Elfriede hat geschrieben: ↑10.07.2025, 14:41
Das heißt dann also, dass du eigentlich gar keine Abine bist, weil du lieber auf einen Partner ganz verzichtest, als einen zu nehmen, der nicht deinen Anforderungen entspricht?
Ich bin schon seit längerem keine Abine mehr. Als ich meine ersten Erfahrungen gemacht habe, dachte ich auch noch so wie du - ich kann keine Perfektion oder Verliebtsein erwarten, Hauptsache man versteht sich gut, dann findet man immer eine Lösung etc.pp.
Es hat sich dann aber herausgestellt, dass das (für mich) nicht realistisch ist. Liebe entwickelt sich nicht "mit der Zeit". Da muss schon von Anfang an beidseitig etwas da sein, sonst kann man sich zwar eine Weile einer Illusion hingeben, aber über kurz oder lang hält das der Realität nicht stand. Wenn die Gegensätze zu groß sind und die Anziehung zu gering, dann langweilt man sich spätestens nach ein paar Jahren gegenseitig oder geht sich auf die Nerven und wenn über längere Zeit hinweg keine Perspektive mehr da ist, dass die Dinge besser werden, dann gibt es irgendwann keinen Grund mehr, zusammen zu bleiben. Warum soll man sich gegenseitig quälen, wenn keine Liebe da ist? Dann lieber gleich von Anfang an strenger aussortieren. Das waren auch für mich sehr schmerzhafte Erfahrungen, aber ich bin tatsächlich an einem Punkt, wo ich auf weitere derartige Experimente keine Lust habe.
Ich habe gelernt, dass ich von meinen Partnern kaum Entgegenkommen hinsichtlich meiner Bedürfnisse erwarten kann und inzwischen bin ich auch nicht mehr bereit, meinerseits meine Bedürfnisse für einen Mann, dem ich ohnehin nicht wirklich wichtig bin, komplett hintenanzustellen.
Aber ich denke, du kommst da auch aus einer anderen Generation, wo Selbstaufopferung für Mann und Familie gerade für Frauen noch eher etwas war, was selbstverständlich erwartet wurde.
Einen Partner, der gar keine Hunde mag oder der lieber zum Ballermann fährt als in die Berge würde ich übrigens auch nicht wollen und finde das auch legitim. Das weist schon auf ziemlich grundlegende Interessens- und Wertunterschiede hin.
Elfriede hat geschrieben: ↑11.07.2025, 09:48
Also diese Anspruchshaltung einem potentiellen Partner gegenüber finde ich wirklich schlimm. Meiner Meinung nach kann kein Mensch immer zu 100% alle Bedürfnisse seines Partners erfüllen. Und überhaupt ist eine Beziehung spätestens nach ein paar Jahren sowieso eher Arbeit als Bereicherung. Dessen sollte man sich immer bewusst sein. Dieses klare Abwägen, inwiefern eine Beziehung einen Mehrwert darstellt, finde ich fast schon unmenschlich und hat mit Liebe ganz sicher nichts zu tun.
Darf ich fragen, warum du noch mit deinem Mann verheiratet bist, wenn dir die Beziehung eigentlich nichts gibt und sich nur nach Arbeit anfühlt?
Es mag hart formuliert sein, aber im Endeffekt ist eine Beziehung ja kein Selbstzweck, sondern soll einen zumindest unterm Strich die meiste Zeit glücklicher machen als man als Single wäre. Dass dabei nicht immer alle Bedürfnisse erfüllt werden können ist klar. Aber die Aussage, dass man mit jemand Unpassendem zusammenbleiben sollte, auch wenn man diese Person nicht als Bereicherung empfindet, weil nur das ja dann "Liebe" ist, finde ich ehrlich gesagt sehr problematisch. Gerade für Menschen, die in toxischen und missbräuchlichen Beziehungen feststecken. Ich wäre sehr verletzt, wenn mein Partner mir gegenüber so empfinden würde und glaube, ich könnte mit so einem Menschen nicht zusammenbleiben.