Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

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Tania
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Tania »

Deja-vu hat geschrieben: ↑30.09.2026, 10:35 Aber mir ist noch immer nicht klar, warum du hier so häufig dazu rätst. Da schwingt immer so mit, dass Verliebtsein ein zu hoher Anspruch wäre.
Verliebtheit ist kein zu hoher Anspruch. Es ist nur nicht mit "Beziehung" gleichzusetzen. Also weder ist Verliebtheit zwingend erforderlich, um eine glückliche Beziehung zu führen, noch bedarf es einer Beziehung, um sich zu verlieben. Also bitte: wenn Du Dich verlieben willst, dann schreib (oder denk) das so. Wenn Du willst, dass sich Dein Gegenüber auch in Dich verliebt, dito. Und wenn Du eine Beziehung UND Verliebtheit willst, dann kannst Du das auch klarstellen. Vielleicht sogar, dass Du erst verliebt sein musst, und dass das erwidert werden muss, um eine Beziehung einzugehen. Wäre ja nicht wirklich unüblich.

Ich persönlich stehe diesem Konzept nun mal skeptisch gegenüber. "Verliebtheit" führt bekanntlich zu solchen Phänomenen wie übersprudelnden Hormonen, die dann für die berühmte rosarote Brille sorgen ... Es erscheint mir zutiefst unlogisch, ausgerechnet in diesem Zustand partieller geistiger Umnachtung lebensverändernde Entscheidungen zu treffen. Ich weiß aber auch, dass ich diesen Zustand brauche, um mich überhaupt zu solchen lebensverändernden Entscheidungen durchzuringen. Was allerdings natürlich auch daran liegen könnte, dass ich nur so halb eine Beziehung will - also es spricht genauso viel dafür wie dagegen. Die Verliebtheit gibt dann den entscheidenden Ausschlag.

Aber wer sich sehnlichst eine Beziehung wünscht - also abends nicht mit dem Gedanken "ich will mich verlieben" einschläft, sondern mit dem Gedanken "ich wünschte jemand würde jetzt neben mir liegen" -, der könnte durchaus mal erwägen, eine Vernunftbeziehung zu beginnen. Wo eben keine wilden Schmetterlinge flattern, die eventuelle Unterschiede rosarot einfärben, sondern wo es einfach im Wesentlichen passt. Ich bin ziemlich sicher, dass sich nach ca. einem Jahr voller Höhen und Tiefen, die man gemeinsam erlebt und in denen man füreinander da war, mit inzwischen gemeinsam geschmiedeten Zukunftsplänen und einem so entwickelten Sexleben, dass es für beide passt, ein Gefühl entwickelt, dass sich nicht wesentlich von dem unterscheidet, das Paare haben, die mit Verliebtheit angefangen haben. Zumindest die, die sich nicht nach Abflauen des Hormonrausches mal nüchtern angeschaut und festgestellt haben, dass es irgendwie doch nicht passt.

Und gerade bei ABs sehe ich auch noch die Gefahr, dass sie "glücklich verliebt" vielleicht gar nicht erkennen könnten. Habe ich zumindest so erlebt: für mich war "Verliebtsein" immer mit Nervosität und Unsicherheit und dem Gefühl, um den Betreffenden kämpfen zu müssen, und eigentlich nicht gut genug zu sein, verbunden. Das war extrem intensiv - und wenn der "Kampf" dann erfolgreich war, war das Glücksgefühl gigantisch. Aber wenn einfach jemand kommt und sagt "Ich will Dich genau wie Du bist und ich bin genauso in Dich verliebt wie Du in mich" - dann ist das zwar schön - aber längst nicht so intensiv. Manchmal fühlt es sich sogar falsch an, und man fragt sich, was mit dem Menschen nicht stimmt und wartet eigentlich nur auf den Tag, an dem der große Knall kommt.... Dabei ist das einzige, was nicht stimmt, das eigene Selbstwertgefühl.
Zuletzt geändert von Tania am 30.09.2026, 13:47, insgesamt 1-mal geändert.
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Einsamkeit_is_doof
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Einsamkeit_is_doof »

Tania hat geschrieben: ↑29.09.2026, 18:47 Ich glaube, das ist so ziemlich derselbe Unterschied.
Ja, aber ich glaube der Unterschied zwischen freiwilligen Singles und ABs ist, dass die freiwilligen Singles im Fall der Fälle in der Lage wären, sich einen Partner zu suchen und auch zu finden.
Reinhard hat geschrieben: ↑29.09.2026, 19:39 Also ich finde die Erklärung mittels "Glaubenssätzen", die derjenige falsch haben soll, ein bisschen billig und nichtssagend.
Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass Gedanken und Glaubenssätze verdammt stark und hartnäckig sein können. Wenn man sich Wochen, Monate oder gar Jahre lang etwas einredet, dann glaubt man das irgendwann auch.
Franziska Luschas von "Boss im Kopf" hat es mal so erklärt: Wenn man einen Gedanken denkt, dann entsteht im Kopf ein kleiner Trampelpfad. Denkt man diesen Gedanken öfter, dann vergrößert sich der Trampelpfad und es entwickelt sich im Laufe der Zeit eine mehrspurige Autobahn, auf der die Gedanken immer schneller und leichter vorankommen. Ob die Gedanken stimmen oder nur eingeredet sind, spielt dabei keine Rolle.
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Reinhard »

