Finnlandfreundin hat geschrieben: ↑02.05.2024, 17:30
Ich würde behaupten, die wenigsten Teenager springen beim ersten Kennenlernen sofort in die Kiste. Die meisten kennen sich aus Schule oder Freizeit, aus einem warmen Umfeld.
Meinem Eindruck nach, ist es über die Generationen hinweg gleich, dass heutzutage die äußere Attraktivität die oberste Priorität beim (online) Kennenlernen darstellt. Unter den jüngeren sogar extremer als bei den älteren - Stichwort: Selbstoptimierungs-Wahn, Dank Internet, Influencer, Instagram etc.
Und aus der äußere Anziehungskraft folgt schließlich auch "das Eine". Insofern scheint das der Normalzustand zu sein. "Früher" gab es gesellschaftliche (kirchliche) Regeln, die bei weitem überwiegend auch eingehalten wurden, aus Angst vor der Hölle ... also zb. kein Sex vor der Eheschließung. Das hatte vlt. manches erleichtert, weil bestimmte Dinge von vornherein festgelegt waren. Das betrifft auch die Auswahl, welche zumeist auf den Wohnort begrenzt blieb, in der Pferdekutschenzeit, waren Reisen Luxus und selbst in die nächst größere Stadt kam man bestenfalls einmal im Jahr zum Pferdemarkt oder solchen Anlässen. Oder es wurden regional explizit Heiratsmärkte Veranstaltet, derartige Gepflogenheiten gibt es anderswo in der Welt durchaus heute noch. Und so weit muss man dazu gar nicht Reisen (Balkan).
Unter dem Strich also JA, Früher gab es eine Reihe von sachlichen, kirchlichen und gesellschaftlichen Zwängen, welche die Auswahl begrenzten und auch die Möglichkeiten sich zu finden waren derart eingeschränkt, das man - drastisch formuliert - schlicht gezwungen war sich auf "das nächst beste" Angebot Einzulassen und dann ein Leben lang damit klar zu kommen, denn Scheidung gab es auch nicht!
Heute und Früher, scheinen zwei Extreme zu sein, zwischen denen es jede Menge ungenutzt Luft gäbe.
Sich erst ein paar Mal zu treffen, ohne direkt ins Schlafzimmer zu wollen. Sich über eine längere Zeit kennenzulernen, bevor man weitreichende Entscheidungen trifft, wie zusammen ziehen, Kinder bekommen und / oder Heiraten. Ist wohl alles zu vernünftig gedacht. Vielleicht sind wir ABler einfach unfähig sich (schnell?) zu verlieben? Vielleicht denken wir zu viel nach? Vielleicht sind wir deswegen Beziehungsunfähig, weil Liebe keiner Logik folgt, sondern einfach so eine Hormonsache ist, der wir uns nicht fügen können und wollen? Und wer weiß, wenn es an den Hormonen liegt, vielleicht wäre das sogar Behandelbar? Eigentlich bin ich aber regelmäßig sehr froh, das ich ICH bin! Habe wohl auch schon zu viel erlebt, als das ich das Glück für meine Restlebenszeit ohne Kontrolle einfach dem Zufall (Hormonen) überlassen wollte ... außerdem möchte ich für das Gegenüber schon mehr sein, als einfach nur das oder ein Objekt ihrer Begehrlichkeit. Das ist mir einfach zu wenig für eine Beziehung. Womöglich sind also meine Ansprüche zu hoch. So wie diese generell hoch sind, heutzutage. Siehe oben: Auswahl ... gibt es ja dank Internet vermeintlich unbegrenzt. Und wer will da nicht das absolut perfekte? Funktioniert so, aber nur für eine kleine Minderheit.