Ich bin von der Offenheit einiger User hier ziemlich erstaunt gewesen, unter anderem auch darüber, wie verletzlich sich manche gezeigt haben. Ich selbst bin ebenfalls jemand, der viel reflektiert und über sich und sein Leben nachdenkt. Nach außen trage ich meine Gefühlswelt allerdings eher selten. Im Gegenteil: Mir wird immer wieder zurückgespiegelt, dass ich eine harte Schale habe und wenig Emotionen zeige.
Wenn ich Zeit habe, lese ich hier auch gerne einmal in älteren Beiträgen. Dabei kam mir wieder eine Idee. Der eine oder andere wird sich vermutlich denken: „Nicht schon wieder.
Bis hierhin wurde mir ja immer wieder unterstellt, ich hätte nur die rosarote Brille auf, befände mich noch in der Verliebtheitsphase und sei deshalb nicht ganz zurechnungsfähig.
Auf die Gefahr hin, mich damit ein Stück weit angreifbar zu machen (und meiner Meinung nach macht man das nur wenn man seine Gedankenwelt offen und ehrlich nach außen trägt ungeachtet der Konsequenzen), möchte ich deshalb einmal einen kleinen Einblick in ein Thema geben, über das vermutlich niemand besonders gerne spricht: Ängste.
Das Thema war bei mir nie so präsent, dass es mich permanent beschäftigt hätte. Es gab aber bestimmte Situationen, in denen diese Gedanken immer wieder einmal hochkamen. In den letzten Monaten hat sich daran einiges verändert.
Während meiner Single-Phase hatte ich im Großen und Ganzen zwei Ängste, die mich zwar nicht beherrscht haben, aber immer wieder einmal durchgekommen sind.
Zum einen war da die Angst davor, irgendwann zu sterben und niemanden im Leben gehabt zu haben.
Das ist mir zum Beispiel durch den Kopf gegangen, wenn ich irgendwo alleine zu Besuch war und gesehen habe, wie andere Menschen gemeinsam glücklich durchs Leben gehen. Oder wenn ich Menschen verloren habe, die man schon sein ganzes Leben kannte, wie beispielsweise meine Großeltern.
Dann habe ich mich irgendwann gefragt – und teilweise mit einem ziemlichen Schaudern: Was ist eigentlich, wenn ich irgendwann sterbe und ich habe niemanden gehabt? Was hat mein Leben dann für einen Sinn gehabt, wenn es niemanden gibt, der um mich trauert, wenn ich nicht mehr da bin?
Vielleicht ist es etwas ungewöhnlich, sich mit Mitte 20 bereits solche Gedanken zu machen, obwohl man eigentlich noch das ganze Leben vor sich hat.
Heute sehe ich diese Gedanken übrigens deutlich anders. Ich würde daraus nicht ableiten, dass ein Leben ohne Partnerschaft automatisch sinnlos ist. Damals war das schlicht eine meiner persönlichen Ängste.
Vielleicht eine Erinnerung die das nochmal verdeutlich:
Während der Corona-Zeit habe ich 2021 mein Testament verfasst. Damals erschien mir das einfach als eine vernünftige Sache, gerade weil man in dieser Zeit sehr deutlich mit Krankheit und der eigenen Vergänglichkeit konfrontiert wurde. Ich habe darin festgehalten, dass meine Nichten und Neffen einmal alles bekommen sollen, weil ich wollte, dass die nächste Generation einen guten Start ins Leben hat.
Eigentlich war das für mich ein nüchterner und vernünftiger Vorgang. Trotzdem hat mich beim Schreiben etwas unerwartet getroffen: der Gedanke, dass es damals niemanden gab, dem ich wirklich nahestand und dem ich persönlich etwas hätte hinterlassen können.
Das hat mich damals trotzdem deutlich mehr getroffen, als ich erwartet hätte.
Die zweite Angst war das Thema Krankheit.
Ich habe in meiner Verwandtschaft erlebt, wie es ist, wenn jemand über längere Zeit krank ist. Und irgendwann kam natürlich die Frage auf: Was ist, wenn es mich selbst einmal trifft? Wer kümmert sich dann um mich? Muss ich eine solche Zeit möglicherweise komplett alleine durchstehen?
Der einzige Gedanke, der mich in solchen Momenten ein wenig beruhigt hat, war die Hoffnung, dass ich statistisch vielleicht einfach zu denjenigen gehören würde, die von einer solchen Situation verschont bleiben.
Bis jetzt hatte ich damit Glück.
Heute gibt es zumindest einen großen Unterschied: Ich habe jemanden an meiner Seite. Damit sind diese Ängste aber nicht einfach verschwunden. Sie haben sich vielmehr verändert.
Der „Clown springt jetzt aus einer anderen Kiste“, könnte man vielleicht sagen.
Wenn meine Partnerin beispielsweise spät noch unterwegs ist, mache ich mir Gedanken, ob alles gut geht. Wenn sie krank ist, frage ich mich, ob ich alles richtig mache und ob ich sie ausreichend unterstütze. Und mit Blick auf die Zukunft kommen natürlich noch einmal ganz andere Gedanken hinzu. Wir haben einen Kinderwunsch, und da fragt man sich natürlich auch, ob man später einmal alles richtig machen wird.
Gerade am Anfang der Beziehung hatte ich außerdem große Sorgen, ob ich überhaupt gut genug für sie bin oder ob sie sich irgendwann vielleicht doch jemanden sucht, der besser zu ihr passt. Diese Gedanken sind inzwischen deutlich weniger geworden, je länger unsere Beziehung besteht. Ganz verschwunden sind sie deswegen aber sicher nicht.
Und auch außerhalb der Beziehung gibt es Ängste. Demnächst werde ich mich vermutlich nach einem neuen Job umsehen. Natürlich frage ich mich da ebenfalls: Wird das alles gut gehen?
Insgesamt komme ich mit solchen Gedanken aber gut klar. Ich halte mich mental für stark genug, mit schwierigen Situationen umgehen zu können, und lasse mich von meinen Ängsten in meinem Handeln nicht wesentlich einschränken.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ich keine Angst davor habe.
Ich glaube, das ist vielleicht ein wichtiger Unterschied: Keine Angst zu haben und mit seiner Angst umgehen zu können, sind zwei völlig verschiedene Dinge.
Früher hatte ich Angst davor, irgendwann alleine dazustehen. Heute habe ich einen Menschen, um den ich mich sorgen kann und mit denen ich meine Zukunft gestalten möchte. Dadurch sind manche Ängste kleiner geworden, gleichzeitig sind neue hinzugekommen.
Ich habe bis hierhin versucht meine Gedanken und persönlichen Empfindungen so nahbar wie möglich darzustellen, mein Ziel ist es nicht, dass sich jemand durch meine Offenheit angegriffen fühlt oder das ganze dazu verwendet meine Beziehung wieder zu sezieren.
Das ist nicht der Sinn des ganzen, sondern einfach einen Austausch über dieses Thema zu betreiben, mit jedem der sich dazu in der Lage fühlt
Deshalb würde mich interessieren:
Was glaubt ihr: Wenn ihr irgendwann in einer Beziehung landet, wären Ängste wie die, die ich früher hatte, dann plötzlich verschwunden? Oder würden sie sich bei euch ebenfalls nur verändern und vielleicht durch ganz andere Sorgen ersetzt werden?
Was beschäftigt euch in dieser Hinsicht?