Kolinatan hat geschrieben: ↑29.09.2026, 20:38
Reinhard hat geschrieben: ↑29.09.2026, 19:39 Also ich finde die Erklärung mittels "Glaubenssätzen", die derjenige falsch haben soll, ein bisschen billig und nichtssagend.
Zum Glück hat bisher niemand so eine "Erklärung" abgegeben. Wäre sie doch ebenfalls wieder eine Identitätsgeschichte, welche vom Verstand konstruiert würde.
Doch. Der Eingangsbeitrag dieses Threads ist so eine Erklärung. Er konstruiert aus dem von dir beobachteten Verhalten einen Zusammenhang und Muster, wie das auf Glaubenssätzen beruhen kann, die die tieferliegende Ursache darstellen. Das erfüllt die Merkmale von "Erklärung".

Was du mit "eine Identitätsgeschichte" meinst, ist mir nicht klar.

Kolinatan hat geschrieben: ↑29.09.2026, 20:38 Ich finde es interessant, wie unterschiedlich mein Beitrag interpretiert wird und wie der Verstand der einzelnen Personen meinen Beitrag in die eigene Identitätsgeschichte integriert, so dass vermieden wird, Unsicherheit über die eigene Identität aufkommen zu lassen.
Ich nehme mal an, es gibt auch so einige Menschen, die keinen Erfolg beim anderen Geschlecht haben, ohne dass sie über ihre Identität groß nachgedacht haben.

Kolinatan hat geschrieben: ↑29.09.2026, 20:38 Ich bin eben nicht frei zu glauben und zu denken, was ich möchte. Es ist einfacher das zu denken, was ich gestern bereits dachte und es erfordert mehr Energie, wenn ich versuche mich auf Vorstellungen einzulassen, welche mir bisher fremd waren bzw. von mir abgelehnt werden. Solange ich mit meinem Sein in der Welt zufrieden bin, braucht es letztlich auch keine Veränderung der eigenen Erzählung. Mein Wunsch ist es, das Leid in meinem Leben weiter zu reduzieren und den Moment so direkt wie möglich zu erleben. Daher ist es mir wichtig mich von Anhaftung zu lösen, was auch beinhaltet meine Identitätsgeschichten loszulassen und meinen Verstand möglichst nur für klare definierte Aufgaben einzusetzen statt ihn unkontrolliert herumvagabundieren zu lassen und Leid zu erzeugen. Gibt es ein Mitglied im Forum, das sich ebenfalls mit dieser Thematik beschäftigt oder Interesse daran hat?

Naja, ich weiß nicht. Bei mir ist das eher so, dass ich den Verstand herumvagabundieren lasse, gerade um mir neue Vorstellungen zu erschließen. Und sie dann mit einem dabei erkannten Grund anzunehmen oder abzulehnen, je nachdem. Also: ein besserer Grund als "haben wir immer schon so gedacht".
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Reinhard »

Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑30.09.2026, 17:39
Reinhard hat geschrieben: ↑29.09.2026, 19:39 Also ich finde die Erklärung mittels "Glaubenssätzen", die derjenige falsch haben soll, ein bisschen billig und nichtssagend.
Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass Gedanken und Glaubenssätze verdammt stark und hartnäckig sein können. Wenn man sich Wochen, Monate oder gar Jahre lang etwas einredet, dann glaubt man das irgendwann auch.
Und wenn man sich nichts eingeredet hat, dann kriegt man auf jeden Fall eine Beziehung?

Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑30.09.2026, 17:39 Franziska Luschas von "Boss im Kopf" hat es mal so erklärt: Wenn man einen Gedanken denkt, dann entsteht im Kopf ein kleiner Trampelpfad. Denkt man diesen Gedanken öfter, dann vergrößert sich der Trampelpfad und es entwickelt sich im Laufe der Zeit eine mehrspurige Autobahn, auf der die Gedanken immer schneller und leichter vorankommen. Ob die Gedanken stimmen oder nur eingeredet sind, spielt dabei keine Rolle.

Mag ja sein, aber beantwortet nicht: warum hat man den Pfad zum ersten Mal getrampelt? Wieso wollte man so oft dahin, wohin der Trampelpfad führt, dass man ihn breitgetrampelt hat?
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von verticalist »

Vogel hat geschrieben: ↑30.09.2026, 12:10 Ehrlich gesagt, für mich als AB fühlt sich meine Beziehungsunerfahrenheit oft genug wie eine Art sozialer Ausschluss an, weil sich sehr sehr vieles immer an Beziehung, Paare und Sexualität normativ orientiert:
Vieles von dem was du schreibst, empfinde ich auch so.

Letztens war ich auf der Suche nach einem Bett für meine neue Wohnung. So ziemlich alles was im Möbelhaus ausgestellt ist, sind Doppelbetten für Paare ... :/
Vogel hat geschrieben: ↑30.09.2026, 12:10 Zuhause angekommen gibt es kaum eine Serie, wo es nicht auch um Beziehung, Liebe etc..
Ja, das finde ich auch richtig schlimm und ich feier es immer, wenn das mal nicht im Vordergrund steht.

