Verliebtheit ist kein zu hoher Anspruch. Es ist nur nicht mit "Beziehung" gleichzusetzen. Also weder ist Verliebtheit zwingend erforderlich, um eine glückliche Beziehung zu führen, noch bedarf es einer Beziehung, um sich zu verlieben. Also bitte: wenn Du Dich verlieben willst, dann schreib (oder denk) das so. Wenn Du willst, dass sich Dein Gegenüber auch in Dich verliebt, dito. Und wenn Du eine Beziehung UND Verliebtheit willst, dann kannst Du das auch klarstellen. Vielleicht sogar, dass Du erst verliebt sein musst, und dass das erwidert werden muss, um eine Beziehung einzugehen. Wäre ja nicht wirklich unüblich.
Ich persönlich stehe diesem Konzept nun mal skeptisch gegenüber. "Verliebtheit" führt bekanntlich zu solchen Phänomenen wie übersprudelnden Hormonen, die dann für die berühmte rosarote Brille sorgen ... Es erscheint mir zutiefst unlogisch, ausgerechnet in diesem Zustand partieller geistiger Umnachtung lebensverändernde Entscheidungen zu treffen. Ich weiß aber auch, dass ich diesen Zustand brauche, um mich überhaupt zu solchen lebensverändernden Entscheidungen durchzuringen. Was allerdings natürlich auch daran liegen könnte, dass ich nur so halb eine Beziehung will - also es spricht genauso viel dafür wie dagegen. Die Verliebtheit gibt dann den entscheidenden Ausschlag.
Aber wer sich sehnlichst eine Beziehung wünscht - also abends nicht mit dem Gedanken "ich will mich verlieben" einschläft, sondern mit dem Gedanken "ich wünschte jemand würde jetzt neben mir liegen" -, der könnte durchaus mal erwägen, eine Vernunftbeziehung zu beginnen. Wo eben keine wilden Schmetterlinge flattern, die eventuelle Unterschiede rosarot einfärben, sondern wo es einfach im Wesentlichen passt. Ich bin ziemlich sicher, dass sich nach ca. einem Jahr voller Höhen und Tiefen, die man gemeinsam erlebt und in denen man füreinander da war, mit inzwischen gemeinsam geschmiedeten Zukunftsplänen und einem so entwickelten Sexleben, dass es für beide passt, ein Gefühl entwickelt, dass sich nicht wesentlich von dem unterscheidet, das Paare haben, die mit Verliebtheit angefangen haben. Zumindest die, die sich nicht nach Abflauen des Hormonrausches mal nüchtern angeschaut und festgestellt haben, dass es irgendwie doch nicht passt.
Und gerade bei ABs sehe ich auch noch die Gefahr, dass sie "glücklich verliebt" vielleicht gar nicht erkennen könnten. Habe ich zumindest so erlebt: für mich war "Verliebtsein" immer mit Nervosität und Unsicherheit und dem Gefühl, um den Betreffenden kämpfen zu müssen, und eigentlich nicht gut genug zu sein, verbunden. Das war extrem intensiv - und wenn der "Kampf" dann erfolgreich war, war das Glücksgefühl gigantisch. Aber wenn einfach jemand kommt und sagt "Ich will Dich genau wie Du bist und ich bin genauso in Dich verliebt wie Du in mich" - dann ist das zwar schön - aber längst nicht so intensiv. Manchmal fühlt es sich sogar falsch an, und man fragt sich, was mit dem Menschen nicht stimmt und wartet eigentlich nur auf den Tag, an dem der große Knall kommt.... Dabei ist das einzige, was nicht stimmt, das eigene Selbstwertgefühl.