob ein Mann viel oder wenig Geld verdient, wenn beide vom gemeinsamen Geld ihren Lebensstandard jeweils leben können.
Du gehst hier wieder nur auf den Dating-Kontext ein und darauf, wie es wäre, mit jemandem zusammenzuleben. Ich sehe das eigentlich genauso wie du und glaube auch nicht, dass man unbedingt viel Geld braucht. Der Kontext dieser Teildiskussion war aber der Feminismus und die gesellschaftlichen Erwartungen an Männer und Frauen - nicht die Frage, ob eine Frau unbedingt einen reichen Mann heiraten muss oder ein Mann ein Sixpack und ein sechsstelliges Einkommen braucht, um überhaupt eine Frau für sich zu begeistern.
Finnlandfreundin hat geschrieben: ↑28.06.2026, 20:14
Mein Eindruck ist aber, dass die meisten Normalos sich wenig Gedanken darüber machen, wie sie mehr Aufmerksamkeit vom anderen Geschlecht bekommen, denn sie haben bereits in der Jugend gelernt, bei wem sie Chancen haben und bei wem nicht.
Da habe ich einen ganz anderen Eindruck. Für mich wirkt es eher so, als versuche man, die eigenen Chancen zu optimieren, indem man an sich selbst arbeitet. Männer streben danach, möglichst attraktive Frauen zu daten, während Frauen versuchen, Männer mit hohem sozialem Status in ihrer eigenen Bubble zu daten.
Auch hier gilt: Das ist keine absolute Beschreibung, sondern eher eine Annäherung an Ideale.
Woher glaubst du kommt dann dieser Selbstoptimierungswahn, wenn doch jeder einfach mit dem zufrieden wäre, was er an Aufmerksamkeit vom anderen Geschlecht bekommt?
Finnlandfreundin hat geschrieben: ↑28.06.2026, 20:14
Hat man gelernt, bei wem man gut ankommt und aus seinen Erfahrungen die passenden Konsequenzen zieht, kommt man gut an.
Das trifft ja nicht nur darauf zu, als optisch attraktiv von jemandem wahrgenommen zu werden, sondern auch zu wissen, wie man mit jemandem spricht oder worüber. Interessiert sich jemand bspw nicht für Fußball, man aber enthusiastisch von Fußball redet, braucht man sich nicht wundern, dass der Andere nicht die gleiche Reaktion zeigt. Dieses Gespür braucht man wie auch das bei dir von mir markierte.
Ja, aber gerade auf das Gespür und die Erfahrung kommt es doch an. Wenn man bei vielen Menschen weiß, wie man sich geben muss, um gut anzukommen, wird man von mehr Leuten als interessant, unterhaltsam oder sympathisch wahrgenommen. Genau das erhöht dann die Nachfrage nach dieser Person und unterscheidet sie von anderen, die das nicht können.
Und auch hier geht es nicht darum, ob Person A bei Person B beliebt ist, bei Person C, D, E, F, G, H, I und J aber nicht, sondern darum, bei wie vielen Menschen Person A im Vergleich zu anderen in ihrer Peer Group beliebt ist.
Finnlandfreundin hat geschrieben: ↑28.06.2026, 20:14
Nein, denn nicht nur das Beuteschema der Frauen ist entscheidend, sondern auch das der Männer. Was der einzelne bevorzugt, hat nichts mit gesellschaftlicher Prägung zu tun.
Womit hängt das denn deiner Meinung nach zusammen, wenn nicht von gesellschaftlicher Prägung?
Finnlandfreundin hat geschrieben: ↑28.06.2026, 20:14
Doch natürlich geht es darum, jemanden zu finden. Eine Nachfrage alleine bringt dir nichts, wenn du selbst damit nicht umgehen kannst.
Naja, die Rechnung ist doch eigentlich ganz einfach: Wenn jemand eine höhere Nachfrage hat, kann er aus mehreren Optionen wählen. Ob er aufgrund seiner eigenen Umstände nicht in der Lage ist, z.B. eine Bindung mit einer Frau einzugehen, obwohl er 10 zur Auswahl hätte, spielt in diesem Kontext keine Rolle.
Ich habe nach wie vor nicht den Eindruck, dass du verstanden hast, worum es mir geht und daher reden wir auch zwangsläufig aneinander vorbei. Für mich wirkt es eher so als würdest du alle Aussagen auf dich und deine persönliche Wahl eines potenziellen Partners beziehen, aber das war für mich gar nicht Diskussionsgegenstand.
Um das also nochmal zu beschreiben:
Der Initialbeitrag dieser Teildiskussion wurde von Kisuli angestoßen. Sie hat eine Lanze für den Feminismus gebrochen und dafür argumentiert, dass Männer sich verändern müssten.
Ich habe mich in meiner Antwort darauf bezogen, dass nicht nur Männer sich verändern müssten, sondern auch Frauen, weil ich der Auffassung bin, dass Frauen und Männer sich gegenseitig beeinflussen und Erwartungshaltungen an Männer natürlich auch das Männerbild beeinflussen. Daraufhin habe ich argumentiert, dass Männer ja nur so sind, weil sie entsprechend sozialisiert wurden und das auch viel damit zu tun hat, welche Männer Frauen tendenziell als Partner wahrnehmen. Da ging es mir nicht darum, dass ja jeder Mann eine Frau findet oder jede Frau einen passenden Mann, sondern darum, dass man seine Chancen beim Dating erhöht, wenn man dem gesellschaftlichen Ideal entspricht. Gebe es keine Ideale, würden unattraktive, zurückhaltende, unsichere Einsiedler einen genau so großen Markt haben wie attraktive, sozial intelligente und selbstbewusste Social Butterflies. Die Realität sieht aber anders aus.
Und wenn mir jemand in dieser Diskussion jetzt erzählt, dass das ja alles individuelle Präferenzen seien und jeder beim Dating die gleichen Chancen hat, weil jeder ja seinen eigenen Markt hat, dann finde ich diese Aussage ziemlich schwierig, weil ich das in der Realität so nicht beobachten kann.
Noch schwieriger wird es, wenn behauptet wird, dass es keine gesellschaftlichen Prägungen gibt und jeder jeden attraktiv findet und es keine Schnittmengen gibt.
Auf individueller Ebene mag das stimmen, dass eine Person zwar oberflächlich dem gesellschaftlichen Ideal entspricht, aber man ihn trotzdem nicht attraktiv findet, aber darum ging es mir nie. Es ging mir also nie darum herauszustellen, dass es eine Person gibt, die absolut gesehen für alle attraktiv ist, sondern darum, dass es Attraktivitätsmerkmale gibt, die von den meisten als attraktiv empfunden werden und diese beobachtbaren Merkmale von anderen als Vorbild genommen werden können, weil sie ihre Nachfrage auf dem Markt erhöhen wollen.
Meine These bleibt im Kern dieselbe: Durch ihre Partnerwahl haben Frauen auch Einfluss darauf, wie sich Männer entwickeln. Gleichzeitig gibt es Männer, die die dahinterstehenden Verhaltensmuster nicht wirklich verstehen und sich beim Versuch, einem bestimmten Ideal zu entsprechen, eher ungeschickt oder unangenehm verhalten. Manche suchen zum Beispiel körperliche Auseinandersetzungen, weil sie Stärke falsch interpretieren - oder weil sie glauben, dass genau das gut ankommt. Andere verwechseln Selbstbewusstsein mit Arroganz oder versuchen, sich durch das Herabsetzen anderer Männer einen höheren Status zu verschaffen. Letztlich sind das alles eher die unschönen Nebenwirkungen davon, sich stark an solchen Idealen zu orientieren.