Ganz schlimm fand ich Dark. Also eigentlich war der Großteil der Serie schon gut, aber beim Ende hätte ich im Strahl kotzen können.
Vogel hat geschrieben: ↑30.09.2026, 12:10 Ist der Freundeskreis irgendwann verpartnert, driften verbliebene Singles in dem Kreis oft automatisch ab - Paare verbringen ihre Freizeit vor allem - wenn nicht mit sich selbst - dann mit anderen Paaren („Pärchen-Abende“), die ungebundene Person passt dann plötzlich überhaupt nicht mehr hinein.
Deshalb muss ich mir gerade auch mal wieder ein bisschen einen neuen Freundeskreis aufbauen.
Vogel hat geschrieben: ↑30.09.2026, 12:10 Als Kind und Teenie hatte ich immer geglaubt, es passiert automatisch, das man eine Frau findet, sich verliebt, heiratet.
Ist das nicht ein Glaubenssatz? Genau das habe ich auch lange geglaubt, dass es irgendwann schon automatisch passiert. In den Filmen, finden die Pärchen ja auch immer zusammen und haben ein Happy End. Erst während des Studiums ist mir langsam klar geworden, dass ich aktiv was dafür tun muss. (Und zumindest in meinem Fall, konnte ich mit der Zeit auch erhebliche Fortschritte machen, aber es hat gedauert.)

Ich bin kein Fan davon, wie das erste Mal auf ein Podest gestellt wird. Aber sowohl das erste Mal als auch überhaupt eine erste kurze Beziehung war für mich schon wichtig, um den Glauben (oder sogar das Wissen?) zu erlangen, prinzipiell, wenn vielleicht auch alles andere als einfach, ist es für mich möglich eine Partnerin zu finden und zumindest zeitweise von mir zu überzeugen.
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Wusel »

Tania hat geschrieben: ↑30.09.2026, 13:46 Und gerade bei ABs sehe ich auch noch die Gefahr, dass sie "glücklich verliebt" vielleicht gar nicht erkennen könnten. Habe ich zumindest so erlebt: für mich war "Verliebtsein" immer mit Nervosität und Unsicherheit und dem Gefühl, um den Betreffenden kämpfen zu müssen, und eigentlich nicht gut genug zu sein, verbunden. Das war extrem intensiv - und wenn der "Kampf" dann erfolgreich war, war das Glücksgefühl gigantisch.
Ich war vielleicht 3 mal richtig intensiv verliebt. Da wurde nichts von den Frauen, auf die sich diese Gefühle bezogen, ansatzweise erwidert. Die Idee immer, dass es doch noch irgendwo, irgendwie hätte klappen können und die Vorstellung davon, dann solches gigantisches Glücksgefühl empfinden zu können, hielten mich dann auch immer lange in dieser Illusion fest.
Das Problem ist auch, dass die eigenen Gefühle sich in dieser Intensität so unglaublich bedeutungsvoll anfühlen.. es aber im Grunde nicht sind, wenn das Gegenüber mit diesen nichts anfangen will.
Ich sehe es auch aktuell so, dass Beziehungen nicht von Verliebtheitsgefühlen geprägt sein müssen.. ich muss aber auch dazu sagen, dass ich bewusst versuche, diese Gefühle erst gar nicht mehr in mir wachsen zu lassen, da diese mir nie Gutes gebracht haben.
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Tania »

Einsamkeit_is_doof hat geschrieben: ↑30.09.2026, 17:39 Ja, aber ich glaube der Unterschied zwischen freiwilligen Singles und ABs ist, dass die freiwilligen Singles im Fall der Fälle in der Lage wären, sich einen Partner zu suchen und auch zu finden.
Zumindest einige von ihnen.

Andererseits sind auch einige ABs nachweislich in der Lage, einen Partner zu finden... :gruebel:
Wusel hat geschrieben: ↑30.09.2026, 22:19 Ich sehe es auch aktuell so, dass Beziehungen nicht von Verliebtheitsgefühlen geprägt sein müssen.. ich muss aber auch dazu sagen, dass ich bewusst versuche, diese Gefühle erst gar nicht mehr in mir wachsen zu lassen, da diese mir nie Gutes gebracht haben.
Ich bin ab und an ganz gern verliebt. Für gewöhnlich weiß das Objekt meiner Phantasien allerdings nichts davon. Was auch besser ist - Menschen können auf so etwas komisch reagieren. Manche fühlen sich unter Druck gesetzt, das Gefühl erwidern zu müssen, andere glauben, dass sie mich durch Kontaktabbruch vor Liebeskummer "beschützen" müssen ... :hammer:
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Kolinatan »

Vogel hat geschrieben: ↑30.09.2026, 12:10
Danke für die Schilderung Deiner Sichtweise und welche Gedanken und Assoziationen mein Beitrag in Dir ausgelöst hat.

