Es gibt keine "objektive Realität" für mich. Jede Interpretation von Objektivität ist schließlich durch den Menschen gemacht, und jeder Mensch ist ein Subjekt. Daher sind sämtliche Interpretationen von Objektivität letztendlich auch subjektiv. Auch so etwas wie Zahlen/Skalen sind lediglich ein fiktives(!) Abbild der Realität, also eine Art "Objektivitätsfiktion", aber keine einzig allein gültige Objektivität, mal abgesehen von bestimmten speziellen Bereichen der Realität, wie z. B. in der Natur bzw. den Naturwissenschaften.
Leider ist die gesellschaftliche Entwicklung immer mehr geprägt von Formen der Quantifizierung/Skalierung und somit angeblicher "Objektivierung", weil es ja so einfach ist, so "eindeutig", so "sicher", richtig zu liegen, ja, im Grunde sogar so "bequem". Man muss sich nicht die Mühe machen, die uneindeutigen Qualitäten der Welt - und seine eigenen Qualitäten(!) - zu erfahren, sondern macht alles einfach an Zahlen fest. Und es lässt natürlich "perfekte" (Status-) Vergleiche zu, wer besser ist, wer schlechter ist, ob in der Arbeitswelt, oder gar in der Liebe, oder wo auch immer. Und bei Vergleichen neigt man auch noch zu Aufwärtsvergleichen, durch Vergleichen fühlt man sich eher schlecht als gut.
Zahlen/Skalen und Vergleiche können ja sogar "vorbeugen", sich mit den eigenen Unsicherheiten zu befassen, was ja auch wiederum Mühe macht, indem man nur auf die Zahlen schaut, anstatt in sich selbst hinein, auch und gerade auf Unsicherheiten über den eigenen Selbstwert, es ist halt "bequem"... Unsicherheiten zu erkennen, zu bearbeiten macht Arbeit und kostet Kraft und Zeit, und das Ergebnis bzw. der Fortschritt ist manchmal schwierig und mühsam(!) erkennbar. Zahlen sind da doch viel "eindeutiger" und "sicherer".
Aber ob es dem Menschen als emotionales und individuelles Wesen gerecht wird, sich und andere anhand von Zahlen zu bewerten?!?! Der Wert des Menschen als quantifizierbares Wesen. Der Wert des Menschen anhand eines fiktiven Abbilds. Oha... was eine Entfremdung des Menschen von sich selbst! Zahlen/Skalen können ein begrenztes(!) Hilfsmittel sein, die Welt in ihrer Komplexität besser zu erfassen/zu verstehen, aber können niemals erfahrbare Qualitäten ersetzen, auch wenn man das immer mehr versucht. Das GEFÜHL wenn du einem Menschen ins lebendige Gesicht schaust, sagt mehr aus als Tausend Worte, UND erstrecht mehr als Tausend Zahlen! Doch dafür braucht man natürlich den Zugang zu seinen Gefühlen...
@ManuAB: Ich weiß nicht ob dir das weiterhilft… aber vielleicht lohnt es sich mal darüber nachzudenken, und ggfs dein Bewertungsschema zu hinterfragen…
Das ist jedenfalls meine Interpretation zu dem Thema Objektivität, Objektivierung, Realität, Zahlen/Skalen als fiktives Abbild, Vergleiche etc. Man könnte hier noch weitere Begriffe/Phänomene einbringen (Rationalität, Rationalisierung, Mythen…). Aber es steht natürlich jedem frei, selbst ein Bild von all dem zu haben.