Mein Beitrag hat verschiedene Ebenen. Der Einstieg mit dem Zitat von Wolframs Film ist nur der Einstieg, jedoch nicht dazu gedacht alles als Teil einer "Vermeidungsstrategie" zu erklären. Im Gegenteil sollte dies nur aufzeigen, wie meine Identität dazu führt alles aus einer einzigen Perspektive zu betrachten. So wie ich Deinen Beitrag lese, führt Deine inzwischen angenommene Identität als AB vor allem dazu, dass Du die Gesellschaft als eine "Paar"-Gesellschaft wahrnimmst, weil Liebe und (Paar)Beziehungen in Deiner Identitätsgeschichte für Dich nicht vorkommen. Deshalb fühlst Du Dich ausgeschlossen, weil Du der Ansicht bist, bei Beziehung oder Kindern nichts sagen zu können (oder zu dürfen?). Wurdest Du aktiv aus Gesprächen ausgegrenzt mit Worten wie zum Beispiel: "Wer keine Kinder hat, kann hier nicht mitreden."?

Wie viel wärest Du bereit zu tun bzw. von Deiner jetzigen Identität abzulegen, um von Dir eine Geschichte als "Womanizer" zu erzählen? Ich bezweifle, dass hierfür Muskeln oder ein männlicher Körper ausschlaggebend wären. Ich weiß natürlich nicht, wie Du Dich Dir als ein "Womanizer" vorstellst. Meine erste Assoziation war Barney Stinson aus der Serie "How I Met Your Mother". Würdest Du so sein wollen? Aus verschiedenen Beiträgen und Unterhaltungen mit Dir, würde ich davon ausgehen, dass Du viele seiner Verhaltensweisen, welche diese Figur in der Serie an den Tag legt, umgehend ablehnen und vermutlich verdammen würdest. Insofern ist die Frage nach der Identitätsgeschichte, welche für Dich selbst denkbar ist, ein erster wichtiger Schritt, um etwas zu ändern.

Natürlich ist nachvollziehbar, dass Du von anderen Menschen, egal ob sie in einer Beziehung sind oder auch wenn sie es nicht sind, keine hilfreiche Erklärung bekommen kannst, warum Du nicht in einer Beziehung bist. Jede Aussage von ihnen kann nur dazu dienen, ob Du etwas für Dich findest, was Du ausprobieren kannst und möchtest. Es ist schließlich ein bunter Mix an verschiedensten Elementen, welche zu Deinem heutigen Selbstbild, Deinen Verhaltensweisen und Deiner Lebenssituation beigetragen haben. Wie viele Elemente dabei veränderbar sind und ob diese Veränderungen für Dich den Weg in eine Beziehung öffnen können, kann Dir niemand sagen, bevor Du es nicht versucht hast.

PS: Ich verstehe durchaus, dass Du bereits einiges probiert hast und sicher fehlen mir die Details dazu und ebenso weiß ich nicht, ob es eine Variante von Vogel gibt, welche für Vogel attraktiv genug ist, um so sein zu wollen und eine Beziehung zu haben. Ich hoffe es ist klar, dass alle meine Ausführungen hierbei niemanden Schuld zuweisen, zu wenig getan zu haben, sondern sich so offen wie möglich mit einer Situation auseinanderzusetzen ohne in den Widerstand zu gehen, mit dem was ist und ohne ein Müssen oder Sollte zu definieren, was von diesem Punkt aus zu tun sei. Es geht mir darum aus einer Leichtigkeit und Entspanntheit heraus mit den Möglichkeiten zu spielen - sei es auch erst einmal nur gedanklich - und diesen Raum möglichst groß zu machen.
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Kolinatan »

Reinhard hat geschrieben: ↑30.09.2026, 20:38
Kolinatan hat geschrieben: ↑29.09.2026, 20:38
Reinhard hat geschrieben: ↑29.09.2026, 19:39 Also ich finde die Erklärung mittels "Glaubenssätzen", die derjenige falsch haben soll, ein bisschen billig und nichtssagend.
Zum Glück hat bisher niemand so eine "Erklärung" abgegeben. Wäre sie doch ebenfalls wieder eine Identitätsgeschichte, welche vom Verstand konstruiert würde.
Doch. Der Eingangsbeitrag dieses Threads ist so eine Erklärung. Er konstruiert aus dem von dir beobachteten Verhalten einen Zusammenhang und Muster, wie das auf Glaubenssätzen beruhen kann, die die tieferliegende Ursache darstellen. Das erfüllt die Merkmale von "Erklärung".

Was du mit "eine Identitätsgeschichte" meinst, ist mir nicht klar.
Deine Vorstellung davon, dass mein Beitrag eine solche "Erklärung" darstellen würde, wie Du sie unterstellst, dass ist in diesem Fall eine Identitätsgeschichte, welche Du meinem Beitrag gegeben hast. Es ist Deine Vorstellung davon, was mein Beitrag beinhalte. Das ich Deine Interpretation nicht teile, dürfte schon aus meiner vorherigen Äußerung ersichtlich sein.

Allein die Interpretation, dass jemand einen "falschen" Glaubenssatz hätte, ist bereits etwas, was nicht meinem Denkrahmen entspricht, da es immer Gründe und Ursachen für Glaubenssätze gibt und ich möchte darüber kein Urteil treffen. Auch wenn ich das Konzept von Glaubenssätzen praktisch finde, um Verhaltensweisen zu erklären, so habe ich in meinem Eingangsbeitrag dieses Konzept gar nicht referenziert, auch wenn die Interpretation nahe liegen mag, weil ich das Wort Glaube verwendet habe. Ich hätte an dieser Stelle ebenso das Wort Vorstellung verwenden können, auch wenn ich es in dem entsprechenden Satz dann ggf. zwei mal verwendet hätte.
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Deja-vu »

verticalist hat geschrieben: ↑30.09.2026, 20:58 Ja, das finde ich auch richtig schlimm und ich feier es immer, wenn das mal nicht im Vordergrund steht.
In jedem Film, im jedem Buch, in jeder Serie. Ich hasse es. :roll:

Aber bin selbst nicht besser. In meine Bücher, die keine Liebesromane sind, schleicht sich ja auch immer wieder irgendwo ne Romanze ein. Die Figuren wollen das so. ;)
Rational betrachtet könnte man es auch als Ausdruck unerfüllter Sehnsüchte sehen...

verticalist hat geschrieben: ↑30.09.2026, 20:58 Ganz schlimm fand ich Dark. Also eigentlich war der Großteil der Serie schon gut, aber beim Ende hätte ich im Strahl kotzen können.
Danke für den Spoiler. Jemand hatte mir neulich diese Serie empfohlen, aber jetzt weiß ich, dass ich die besser nicht schaue.
verticalist hat geschrieben: ↑30.09.2026, 20:58 Aber sowohl das erste Mal als auch überhaupt eine erste kurze Beziehung war für mich schon wichtig, um den Glauben (oder sogar das Wissen?) zu erlangen, prinzipiell, wenn vielleicht auch alles andere als einfach, ist es für mich möglich eine Partnerin zu finden und zumindest zeitweise von mir zu überzeugen.
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Tania hat geschrieben: ↑30.09.2026, 13:46 Ich persönlich stehe diesem Konzept nun mal skeptisch gegenüber. "Verliebtheit" führt bekanntlich zu solchen Phänomenen wie übersprudelnden Hormonen, die dann für die berühmte rosarote Brille sorgen ... Es erscheint mir zutiefst unlogisch, ausgerechnet in diesem Zustand partieller geistiger Umnachtung lebensverändernde Entscheidungen zu treffen.
Finde ich dann aber komisch, dass du genau das im Fall Sascha so gefeiert hast bzw. Kritik daran hier als Negativbeispiel aufführst... :gruebel:


Tania hat geschrieben: ↑30.09.2026, 13:46Aber wer sich sehnlichst eine Beziehung wünscht - also abends nicht mit dem Gedanken "ich will mich verlieben" einschläft, sondern mit dem Gedanken "ich wünschte jemand würde jetzt neben mir liegen"
Ja, wem es egal ist, wer dort liegt, für den passt das natürlich.

Das meinte ich ja. Will man eine Beziehung nur um der Beziehung Willen, damit man nicht allein ist, oder will man etwas, das auf (beidseitigen) Gefühlen basiert?



P.s.: Und was genau spricht jetzt gegen eine Freundschaft / platonische Beziehung als "Vernunftsbeziehung"?
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Hoppala »

Reinhard hat geschrieben: ↑30.09.2026, 20:38 Bei mir ist das eher so, dass ich den Verstand herumvagabundieren lasse, gerade um mir neue Vorstellungen zu erschließen. Und sie dann mit einem dabei erkannten Grund anzunehmen oder abzulehnen, je nachdem. Also: ein besserer Grund als "haben wir immer schon so gedacht".
Ohne das in irgendeienr Weise kritisieren zu wollen:
Dir ist aber schon klar, dass diese Nutzung des Verstands eher selten ist?
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Hoppala »

verticalist hat geschrieben: ↑30.09.2026, 20:58 Letztens war ich auf der Suche nach einem Bett für meine neue Wohnung. So ziemlich alles was im Möbelhaus ausgestellt ist, sind Doppelbetten für Paare ... :/
Wurden da tatsächlich "Doppelbetten für Paare" ausgestellt? Oder 200x160.
Denn viele Einzelschläfer möchten ein großes Bett. Und mit wievielen Personen mensch in einem 160 breiten Bett schläft (oder so ....), ist auch variabel ... da könnten sich Bettenkäufer für Trios, Quartette etc. ja auch missachtet fühlen :-)

Es sit nunmal so, dass die meisten Menschen mindestens gelegentlich sich gern nicht allein im Bett befinden, und entsprechend Platzvorrat anlegen. Entsprechend wird die Nachfrage sein.
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Einsamkeit_is_doof »

Reinhard hat geschrieben: ↑30.09.2026, 20:48 Und wenn man sich nichts eingeredet hat, dann kriegt man auf jeden Fall eine Beziehung?
Wie wir ja wissen, gibt es die verschiedensten Ursachen für das AB-tum. Eine ist aber, dass man falsche Gedankenmuster entwickelt hat und sich selber innerlich abwertet. Das führt dann zu extremer Unsicherheit gegenüber dem anderen Geschlecht und dem Glaubenssatz: "Ich bin nicht gut genug!".

Mag ja sein, aber beantwortet nicht: warum hat man den Pfad zum ersten Mal getrampelt? Wieso wollte man so oft dahin, wohin der Trampelpfad führt, dass man ihn breitgetrampelt hat?
Es gibt Gedanken, die man automatisch immer wieder denkt. Anfangs vielleicht nicht so oft, desto breiter die Autobahn im Kopf, desto öfter und leichter denkt man den (unerwünschten) Gedanken.
Wieso man einen Gedanken zum ersten Mal denkt, hat sicherlich verschiedene Ursachen. Evtl. sagt einer etwas zu einem. Etwa: "Kein Wunder dass du keine Freundin hast. Du musst mal mehr aus dir machen." Im Kopf kommt möglicherweise an: "Ich bin hässlich!" Da denkt man mal drüber nach und da man keinen Erfolg beim anderen Geschlecht hat, denkt man öfter darüber nach und so entwickelt sich nach und nach besagte Autobahn.
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Seb-X »

sascha94 hat geschrieben: ↑29.09.2026, 04:53Man kann sich öffnen, Kontakte suchen und an sich arbeiten
Wie zwingst du dich (immer wieder) dazu, obwohl du überhaupt nicht motiviert bist, du aber weißt, es gibt keinen anderen Weg?
"Im innersten Gehäuse des Humanismus, als dessen eigene Seele, tobt gefangen der Wüterich, der als Faschist die Welt zum Gefängnis macht."
(aus "Schwabenstreiche", Theodor W. Adorno, Minima Moralia)
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von sascha94 »

Deja-vu hat geschrieben: ↑01.10.2026, 12:49 Finde ich dann aber komisch, dass du genau das im Fall Sascha so gefeiert hast bzw. Kritik daran hier als Negativbeispiel aufführst... :gruebel:
Ich schalte mich dazu kurz noch einmal ein, weil du meinen Fall angesprochen hast. 
Ich gebe dir recht: Eine reine „Zweckgemeinschaft“ ohne echte Gefühle bringt niemandem etwas. Bei meiner Verlobten und mir war das keineswegs eine kühle Verstandsentscheidung. Da waren von Anfang an sehr ehrliche Gefühle, Herzklopfen und Knistern im Spiel. 
Die „Vernunft“ brauchte ich an einer anderen Stelle: Nach jahrelangem Single-Dasein verlässt man die gewohnte Komfortzone nicht von alleine. Man muss trotz Verliebtheit aktiv die Entscheidung treffen, sich auf Veränderung einzulassen, Kompromisse einzugehen und sich verletzlich zu machen. 
Gefühle sind der Funke – ohne sie geht nichts. Die bewusste Entscheidung zur Veränderung ist dann der Schritt, den man selbst gehen muss

Ich war aber immer noch rational genug, dass ich die Konsequenzen meiner Entscheidung überblicken konnte und ich bereue bisher nichts davon.
https://abtreff.de/viewtopic.php?t=30224

Mein Weg als Ex-Ab in einer Beziehung mit mehr Details und Facetten 🙂
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Tania »

Deja-vu hat geschrieben: ↑01.10.2026, 12:49
verticalist hat geschrieben: ↑30.09.2026, 20:58 Ja, das finde ich auch richtig schlimm und ich feier es immer, wenn das mal nicht im Vordergrund steht.
In jedem Film, im jedem Buch, in jeder Serie. Ich hasse es. :roll:
Criminal Minds ist da halbwegs zu gebrauchen. Da gibt es zwar auch paar Beziehungen, aber über 50% enden mit dem gewaltsamen Tod eines der Beteiligten.


Tania hat geschrieben: ↑30.09.2026, 13:46 Es erscheint mir zutiefst unlogisch, ausgerechnet in diesem Zustand partieller geistiger Umnachtung lebensverändernde Entscheidungen zu treffen.
Finde ich dann aber komisch, dass du genau das im Fall Sascha so gefeiert hast bzw. Kritik daran hier als Negativbeispiel aufführst... :gruebel:
Ich hatte bisher eigentlich nicht den Eindruck, dass sascha und seine Verlobte innerhalb von 6 Monaten zusammengezogen sind. Aber vielleicht habe ich da etwas überlesen.


Das meinte ich ja. Will man eine Beziehung nur um der Willen, damit man nicht allein ist, oder will man etwas, das auf (beidseitigen) Gefühlen basiert?
Du übersiehst ziemlich beharrlich, dass ich beidseitige Liebe als Teil einer Beziehung ansehe. Nur eben als einen Teil, der erst innerhalb einer Beziehung wächst und nicht von Anfang an da sein muss.

P.s.: Und was genau spricht jetzt gegen eine Freundschaft / platonische Beziehung als "Vernunftsbeziehung"?
Wenn beide keinen Sex brauchen oder glücklich damit sind, sich diesen extern zu holen: gar nichts.
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Reinhard »

Kolinatan hat geschrieben: ↑01.10.2026, 00:22
Reinhard hat geschrieben: ↑30.09.2026, 20:38 Doch. Der Eingangsbeitrag dieses Threads ist so eine Erklärung. Er konstruiert aus dem von dir beobachteten Verhalten einen Zusammenhang und Muster, wie das auf Glaubenssätzen beruhen kann, die die tieferliegende Ursache darstellen. Das erfüllt die Merkmale von "Erklärung".

Was du mit "eine Identitätsgeschichte" meinst, ist mir nicht klar.
Deine Vorstellung davon, dass mein Beitrag eine solche "Erklärung" darstellen würde, wie Du sie unterstellst, dass ist in diesem Fall eine Identitätsgeschichte, welche Du meinem Beitrag gegeben hast. Es ist Deine Vorstellung davon, was mein Beitrag beinhalte. Das ich Deine Interpretation nicht teile, dürfte schon aus meiner vorherigen Äußerung ersichtlich sein.

Das hilft dir jetzt auch nichts, zu sagen, dass du keine Erklärung gegeben hast. Das ist nur deine Vorstellung ...

Im Übrigen finde ich es gut, wenn man Erklärungen findet, wie irgendwelche Sachen zusammenhängen. Dann muss man sich nur die first principles merken und kann den Rest ableiten. Es muss halt überwiegend stimmen; und es bringt auch nichts, wenn man eher eine Verkomplizierung als eine Vereinfachung verursacht. Und wenn ich einfach nur bei jedem Problem, das jemand hat, auch noch eine nicht-zutreffende Weltsicht unterstelle, habe ich auch nichts vereinfacht.


Kolinatan hat geschrieben: ↑01.10.2026, 00:22 Allein die Interpretation, dass jemand einen "falschen" Glaubenssatz hätte, ist bereits etwas, was nicht meinem Denkrahmen entspricht, da es immer Gründe und Ursachen für Glaubenssätze gibt und ich möchte darüber kein Urteil treffen. Auch wenn ich das Konzept von Glaubenssätzen praktisch finde, um Verhaltensweisen zu erklären, so habe ich in meinem Eingangsbeitrag dieses Konzept gar nicht referenziert, auch wenn die Interpretation nahe liegen mag, weil ich das Wort Glaube verwendet habe. Ich hätte an dieser Stelle ebenso das Wort Vorstellung verwenden können, auch wenn ich es in dem entsprechenden Satz dann ggf. zwei mal verwendet hätte.

Auch hier wieder: dass du kein Urteil treffen möchtest, steht dem nicht im Weg, dass du ein Urteil triffst. ¯\_(ツ)_/¯

Du willst vermutlich die Worte "richtig" und "falsch" vermeiden, aber das reicht halt nicht aus. Und manchmal ist das nur ein vereinfachendes Wort, vor dem man keine Angst haben braucht. Für den Zweck dieser Diskussion können wir sagen: eine Vorstellung/ein Glaube ist dann falsch, wenn er zur Erreichung eines Ziels nicht hilfreich und/ist oder Leid verursacht. Das Ziel eines ABs wird angenommen als: in eine Beziehung zu gelangen, kann aber auch was anderes sein.

Und dann vereinfacht sich der Eröffnungsbeitrag halt so: ein möglicher Fortschritt ist es, die falschen Vorstellungen durch richtige zu ersetzen. :hut:
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Deja-vu »

sascha94 hat geschrieben: ↑01.10.2026, 18:36 weil du meinen Fall angesprochen hast.
War jetzt auch absolut nicht als Angriff gemeint.
sascha94 hat geschrieben: ↑01.10.2026, 18:36 Da waren von Anfang an sehr ehrliche Gefühle, Herzklopfen und Knistern im Spiel.
So läufts in den meisten Fällen, und auch als AB darf man sich das wünschen.
sascha94 hat geschrieben: ↑01.10.2026, 18:36 Gefühle sind der Funke – ohne sie geht nichts.
Und das sehen wohl die meisten Menschen so.
Tania hat geschrieben: ↑01.10.2026, 19:08 Du übersiehst ziemlich beharrlich, dass ich beidseitige Liebe als Teil einer Beziehung ansehe. Nur eben als einen Teil, der erst innerhalb einer Beziehung wächst und nicht von Anfang an da sein muss.
So richtig versteh ich das immer noch nicht. Du denkst, zwischen zwei Menschen, die sich gut verstehen, und dann gemeinsam festlegen: "Wir haben jetzt ne Beziehung", kommen die Gefühle irgendwann von allein? Auch die sexuellen? Das kann natürlich passieren - zB wenn aus Freundschaft Liebe wird. Wär eigentlich der Idealfall, zumindest für mich. Komischerweise wurde genau dieser Ansatz hier oft nicht verstanden. Denn das wäre nach meiner Definition Freundschaft Plus.
Aber es ist nun mal auch kein Garant, dass das passiert. Sonst wäre ich ja mit meiner besten Freundin zusammen.

Vielleicht verstehe ich auch gerade alles falsch, kann sein...
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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von sascha94 »

Deja-vu hat geschrieben: ↑01.10.2026, 21:16
War jetzt auch absolut nicht als Angriff gemeint.
Alles gut, habe das auch absolut nicht als Angriff verstanden! 🙂 Im Gegenteil: Ich finde genau solche Diskussionen und den Austausch unterschiedlicher Blickwinkel total spannend und konstruktiv. Das zeigt ja nur, wie vielschichtig das Thema ist
https://abtreff.de/viewtopic.php?t=30224

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Re: Was ist, wenn der Glaube das Problem ist?

Beitrag von Tania »

Deja-vu hat geschrieben: ↑01.10.2026, 21:16 Du denkst, zwischen zwei Menschen, die sich gut verstehen, und dann gemeinsam festlegen: "Wir haben jetzt ne Beziehung", kommen die Gefühle irgendwann von allein?
Nein, aus verbalen Festlegungen entstehen sicher keine Gefühle. Aber wenn man sich tatsächlich füreinander entscheidet, den/die jeweils Andere/n zu einem Teil des eigenen Lebens macht, in guten und schlechten Zeiten füreinander da ist, Glück und Ärger miteinander teilt - das verbindet. Und wenn man dann die Gefühle zulässt - auch die, die wehtun(*) -, dann können sie wachsen.

(*) Damit meine ich z.B. den Schmerz, wenn man sich voneinander trennen muss (gerade bei Fernbeziehungen oder LAT-Modellen ein Thema), die Sorge, wenn der/die Andere krank ist, die Angst, ihn/ihr könnte etwas zustoßen, das Mit-Leiden, wenn er/sie etwas Schlimmes erlebt ....
Auch die sexuellen?
Funktioniert wohl nicht in jedem Fall - da spielt zu viel Biochemie mit. Aber wenn einem in Gegenwart des/der Anderen nicht direkt alles vergeht und wenn man grundsätzlich kompatible sexuelle Vorlieben hat, kann man sich auch in diesem Bereich einander so weit annähern, dass eine für beide befriedigende Situation draus wird.
Das kann natürlich passieren - zB wenn aus Freundschaft Liebe wird.
Ja, das wäre ein Beispiel. Allerdings gibt es auch da einen Unterschied - einerseits die Konstellation, bei die Liebe schon in einer beziehungsähnlichen Verbindung gewachsen ist und man es eigentlich nur noch aussprechen muss, und andererseits die, bei der sich zwei gute Freunde mysteriöserweise zeitgleich spontan ineinander verlieben. Letzteres meine ich nicht. (Nebenbei bemerkt: auch in dem oft zitierten Song "Tausendmal berührt" bleibt offen, ob es bei der Dame ebenfalls "Zooom gemacht" hat, oder ob sie nach dem Aufwachen etwas von "Ach Du Scheisse, wir haben gestern wohl etwas viel getrunken, lass uns das bloß schnell vergessen" gemurmelt hat.)

Ein weiteres Beispiel wäre die Situation, bei der es bei einem der Beteiligten "gefunkt" hat und beim Anderen nicht, aber bei Beiden trotzdem so viel Beziehungswunsch und Sympathie da ist, um es wenigstens mal miteinander zu versuchen. Mit genug Engagement und Commitment von beiden Seiten kann das funktionieren - mit der Attitüde "ich lass es einfach laufen und schau wie es sich entwickelt" eher nicht. Denn jemanden zu lieben ist nun mal eine aktive Entscheidung - Verliebtheit kann einen auch einfach wie der Blitz treffen, aber Liebe muss man wollen, zulassen und aktiv fördern.

Und das letzte Beispiel wäre die Situation, bei der zwei Menschen auf Partnersuche feststellen, dass sie einander grundsätzlich sympathisch finden, kompatible Vorstellungen und Lebensziele haben und diese miteinander verwirklichen möchten. Hierzulande eine seltene Konstellation, in anderen Regionen der Erde durchaus üblich.

Komischerweise wurde genau dieser Ansatz hier oft nicht verstanden. Denn das wäre nach meiner Definition Freundschaft Plus.
Freundschaft Plus ist eigentlich so definiert, dass die Art von Gemeinsamkeit, in der sich Gefühle entwickeln können, gerade nicht gewünscht ist. Also man erlebt zwar ab und zu ein paar Stunden zusammen (geht mal zusammen ins Kino, spielt paar Partien Schach, hilft sich beim Umzug, feiert ab und zu miteinander, geht regelmäßig essen usw. - aber es gibt keinen gemeinsamen Alltag). Indiz: wenn man sich mit einem Freund trifft, gibt es immer ein paar Minuten "catch up" Gespräch, in dem man sich gegenseitig erzählt, was in den letzten Tagen/Wochen so passiert ist. Natürlich beschränkt man sich dabei auf das Wesentliche, und meist hat man diese Dinge emotional auch schon verarbeitet. In einer Beziehung fragt man täglich "Und, wie war Dein Tag" (oder hat den Tag eh zusammen verbracht, oder hat sowieso schon aktiv alles erzählt) - und erfährt dann alles, was den/die Partner/in so beschäftigt und kann es empathisch mit-fühlen und gemeinsam verarbeiten. So etwas verbindet.

Bei einer Freundschaft - egal ob mit oder ohne Plus - kann man am Leben des Anderen teilhaben und gelegentlich einen Teil miteinander verbringen. Bei einer Beziehung teilt man das Leben miteinander. Also die Zahl der Dinge, die man miteinander erlebt (unmittelbar oder mittelbar) ist wesentlich größer als in einer Freundschaft.
Aber es ist nun mal auch kein Garant, dass das passiert. Sonst wäre ich ja mit meiner besten Freundin zusammen.
So, wie Du die Beziehung zu Deiner besten Freundin schilderst, würde ich vermuten, dass ihr eigentlich schon sowas wie eine platonische Beziehung miteinander habt.

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